Buchhandlung Fabelwelt in Wien

Wir bleiben in Wien und machen uns auf zur multilingualen Kinderbuchhandlung Fabelwelt, einem ganz besonderen Fleckchen in der weitläufigen Buchlandschaft.

FabelweltLona Szep und Agnes Wenninger sind Quereinsteiger in der Buchbranche. In Wiens 4.Bezirk eröffneten die beiden, die eine aus dem filmischen, die andere aus dem sozialen Bereich stammend, eine multilinguale Kinderbuchhandlung. Die Idee zu diesem Laden sei vor etwa drei Jahren ganz spontan bei einem Gespräch entstanden – und was andere vielleicht für ein seliges Gedankenexperiment gehalten hätten, setzten die beiden Mehrfach-Mamis in die Tat um. Beide sind  Liebhaber von Literatur, und insbesondere von Kinderbüchern. Sie sind bekannt mit vielen mehrsprachigen Familien, viele Kinder wachsen mit mindestens zwei verschiedenen Sprachen auf, so auch die Kinder von Lona Szep selbst. In Wien schien, vor der Eröffnung der Fabelwelt, ein eklatanter Mangel an Anlaufpunkten für eben solche Familien zu bestehen, die ihren Kindern auch in anderen Sprachen Geschichten anbieten wollen.

Die Fabelwelt sah sich, so Lona Szep, von Anfang an nie als Massenbetrieb, der die Bücher stapelweise auslegt. Viel mehr sieht man sich als ,verlängertes Wohnzimmer‚, was sich ohne Zweifel auch in der Atmosphäre des Ladens niederschlägt. Für die kleinen Besucher gibt es eine Galerie mit Kuschel – und Leseecken, es gibt selbstgebackenen Kuchen, Saft, Tee und Kaffee für das längere Verweilen und Stöbern. Die Buchhandlung veranstaltet Workshops und Lesungen, vor nicht allzu langer Zeit zum Beispiel mit Christine Nöstlinger oder Willy Puchner. Außer einer großen Auswahl verschiedenster Kinderbücher in vielen Sprachen bietet die Fabelwelt auch handgemachte Accessoires und Kleinigkeiten von Wiener Jungdesignerinnen an. Das Konzept buy local und die gegenseitige Unterstützung sind hier zu formvollendeter Umsetzung gelangt! Wenn es überall so liefe, müsste man sich um die kulturelle und (buch)händlerische Vielseitigkeit der Städte keine Sorgen mehr machen.

Fabelwelt2Auch eine besonders schöne Idee: Der Büchertausch. Vor dem Geschäft befinden sich zwei Schaukästen, in denen ausschließlich Kinderbücher zur Entnahme bereitstehen. Wer möchte, der nimmt sich eines heraus und stellt bei Gelegenheit ein anderes hinein. Ganz ohne Argwohn, Kontrolle oder Konsumgedanken, einfach nur, um Geschichten weiterzugeben. Eine Idee, die zwar hier und da auch in Deutschland bereits Fuß gefasst hat, aber dennoch im Rahmen deutschen Unternehmergeistes schwer vorstellbar ist. Die beiden Betreiberinnen sagen selbst:

Unser Grundgedanke ist es, Kindern das verzaubernde der Märchen, Fabeln und spannenden Geschichten näher zu bringen. Ohne mit erhobenem Zeigefinger auf das Lesen an sich zu deuten, kann jedes Kind mit einem Buch in die Geschichten eintauchen und nebenbei gefördert werden. Die Notwendigkeit für Kinder auch in ihrer jeweiligen Muttersprache ein Buch lesen zu dürfen, ist in jedem Fall gegeben und es kann der Sprachförderung nur dienlich sein. Wir hoffen durch unser weltoffenes, interkulturelles Sortiment in Kindern und Jugendlichen die Liebe zu Büchern und deren Inhalte wecken zu können.

