Harbourfront Literaturfestival Hamburg 2013

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Vom 12. – 21. September findet dieses Jahr zum fünften Mal das Harbourfront Literaturfestival in Hamburg statt. 2008 ins Leben gerufen und 2009 erstmals ausgerichtet, gehört es mittlerweile zu den größten Literaturfestivals Norddeutschlands. Dieses Jahr gibt es wieder tolle und interessante Gäste – so zum Beispiel Franz Hohler, Peter Henning, Daniel Kehlmann, Connie Palmen, Uwe Timm und Jo Lendle. Das gesamte Programm könnt ihr hier nachlesen.

Neben bekannten Namen aus Deutschland geben sich auch international renommierte Autoren die Ehre – so zum Beispiel John Boyne, Peter James oder T.C. Boyle. Im Instituto Cervantes im Chilehaus wird es einen Internationalen Graphic Novel-Salon mit Schwerpunkt auf Spanien und Frankreich geben. Zu Gast sind Florent Silloray und Antonio Altarriba („Die Kunst zu fliegen“, avant-Verlag).

Florent Silloray - Auf den Spuren Rogers

Florent Silloray – Auf den Spuren Rogers

Neben den regulären Lesungen mit bereits bekannten Autoren gibt es auch wieder den Debütantensalon, Abende, die jungen Newcomern der Literaturszene gewidmet sind. Man darf sich freuen auf Carsten Kluth („Wenn das Land still ist“), Stefanie de Velasco („Tigermilch“), Hannah Dübgen („Strom“), Harald Darer („Wer mit Hunden schläft“), Fabian Oppolzer („Kein böses Kind“), Astrid Dehe („Auflaufend Wasser“), Jelle Behnert („Liebe, Steine, Scherben“) und Henriette Vásárhelyi („immeer“).

Im Augenblick sieht es ganz danach aus, als sei ich auf der einen oder anderen Veranstaltung berichtend präsent und wirft man einen Blick auf das Programm, ist das Vorbeischauen für jeden Literaturliebhaber ja eigentlich nahezu ein Muss. Sobald ich mehr weiß – konkret: welche Veranstaltungen ich besuche – werde ich natürlich darüber in Kenntnis setzen. Vielleicht läuft mir ja der ein oder andere von euch über den Weg.

In diesem Sinne: Auf nach Hamburg im September!

David Mazzucchelli – Asterios Polyp

Asterios

David Mazzucchelli ist ein amerikanischer Comiczeichner. Er zeichnete für Marvel die Serie Daredevil und 1986 für Frank Miller die Batmanstory One Year. Mazzucchelli arbeitet auch als Illustrator zahlreicher Zeitungen, unter anderem dem New Yorker und als Dozent an der Rhode Island School of Design wie der School of Visual Arts in New York City.

Als ich neulich so durch die Bibliothek flanierte, selbstverständlich mit dem unbedingten Vorsatz, nichts auszuleihen, fiel mir diese Graphic Novel in die Hände. Hier und da hatte ich schon von ihr gehört, aber mehr eben auch nicht. Ich nahm sie mit und wurde nicht enttäuscht. Ich wurde sogar tief beeindruckt von Mazzucchellis Werk, das sowohl inhaltlich als auch gestalterisch mit jedem Werk rein textlicher Belletristik locker mithalten kann! Ja, durch die Bilder entsteht, für meine Begriffe, noch viel mehr Tiefe als wenn es bloß geschrieben wäre. Nach wie vor bieten Graphic Novels unglaublich breite Gestaltungsmöglichkeiten, die Mazzucchelli mit diesem Kunstwerk vollumfänglich nutzt!

Asterios Polyp ist ein erfolgreicher Architekt. Erfolg nicht im klassischen Sinne eines Architekten, keiner seiner Entwürfe wurde jemals zum Bau von Gebäuden verwendet, was ihm den Spitznamen „Papierarchitekt“ einbrachte, doch er lehrt an der Universität, genießt die intellektuelle Atmosphäre und hat eine Menge dazu beizutragen. Zu viel vielleicht, denn Asterios Polyp hat zu allem etwas zu sagen, wohin es ihn auch treibt. Er ist (unangenehmer) Mittelpunkt jeder Partygesellschaft, ja, überhaupt jeder Gesellschaft, die ihn umgibt. Er ist ein von sich selbst überzeugter Egozentriker, dessen Vorstellungen von der Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht mit seinem Beruf verknüpft sind. Er denkt in Symmetrie, in (abstrakten) Formen, Geometrie gar, aber wenig in emotionalen Kategorien. Bis er Hana kennenlernt, eine junge Frau, deren Charakter kaum konträrer zu seinem sein könnte.

HanaDie beiden verlieben sich und heiraten. Sie stellt Skulpturen und Bühnenbilder her, er arbeitet nach wie vor an der Universität. Was die beiden zusammenhält, ist vielleicht gerade ihre Gegensätzlichkeit, sie scheinen sich zu ergänzen. Doch nachdem Hana von einem mehr oder weniger bekannten und künstlerisch hoch ambitionierten Regisseur und Choreographen angeworben wird, um mit ihm an einer Neuinszenierung des Oprheus zu arbeiten, verlieren sich die beiden. Asterios ist plötzlich fünftes Rad am Wagen, geworfen in eine Welt der Kunst, die nicht die seine ist.

Asterios1Plötzlich ist er nicht mehr Mittelpunkt seiner Welt, – jedenfalls nicht für die anderen. Die beiden trennen sich und die Geschichte beginnt bei Mazzucchelli an Asterios‘ fünfzigstem Geburtstag, an dem unglücklicherweise der Blitz in sein Haus einschlägt und es in Brand setzt. Er sammelt alles Geld zusammen, was er finden kann und fährt mit dem Greyhoundbus soweit er eben kommt. Dort heuert er in einer Autowerkstatt an (obwohl er von Autoreparatur freilich nicht die geringste Ahnung hat) und blickt in der Provinz auf sein Leben zurück.

Mazzucchelli zeigt in dieser Graphic Novel eine Detailverliebtheit, die mich ein bisschen an Craig Thompson erinnert. Er transportiert so viele Botschaften nicht durch Text, sondern durch die Anordnungen von Bildern oder Schriftarten, dass es unmöglich ist, nur den Text zu lesen. Diese Geschichte muss man im Ganzen wahrnehmen. Schon wenn man bemerkt, dass jede sprechende Person eine andere, ihrem Charakter angemessene Schriftart zugeordnet bekommen hat, könnte einem das Herz höher schlagen!

Asterios3Auch hier deutlich zu sehen – der kühle, in sich logische, ja in geometrische Formen zerlegte Asterios und seine Frau, die in einer impulsiven Farbe mit vielen Strichen und Nuancen gezeichnet ist. Was ein reiner Schriftsteller über Beschreibungen und beispielhafte Situationen vermitteln muss, wird hier einfach in die Bilder integriert, was ich, im Falle Mazzucchellis, für eine großartige und bewundernswerte Leistung halte! Diese Graphic Novel steckt voller Gefühl, voller Beobachtungsgabe, mit einem liebevollen Hang zum Detail! Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen für dieses Buch! Es ist vortrefflich, herrlich und einfach wunderbar!