Die Sonntagsleserin #KW13

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,Immer wieder sonntags‚ kommt die Erinnerung – ist es noch jemandem im Ohr? Diese Schlagerhitparade mit einem stetig möglichst gebissentblößend grinsenden Max Schautzer – im Programm so illustre Gäste wie Gotthilf Fischer und Geier Sturzflug? Warum ich das weiß? Ich hatte eine schlimme Kindheit in Ostdeutschland. Eigentlich wollte ich auch gar nichts davon schreiben, sondern mich, wenn auch spät, der von der Bücherphilosophin in die Welt gewuchteten Sonntagsleserin widmen. Aber hin und wieder muss man ja auch über so etwas mal reden dürfen.

Nachdenklich machte mich diese Woche wieder einmal die liebe Ada Mitsou – im positiven Sinne, versteht sich. Selbst entschlossen, ihre Buchkäufe auf ein Minimum zu beschränken, überlegt sie, was hinter dieser Bücherhamsterei steckt, die manch einen bibliophilen Menschen irgendwann heimsucht. Freilich mag das bei jedem Betroffenen ganz individuelle Gründe haben, die Auswirkungen – nämlich prallgefüllte Bücherregale mit ungelesenen Büchern – sind immer dieselben.

Mein persönlicher Buchzuwachs.

Mein persönlicher Buchzuwachs.

Mit Freude gelesen habe ich auch buecherrezensions Besprechung zu Heinrich Steinfests ,Der Allesforscher‘. Witzig, absurd, mit viel Humor, aber dennoch nicht albern, so stelle ich mir einen Roman vor, der in der Rezension folgend brilliant angepriesen wird: Es beginnt mit einem explodierenden Wal. So, wie eben viele Geschichten anfangen. Eine Besprechung, die – mir jedenfalls – richtig Lust auf das Buch macht.

Bei Karthauses Bücherwelt fand ich eine Rezension zu einem von Max Brods Romanen. Den meisten wird Max Brod eher als der ein Begriff sein, der sich dem Willen Franz Kafkas widersetzte und – statt dessen gesammelte Manuskripte folgsam zu verbrennen – dessen Erzählungen und Fragmente posthum veröffentlichte. Aber auch Brod selbst schrieb und das, glaubt man der Rezensentin, beileibe nicht schlecht. Sie resümiert sogar: Solch einen großartigen Roman habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Coffee & Books hat sich mit ,Transatlantik‘, dem neuen Roman von Column McCann beschäftigt, der seine Handlung auf schwindelerregend viele Zeitebenen verteilt ablaufen lässt. Ein bisschen spröde wirke das, nicht einheitlich in seiner Qualität. Ein Buch bei dem man, laut Rezension, zwar Abstriche machen müsse, das aber die Lektüre zweifelsohne dennoch lohne.

Die liebe Birgit von Sätze&Schätze ist ja fast Dauergast (ich reime vermehrt unbeabsichtigt, stelle ich fest!) bei meiner Sonntagsleserin. Das ist mir aber eigentlich egal, ich kann ja nichts dafür, wenn sie immer so schöne Beiträge schreibt. So zum Beispiel Anfang der Woche die Rezension zu ,Albert Londres – Ein Reporter und nichts als das‘ aus der Anderen Bibliothek.

Am Schluss noch zwei Blogtipps. Manchmal entdeckt man ja in diesem riesigen Onlinebücherblogdschungel noch Seiten, die einem entgangen sind. Warum auch immer. So geschehen mit der Lesewiese und – schon vor längerer Zeit – Brasch & Buch. Reinschauen lohnt sich! Und damit verabschiede ich mich – lose nachher noch aus, wer die hübschen Atlantikbeutel bekommt. Danke für eine Menge schöner Artikel, wie immer! Kommt gut in die neue Woche!

Auf der Buchmesse gesehen und in die Zeichnungen verliebt - Isabel Seliger, http://www.isabelseliger.com/

Auf der Buchmesse gesehen und in die Zeichnungen verliebt – Isabel Seliger, http://www.isabelseliger.com/

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Die Sonntagsleserin #KW12

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Beim verstohlenen Blick auf den Kalender stellt man fest, dass schon wieder Sonntag ist und deshalb eben auch, naturgemäß, Sonntagsleserinnentag. Die Bücherphilosophin hat’s erfunden, mitmachen kann jeder mit eigenem Blog und dem Bedürfnis, die Arbeit seiner bloggenden und schreibenden Kollegen zu würdigen. Hoch die Kaffeetassen, Müslischalen, – so Frühstücksutensilien eben. Geht los.