Man kann den beiden zu ihrer Idee und der Umsetzung nur gratulieren.Sie besetzen zweifellos eine Nische, abseits alles Zwangspädagogischen, abseits der gewöhnlich doch trockenen Kampagnen zur Leseförderung. Wer sich also in Wien aufhält, sollte unbedingt dort vorbeischauen, einen Kaffee trinken – Kinderbücher können ja auch für Erwachsene manchmal ein ganz besonderes Erlebnis sein. Wer mehr über die Fabelwelt erfahren möchte, kann das auf ihrer Homepage, auf dem neuesten Stand bleibt man auch bei Facebook.

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

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Buchhandlung Lesezeit in Wien

Von Nordrhein-Westfalen geht es nun wesentlich weiter südlich, gewissermaßen zurück zum Anfang. Nach Österreich, genau genommen, nach Wien zur Buchhandlung Lesezeit.

lesezeit2In Wien-Liesing, im 23.Bezirk, liegt die, nach Angaben des Inhabers Christoph Eckl, schrullige kleine Buchhandlung. Des Anbandelns und Flirtens mit Massenkompatibilität völlig unverdächtig, liegt sie in einem Bezirk, der aus Umlanddörfern gewissermaßen zusammengewachsen ist und noch immer diesen leicht ländlichen Charme versprüht. Das spiegelt sich auch in der Buchhandlung und ihrer Kundschaft, sagt Eckl. Viele kennen sich, nutzen die Buchhandlung nicht nur als Fundgrube für neue literarische Schätze, sondern auch als Treffpunkt. Diese Kundenstruktur, wenig Lauf -, dafür aber eine Menge Stammkundschaft mache die Beratung zwar anspruchsvoller, dadurch aber auch um ein Vielfaches spannender. Man muss seine Kunden und ihren Geschmack kennen, statt blind aus dem Regal den Bestseller der Saison zu greifen.

Mit nur 50 m² Verkaufsfläche ist die Buchhandlung Lesezeit sicherlich ein recht kleines Modell, was hier im Verkauf liegt, wurde sorgfältig ausgewählt. Christoph Eckl versucht trotz der geringen räumlichen Möglichkeiten dennoch, das Beste aus möglichst vielen Genres anzubieten, – ein Unterfangen, das nicht einfach, offensichtlich aber erfolgreich ist. Geliefert wird auch bis vor die Haustür, wenn es der Kunde mal besonders eilig hat. Gelegentlich veranstaltet Eckl auch Lesungen mit der Bibliothek nebenan.

lesezeit1

Für den Sommer hat sich Eckl etwas ganz Besonderes einfallen lassen, das die Buchhandlung Lesezeit ohne Zweifel zu einem höchst attraktiven Ausflugsziel macht, wenn man einmal in der Gegend ist.

Direkt vor dem Geschäft ist eine kleine Piazza, die wir über den Sommer mit dem „Liesinger Lesestrand“ bespielen. Liegestühle, Hängematten, Sitzsäcke und andere chillige Sitzmöglichkeiten laden unsere KundInnen ein, mal eine kleine Pause vom Alltagsstress zu nehmen und in guten Büchern zu schmökern. Die Idee dazu kam mir relativ spontan im Frühjahr – auch das ein Vorteil einer kleinen Buchhandlung ohne Hierarchien und Filialen, was gut ist, wird gleich umgesetzt – ohne langwierige Gespräche und Entscheidungsprozesse – die Grenze gibt nur unsere Fantasie vor, bzw. leider auch die finanziellen Mittel.

Wer sich also in Wien mal ganz entspannt in eine Hängematte fläzen will, ist bei der Buchhandlung Lesezeit herzlichst dazu eingeladen. Auch das scheint ein Trend in vielen kleineren Läden zu sein – Entspannungsräume zu schaffen. Weg von der Hektik des Alltags, von Überreizung und Überbeanspruchung. Ob es nun Hängematten sind oder ein gemütliches integriertes Café, es soll weggehen vom Kaufhaus-Flair, von der Massenabfertigung der großen Filialisten. Wer mehr über die Buchhandlung Lesezeit erfahren will, findet sie auf Facebook oder besucht ihre Homepage.

