Der Bachmannpreis für Tex Rubinowitz

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Der letzte Lesungstag in Klagenfurt war einer, der durchaus das Schmunzeln und Lachen erlaubte. Katharina Gerickes ,Down Down Down- To The Queen Of Chinatown‚ über Bühnenreife und die Unsäglichkeit von Liebe, erhielt heute letztlich den Mr. Heyns Ernst-Willner-Preis. Auch der frischgebackene Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz und sein etwas hingeschnodderter Text ,Wir waren niemals hier‚ über eine vergebliche Beziehung erntete mehr als einmal lautes Lachen. Einzig Georg Petz und sein Millefleurs musste sich am gestrigen Tag harte Kritik gefallen lassen. Zwar bekundete die Jury überwiegend Respekt für den Anspruch, den der Text stelle, sehe diesen aber literarisch und handwerklich keineswegs innerhalb des Textes verwirklicht. Leider scheitere er auf ganzer Linie an sich selbst. Dennoch: Der letzte Lesungstag war ein kleiner Lichtblick in einem Wettbewerb, der überwiegend so staubtrocken und theoretisiert verlief, wie man es literarischen Veranstaltungen vielfach zu Unrecht vorwirft.

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Der erste Tag am Wörthersee

38. TDDL 2014

Der erste Tag des Klagenfurter Wettlesens am beschaulichen Wörthersee ist vorüber. Problembeladen war er, thematisch beschwerlich. Von Tod und Krankheit über Nerzzucht vor dem Hintergrund des Dritten Reiches, von Bürokratenpossen über die Leiden des Mutterseins, schließlich endend in wieder erwachenden Leidenschaften stürmischer Jugendjahre auf einem trockenen Geschäftskongress.

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Klagenfurt 2014, – Das Wettlesen beginnt wieder

logobachmann100_v-TeaserAufmacherLetztes Jahr stand noch zu befürchten, dass es den Bachmannpreis nicht länger geben wird, dass er zu einem Auslaufmodell gehörte, das sich der Österreichische Rundfunk nicht mehr leisten will. Es wurde heftig diskutiert und protestiert,schlussendlich ist er geblieben. Mit (fast) allen seinen Eigenheiten, so, wie wir ihn kennen. Übermorgen wird er eröffnet, am Donnerstag werden die ersten Teilnehmer lesen und sich vor Publikum dem Juryurteil stellen. Eben fast ein bisschen wie bei einer Castingshow – bloß literarisch und besser! Dieses Mal lesen:

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Der Ingeborg-Bachmann-Preis

… oder Wettlesen am Abgrund

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Er ist dieser Tage in aller Munde, der seit 1976 verliehene und von der Stadt Klagenfurt zu Ehren Ingeborg Bachmanns gestiftete Literaturpreis. Und das nicht nur, weil die Videoportraits der diesjährigen Teilnehmer veröffentlicht worden sind, sondern vor allem, weil der Stiftungsrat des ORF vor etwas über einer Woche bekanntgab, den Bachmann-Preis 2014 nicht mehr ausrichten zu wollen. Mehr als 80 Millionen Euro müssten eingespart werden, so Generaldirektor Alexander Wrabetz, sogenannte „Umschichtungen im Programmbudget“ sind ihm zufolge eine von mehreren geplanten Interventionsmaßnahmen zur Einsparung. Kaum dass diese Meldung sich verbreitet hatte, ging ein Aufschrei durch die Literaturszene. Verlage, Journalisten, Autoren – alle einte irgendwas zwischen stiller Betroffenheit und vernehmlicher Fassungslosigkeit. Der ORF vermeldet, die Ausrichtung eines solchen Wettbewerbs gehöre nicht zum Kerngeschäft des Senders.

Zeit für mich, einen Blick auf die Vergangenheit des Bachmann-Preises zu werfen und ein bisschen in die Geschichte dieses durchaus nicht unumstrittenen Wettbewerbs einzutauchen. Im Rahmen der merhtätigen Veranstaltung „Tage, der deutschsprachigen Literatur“ treffen seit nunmehr siebenunddreißig Jahren in Klagenfurt Autoren und Autorinnen aufeinander, die man guten Gewissens als teils avantgardistisch und dem kulturellen Massenbetrieb fernstehend bezeichnen darf. Der Bachmann-Preis gilt als der vermutlich spektakulärste und strittigste Literaturpreis im deutschsprachigen Raum. Ins Leben gerufen wurde er von dem Autor und Journalist Humbert Fink sowie dem damaligen Intendanten des ORF-Landesstudios Kärnten Ernst Willner. Sie wollten einen Literaturwettbewerb nach Vorbild der legendären Gruppe 47 veranstalten, in dem die Autoren in einer Art Lesewettstreit gegeneinander antreten. 25 Minuten haben sie bis heute dafür, ihre unveröffentlichten Prosatexte in Gänze oder ausschnittweise vorzutragen und die siebenköpfige Jury zu überzeugen.