Tobias Lindemann vom Libroskop stellt seinen Lesern Sarah Kofman und ihren Prosa-Text Rue Ordener, Rue Labat vor. Kofman, später international renommierte Philosophin, wurde 1942 von ihrer Mutter vor den Nazis versteckt. Ein Umstand zwar, der ihr das Leben rettete, offensichtlich aber einer, der sie langfristig von ihrer Mutter entfremdete. Dieses wirklich schmale Buch wirft einen Blick auf die Überlebenden und ihre Versehrungen. Eine sehr lesenswerte Rezension!

,Traut keinem Reiseführer‚, schrieb Andrea Breuer vom danares mag diese Woche in einem höchst amüsanten Artikel. Was passiert, wenn Filmschauplätze zu touristischen Pilgerorten werden, ja, wie wenig der Film oft mit der Realität zu tun hat, kann man dort nachlesen. Ich wollte ja mal nach London, fällt mir da ein. Aber nicht wegen Hugh Grant.

Auf Wortgalerie gibt es eine sehr anregende Rezension zu Elif Shafaks ,Ehre‘. Für viele von uns ist der Ehrbegriff längst aus unserem alltäglichen Vokabular verschwunden, in anderen Kulturkreisen aber spielt er noch immer eine nicht zu unterschätzende Rolle. Einen ,wichtigen und gesellschaftskritischen Roman‚ hat Ann-Christin Helmke gelesen.

Im Bücherwurmloch finde ich, so scheint es mir, hinsichtlich des schwarzen Humors eine Verwandte im Geiste. Mariki bespricht den neuen Roman von Yasmina Reza so begeistert – und das eben wegen diesem ausnahmend hohen Anteil Bösartigkeit -, dass ich jetzt eigentlich mit der Lektüre nicht mehr lange warten möchte.

Gestern war Indiebookday, wie viele euch ja sicherlich erfreut zur Kenntnis genommen haben werden. Viele,viele haben sich beteiligt, sind in die Buchhandlung ihres Vertrauens gepilgert und haben Bücher aus kleinen,unabhängigen Verlagen nach Hause getragen. So auch ich. Entschieden habe ich mich letztlich für ,Blitzbirke‚ von Lisa Kreißler aus dem mairisch Verlag, ,Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche‚ von Mason Currey aus dem Kein & Aber Verlag und ,Baby‚ von Paula Bomer aus dem Openhouse Verlag.

indiebookday

Ich freue mich sehr auf die Lektüre und über die rege Teilnahme. Auch diesmal haben manche Bücher aus Verlagen aufgetrieben, von denen ich tatsächlich nie zuvor gehört hatte. Ein Beweis dafür, dass es in der deutschen Verlagslandsschaft nicht etwa am Vorhandensein des Besonderen mangelt, sondern an Öffentlichkeit. Aber dagegen, das wissen wir, wird ja mittlerweile an vielen Stellen eine Menge getan.

Mit großem Interesse habe ich diese Woche auch den Buchmesse-Bericht von Marion Alexa Müller gelesen, ihrerseits Verlegerin im Periplaneta Verlag. Kein Bericht also aus Besuchersicht, sondern aus der Sicht eines ausstellenden Independent-Verlages, dem es an einigen Stellen doch überraschend schwer gemacht wird. Das Lesen des Artikels lohnt sich!

Birgit von Sätze&Schätze beglückte mich heute Morgen mit einem Artikel über Isaac B. Singer, der mir bisher tatsächlich – Asche auf mein Haupt – weitgehend unbekannt war. Trotz Nobelpreis. Außerdem gibts eine Katzenanekdote. Für den, der noch irgendeinen Anreiz braucht, auf Sätze&Schätze vorbeizuschauen. (dürften nicht viele sein)

Zu guter letzt legt Frederik Tidén auf Istina überzeugend dar, weshalb er sich nicht mehr empören kann. Weshalb wir uns eigentlich nicht über Gleichgültigkeit in der Gesellschaft beklagen können. Ein kluger und interessanter Artikel. Zitat: Wenn wir kämpfen für eine gerechte Welt, dann muss uns klar sein, dass wir einen Zustand herbeiführen wollen, den es bis dato noch nie gegeben hat.  Das muss der Ausgangspunkt für unsere Debatten und Strategien sein. Alles andere ist bloß Empörung.