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

In Zeiten des Klicks

schnelligkeit

Es gehört zweifellos zu den Unsitten unserer modernen Gesellschaft, ein Tempo an den Tag zu legen, dass es einem unversehens die Schuhe auszöge, bevor man imstande wäre, auch ein paar Meter in denen der anderen zu laufen. In Siebenmeilenstiefeln hetzen wir durchs Leben, haben keine Zeit mehr, uns mit Dingen auseinanderzusetzen, auf sie zu reagieren. Wir schieben sie auf, bis wir sie vergessen, in der Hoffnung, etwas mehr Zeit für uns zu schaffen, irgendwann. Es ist wie in Endes Momo mit den grauen Herren von der Zeitsparkasse – je mehr Zeit wir sparen, desto weniger haben wir am Ende. Wie komme ich nun darauf, warum schreibe ich das?

Meine Initiative ,Die Kleinsten werden die Größten sein‘ zur Unterstützung des stationären und unabhängigen Buchhandels wurde nun knapp 750-mal auf Facebook verbreitet. Gesine von Prittwitz hat kürzlich zu Interviews mit Buchhändlern aufgerufen, man spürt die Begeisterung allerorten – Ideen wie buy local haben den Anstoß gegeben, sich tatsächlich, auch außerhalb des Netzes mit seiner Umgebung und ihrer Bewahrung auseinanderzusetzen -, über die kurzfristig aufflammende Begeisterung geht es aber nicht hinaus. Nun mag es nicht einer gewissen Ironie entbehren, dass die Unterstützung lokaler Buchläden ausgerechnet im Internet stattfindet, aus dem man die Kundschaft wieder hinauszubefördern trachtet, aber es ist schlicht nicht anders machbar – wer kann schon überall in der Republik unterwegs sein?

Und ich frage mich, wie und warum diese Diskrepanz zwischen Begeisterung und tatsächlicher Unterstützung besteht. Und meine den Grund auch in einer veränderten Kommunikationsstruktur zu entdecken, die das Internet und Social-Media generell mit sich bringen. Zwar ist es viel einfacher, mit Menschen in Kontakt zu treten, im Zweifelsfalle aber wesentlich komplizierter, sie tatsächlich zu erreichen und zu bewegen. Wer heute bei Facebook von Dingen liest, die ihn begeistern, der klickt auf ‚Gefällt mir‘ und hat, jedenfalls, wenn es um Initiativen geht, die eine gewisse Mitarbeit erfordern, im Moment des Klicks schon seine Schuldigkeit getan. Während man früher noch tatsächlich den Ort des Geschehens aufsuchen, mit den Verantwortlichen sprechen musste, haben sich heute die Möglichkeiten, Zustimmung zu suggerieren, um ein Vielfaches erweitert. Es ist einfacher geworden, bequemer. Dadurch aber auch viel oberflächlicher.

Ich spreche jetzt nicht nur im Namen meiner Initiative, die sich schwieriger gestaltet, als ich es mir ausgemalt hatte. Anfangs bat ich noch um Vorstellungstexte und Bilder, die ich lediglich online stelle, denen ich eine Plattform biete. Mittlerweile hat sich das Ganze insofern gewandelt, als ich die Artikel selbst aus den Informationsbrocken zusammenschreibe, die mir die Buchhandlungen liefern – Leser beteiligen sich nahezu gar nicht. Da gibt es Buchhandlungen, die sehr dankbar sind und mir engagiert so viele Informationen zukommen lassen wie für einen fundierten Artikel notwendig sind, da gibt es aber auch solchhe, die auf Nachfragen schlicht nicht mehr reagieren. Solche, die sagen, man müsse sich da schon selbst ein Bild machen.