Rechte: dpa

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Namensgebend für den mit 25.000 Euro dotierten Preis ist Ingeborg Bachmann, eine österreichische Schriftstellerin, die ihren Ruhm zu großen Teilen auch der Gruppe 47 verdankt. Sie gilt bis heute als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Autorinnen des 20.Jahrhunderts. Ursprünglich strebte sie eine Musikerlaufbahn an und begann bereits in jungen Jahren zu komponieren. 1953 las sie zum ersten Mal auf einer Tagung der Gruppe 47, jenem legendären Zusammenschluss aus Autoren, der unter anderem auch Martin Walser, Günter Grass und Heinrich Böll bekannt machte. Ingeborg Bachmann verbanden Liebschaften mit Paul Celan und Max Frisch. 1964 erhielt sie den Büchner-Preis, ein Jahr später zog sie nach Rom zurück, wo sie zuvor bereits seit 1960 mit Max Frisch gelebt hatte. Unter der Trennung von ihm litt sie sehr, nahm Tabletten und trank. Im Alter von nur 47 Jahren starb Ingeborg Bachmann.

Meine Existenz ist eine andere, ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe. […] Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran

Ingeborg Bachmann

Einer der spektakulärsten Auftritte beim Ingeborg-Bachmann-Preis war vermutlich der von Rainald Goetz im Jahre 1983. Vor laufenden Kameras schnitt sich Goetz während des Lesens mit einer Rasierklinge in die Stirn und verließ nach Beendigung seines Textes blutüberströmt die Bühne. Zwar bekam er keinen Preis, vermutlich ging er aber mit diesem Auftritt auf ewig in die Geschichte des Bachmann-Preises ein. Die Liste der Teilnehmer des Lesewettstreits liest sich wie das Who-is-Who der etwas gehobeneren Literaturszene. Da finden wir Ulrich Plenzdorf, Sten Nadolny, Sibylle Lewitscharoff, Uwe Tellkamp, Peter Wawerzinek, Tilmann Rammstedt, Jenny Erpenbeck, Wolfgang Herrndorf oder Ilija Trojanow, um nur so einige zu nennen. Doch viele Schreibende verschwinden nach einem kleinen Erfolg in Klagenfurt auch wieder von der Bildfläche und niemand mag sich mehr so recht an sie erinnern. Angela Krauß, Kurt Drawert oder Norbert Niemann. Zwar arbeiten und schreiben sie weiterhin, doch der Fokus der Öffentlichkeit liegt mittlerweile, vielleicht ganz natürlich, auf anderen Stimmen. So zum Beispiel auf der Preisträgerin des letzten Jahres Olga Martynova, deren Roman „Mörikes Schlüsselbein“ im März im Literaturverlag Droschl erschien.

Auch dieses Jahr sind wieder so einige durchaus nicht unbekannte Literaten zum Wettlesen geladen. So zum Beispiel

Roman Ehrlich, dessen Roman „Das kalte Jahr“ im August im Dumont Verlag erscheint.

Hannah Dübgen ist dabei, ihr Roman „Strom“ erscheint im August bei dtv.

Joachim Meyerhoff, dessen Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war„, der im Februar diesen Jahres bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Philipp Schönthaler, dessen Erzählungen „Nach oben ist das Leben offen“ letztes Jahr im Matthes & Seitz Verlag erschienen.

Benjamin Maack, dessen Roman „Monster“ letztes Jahr im Mairisch Verlag erschien.

Die Liste aller Teilnehmer findet sich hier. Ob und in welchem Rahmen der Bachmann-Preis weiterhin stattfindet, ist noch fraglich. Dass aber tatsächlich sein letztes Stündlein geschlagen hat, will ich angsichts dieses journalistischen Sturmlaufs gegen die Wegrationalisierung nicht so recht glauben. Hier und da soll es schon Finanzierungsangebote geben, wird dürfen gespannt sein. Ein Wettlesen steht uns ja dieses Jahr noch bevor, in wenigen Tagen geht es los. Wer sich darüber auf dem Laufenden halten will, kann das u.a. mithilfe des Podcasts von literaturcafe.de .