Danke für eine Woche voller kluger und toller Artikel, von denen so einige natürlich wieder unbenannt geblieben sind. Einen guten Start in die neue Woche! Ich verabschiede mich wieder mal mit zauberhafter Musik. Indiemusik, gewissermaßen.

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Die Sonntagsleserin #KW11

sonntagsleserin

Wieder Sonntag, wieder Sonntagslesen. Von der Bücherphilosophin zur Welt gebracht und mittlerweile von vielen Bloggern mitgestaltet. Was in der Woche bei den Kollegen zu lesen war, darf jeder an ihrem Ende (der Woche, nicht der Kollegen) revue passieren lassen. Und dasProjekt erfährt nun eine kleine „Erweiterung“: Künftig dürfen bis Mittwoch die Beiträge gepostet werden, aus Rücksicht auf all jene, die den Sonntag nicht allein am PC, sondern berechtigterweise im Kreise ihrer Familie verbringen wollen.

Bei aus.gelesen gibt es eine Besprechung zu Emmanuel Bernheims ,Allesist gutgegangen‘. Auch masuko hat diesen Roman, der das Thema Sterbehilfe auch aus der Sicht einer Angehörigen thematisiert, bereits besprochen. Ein Vater bittet seine Tochter nach einem Schlaganfall, ihm dabei zu helfen, sein Leben zu beenden. Was so eine Bitte bedeuten kann und ob man ihr überhaupt entsprechen soll, scheint Bernheims Roman gut auszuloten.

Wortgalerie beschäftigt sich mit Juli Zeh und ihren Romanen, sowie der Frage, inwieweit die politisch sehr aktive Autorin mit ihren Werken zur Weltliteratur gerechnet werden kann. Ich werde in Bälde meinen ersten Roman von Juli Zeh lesen und bin um diese Eindrücke daher sehr dankbar – halten sie doch auch wohltuenden Abstand zu der landläufigen Ansicht, dass Weltliteratur nur das sein könne, was ohnehin bereits seit hinreichend langer Zeit kanonisiert ist.

Gérard Otremba führt uns auf pop-polit in ,Mélodie d’amour‘ von Margriet de Moor ein. Die Autorin zeichne ‚psychische Befindlichkeiten, mit aufregender Intensität, oftmals bis zur Fassungslosigkeit bestürzend‚. Tatsächlich führen solcherlei Romane doch immer untrüglich die Tatsache vor Augen, dass wir uns nicht so sehr vor abstrakten Dingen, sondern vielmehr vor manch einer menschlichen Beziehung zu fürchten hätten. Die Melodie der Liebe ist eben bisweilen ein grausames Krächzen.

Auf Sichten und Ordnen beschäftigt man sich, auch vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte, mit dem Langemarck-Mythos. Über Generationen hinweg wird da eine verfälschte Formulierung weitergetragen, die am Ende wirklichkeitsbildend ist. ,Das Deutschlandlied auf den Lippen‚ sei der Großonkel 1914 bei Langemarck gefallen. Dumm nur, dass der überwiegend Englisch sprach und es sich ohnehin als fraglich erwiesen hat, ob man an der Front tatsächlich zu singen imstande ist.

Fabian Thomas von The Daily Frown ist überwältigt von Dorothee Elmigers neuem Roman ,Schlafgänger‘. Mit einer Sprache, die ‚vor Schönheit fast zerbirst‚ sieht man sich hier einem Text gegenüber, der mit Perspektiven und Themen experimentiert, jongliert und dabei offensichtlich immer die Fäden in der Hand und den Überblick behält. Ein Buch, bei dem man sich, so Fabian Thomas, schon am Anfang nicht mehr sicher ist, ob es sich dabei wirklich um einen Roman handelt – aber das sei dann ja bei so einem Stück Literatur eigentlich fast egal.

Coffee&Books macht mit ,Die niedrigen Himmel‘ von Anthony Marra eine Entdeckung, an der zwar zu knabbern war, die sich aber vollumfänglich gelohnt hat. ,Wahrlich große Literatur‘ wurde hier entdeckt. Ein Roman über den Krieg in Tschetschenien. Und das (Über)leben.

In einem Leipziger Antiquariat kaufte ich mir überdies ein Buch von Robert Gernhardt, aus dem ich abschließend – quasi als Ersatz für filmische oder musikalische Einlagen-, einfach ein Bild präsentieren möchte, das für sich sprechen kann.

gernhardt

Ich danke wie immer für die tollen und bereichernden Artikel und wünsche einen guten Start in die neue Woche!

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