Mit diesen Erfahrungen bin ich nicht allein und ich frage mich ein – weshalb diese Trägheit? Letztlich sind wir, die wir ja überwiegend in irgendeiner Weise mit der Buchbranche verbunden sind, hier und wollen die Werbetrommel rühren. Völlig unentgeltlich. Wir, die wir solche Initiativen ins Leben rufen, wollen uns hinsetzen und in unserer Freizeit über euch, die kleinen Buchhandlungen, berichten, weil wir sie für so bewahrenswert halten und weil wir glauben, dass das Medium Internet, in diesem Kontext angewandt, einfach große Wirkung zeitigen kann. Nun geht es gar nicht darum, dass die eine oder andere Reaktion länger braucht, niemand muss erklären, dass es manchmal stressig ist – die, die selbst im Buchhandel arbeiten, wissen, wie es aussehen kann. Vielleicht ist es heute, in Zeiten des Klicks, einfach anders geworden: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Doch sollten wir bei aller Bequemlichkeit des „Gefällt mir“-Klicks nicht vergessen, dass mehr dazugehört. Dass ein im Bruchteil einer Sekunde zuckender Finger noch keine Zustimmung, gar Unterstützung macht. Dass es trotzdem noch immer altmodischer Kommunikation bedarf, um Dinge ins Rollen zu bringen. Ich meine das nicht etwa anklagend oder womöglich fordernd – ich denke nur darüber nach, warum es ist wie es ist. Ich habe im Rahmen meiner Aktion bisher schon viel Unterstützung erfahren und Bereitschaft, die Sache publik zu machen.

Aber die, um die es gehen soll, halten sich nach wie vor überraschend bedeckt.

Grefrather Buchhandlung

Auf unserer Tour durch die Buchhandlungen des Landes machen wir nun auch, nach dem Niederbayrischen, einen Ausflug ins bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands.

grefrath2Seit zwanzig Jahren schon führt Karl Groß in der kleinen nordrhein-westfälischen Gemeinde Grefrath die Grefrather Buchhandlung. Etwa 9000 Seelen umfasst die Gemeinde, die, wie Herr Groß berichtet, zunächst ganz offensichtlich zu ihrem Glück gezwungen werden musste.

Unvergessen der Auftritt eines waschechten Grefrathers, der Bretter und Absperrbänder zur Seite wischte, um seine Neugier zu befriedigen und mich direkt ansprach:“ Wat soll dat hier werden?“ „Hier entsteht eine Buchhandlung“, entgegnete ich beiläufig ohne meine Arbeit zu unterbrechen. Pause. – „Hier liest Keiner!“  schoß es aus ihm heraus. Ende der Szene.

Auch am Tage der Eröffnung schlugen Karl Groß Ressentiments der Gemeinde entgegen. Man man es kaum glauben, dass eine Buchhandlung bei manchen Menschen solch Antipathie entfachen kann, doch Groß ließ sich davon nicht beirren. Dieser Hürdenlauf kam, wie er sagt, doch seinem Naturell des Einzelkämpfers entgegen. Und sein Erfolg nach zwanzig Jahren gibt ihm Recht. Viele Stammkunden, auch aus umliegenden Dörfern und Gemeinden, kommen gern zu Karl Groß nach Grefrath. Lesende Bevölkerung muss es also geben, die Grefrather haben sich mittlerweile mit ihrer Buchhandlung arrangiert, sie vielleicht sogar lieben und schätzen gelernt.

GrefrathDenn Karl Groß verkauft nicht nur leidenschaftlich Bücher, seine Buchhandlung wird auch alle sechs Wochen für „Kultur am Montag“ zur Kleinkunstbühne umfunktioniert. Der Laden wird umgebaut und für Künstler aus Musik, Kabarett und Literatur geöffnet, die dort in angenehmer Atmosphäre ihr Können präsentieren. Dabei sind der Darbietung wenig stilistische Grenzen gesetzt und so entstehen in der Buchhandlung, die auf magische Weise eine ganz besondere Akustik zu haben scheint, die niemand sich erklären kann, ganz besondere Momente, die auch Karl Groß immer wieder auf’s Neue schätzt.