Buchhandlung Heyn in Klagenfurt

Den Anfang meiner zukünftigen Reihe ,Die Kleinsten werden die Größten sein‚ macht, zu meiner Freude und Überraschung gleichermaßen, sogar eine österreichische Buchhandlung! Bloggerin Yvonne von privatkino stellt uns diese ganz besondere Perle vor. Und ich war wirklich überrascht! Aber lest selbst ..

HeynUbersichtDie Buchhandlung Heyn liegt zentral in Klagenfurt, der Landeshauptstadt von Kärnten. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie ungefähr eine Stunde von mir entfernt – dazwischen gebe es genügend Geschäfte, in denen ich meine Sucht stillen könnte, aber es ist ein Ritual, sich mindestens einmal im Monat in die Bahn zu quetschen, ruckelnd durch die Gegend gefahren zu werden, um sich letztlich die Belohnung abzuholen, nämlich ein Wohlfühlgeschäft aufzusuchen.

Lässt man die Tür und das Erdgeschoß hinter sich (Reiseführer sind nicht meine bevorzugte Lektüre), dann erreicht man beinahe eine andere Welt. Eines der schönsten Dinge sind die knarrenden Holzdielen unter den eigenen Füßen, die einen ein altertümliches, eroberndes Gefühl geben. Wohin zuerst? Links die Sachbücher unsicher machen, oder sich doch rechts auf die Belletristik, Kinder und Jugendbücher stürzen? Eine Gewissensfrage und doch weiß man, dass man sowieso jedes Regel sicherlich mehr als einmal abgeht, weil man doch immer etwas übersehen könnte. Und egal wie oft ich mir vornehme, nur kurz mal zu gucken, letztlich bleibe ich minimal wieder zwei Stunden, weil ich mich im Warensortiment verloren, oder mich in der Leseecke heimatlich eingerichtet habe. Es ist nämlich so, neben den Bestsellern findet man bei Heyn geheime Perlen, auf welche man am Buchmarkt sonst nicht aufmerksam gemacht wird und so ist es eine unendliches Stöbern, bis man einen kleinen Stapeln an Büchern angesammelt hat, die man ins Wohnzimmer, Verzeihung, in den, für die Besucher vorbereiteten, Aufenthaltsraum mitnimmt, wo man sich erst einmal festliest. Und während man in Büchern vertieft ist, flitzen zwei schwarze Blitze durch die Gegend oder setzen sich zu den eigenen Füßen, blicken einen mit großen Augen an.

HeynJugendbuchKatzen. Mr. & Mrs. Heyn. War die Wohnzimmeratmosphäre noch nicht perfekt, so ist sie es jetzt auf jeden Fall. Die Fellmonster sind noch kein Jahr in der Buchhandlung, aber schon längst das Aushängeschild geworden. Es ist aber auch eine ganz eigene Sache, wenn da jemand vor einem auf den Bücherstapeln herumtappst, oder in der Kinder/Jugendbuchabteilung ein Kratzbaum steht, auf welchen genüsslich zwei schwarze Geschöpfe schlafen.
Natürlich sollte man auch die Belegschaft erwähnen – kompetent bis in die Haarspitzen, dürfte man ihnen vermutlich ein Loch in den Bauch fragen und sie würden immer noch mit einem strahlenden Lächeln antworten. Man ist sich bewusst, dass sie hier zwar „nur“ einen Beruf ausüben, aber einen, hinter dem Leidenschaft steckt, die wie ein Funkenflug auf den Besucher überspringt. Man merkt Verkäufern an, ob sie nur hier sind, weil sie hier sein müssen, oder ob da eine gewisse Liebe dahintersteht und bei Heyn steht definitiv Liebe dahinter, bei jedem einzelnen.
Und es ist einfach diese Atmosphäre, dass man nicht das Gefühl hat, in einem Geschäft zu sein, sondern tatsächlich in den eigenen vier Wänden, die diese Buchhandlung so außergewöhnlich, so eine zweite Heimat werden lässt. Könnte ich, so würde ich dort sofort einziehen.

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Weitere Informationen zur Buchhandlung Heyn in Klagenfurt findet ihr natürlich auf deren Homepage http://www.heyn.at/home und ihrer Facebookseite. Vielen lieben Dank, Yvonne, für deinen tollen Bericht, der doch sofort Lust darauf macht, dort mal vorbeizuschauen!

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!