Die Abwechslung zwischen (manchmal) schnödem Alltagsbuchhändlern und den aufregenden Konzertvorbereitungen sind das Salz in unserer Suppe. Gemeinsam immer wieder mal „magische Momente“ erleben zu dürfen, ist ein Lebenselixier für meine Partnerin und mich. Selbst wenn ich einen Laden für Autoreifen hätte, würde ich etwas erfinden,was den Laden inspiriert und auf Umwegen den Laden ins „Rollen“ bringen würde. Ich schätze die Unabhängigkeit, die Kompromißlosigkeit und die notwendige Risikobereitschaft , die allein ein zufriedenes Arbeitsleben ermöglicht. Solange keiner mich zwingen kann, den neuesten Dan Brown auf die Theke zu legen, solange nicht nur von den Medien „ferngesteuerte“ Kundenwünsche erfüllt werden müssen, solange werde ich den Job genüßlich ausführen.

Karl Groß‘ Buchhandlung wirkt in vielerlei Hinsicht als kulturelles Transportmittel. Nicht nur im literarischen Bereich. Viele bedauern das „Einheitssortiment“, überall fände man dieselben Bücher, dafür müsse man keine Buchhandlung mehr besuchen, konnte man erst kürzlich in einem Kommentar zu Gesine von Prittwitz Buchhändler-Interviews lesen. Die Grefrather Buchhandlung ist ein unumstößlicher Beweis dafür, dass es zwar „Einheitssortimente“ geben mag, keinesfalls aber „Einheitsbuchhandlungen“. Wer mehr über die Grefrather Buchhandlung erfahren möchte, der kann sich auf ihrer Homepage, aber auch auf ihrer Facebookseite informieren!

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

Buchhandlung Böhm in Pfarrkirchen

Im niederbayrischen Rottal, in Pfarrkirchen, um genau zu sein, liegt die Buchhandlung Böhm. Zwei Filialen betreuen Doris und Sebastian Seibold mittlerweile mit Freude, Herzblut und großem Einfallsreichtum. Zuvor in familiärer Hand, übernahm Sebastian Seibold die Buchhandlung Böhm vor gut zwei Jahren. Nun wird das Gebäude abgerissen und neu aufgebaut, für viele bedeutete das einen tristen Aufenthalt in Containern oder anderen wenig charmanten Teilzeitunterkünften. Nicht so für die Seibolds. Sie entschlossen sich, einen alten englischen Oldtimerbus zu mieten und ihren Stammkunden auf diese Weise weiterhin treu zu sein.

BücherEmilDas Leben und Arbeiten im Bus ist eine ganz neue und besondere Erfahrung, dennoch hoffen die beiden natürlich, dass Emil, so der Name des fetzigen Vierräders, nur noch bis Oktober im Dienste der Buchhandlung Böhm unterwegs sein wird und dann der neue Laden bezogen werden kann. Wenn die Inhaber der Buchhandlung Böhm nicht gerade auf vier Rädern unterwegs sind, betreuen sie ein allgemeines Sortiment, mit einem Schwerpunkt auf Belletristik, Kinder – und Jugendliteratur und regionalen Titeln. Sie führen Lesungen durch, sind mit Büchertischen in umliegenden Kindergärten präsent und engagieren sich insgesamt sehr für die Leseförderung.

Trotzdem die Seibolds keine gelernten Buchhändler sind, er war in einem früheren Leben mal Bankkaufmann und sie Personalreferentin eines Automobilkonzerns, lieben sie doch ihren Beruf. Die Buchbranche ist offen für Quereinsteiger, für Menschen, die mit ihrer Liebe zur Literatur auch andere anstecken wollen – und können! Auf meine Frage, was denn so schön an der Arbeit in einer kleinen Buchhandlung sei, antwortete mir Doris Seibold Folgendes:

Das Schöne an der Arbeit in der Buchhandlung ist, dass man Menschen trifft, die ebenfalls Bücher gerne mögen und die auch die persönliche Beratung schätzen. Das größte Glück ist, wenn jemand, den man beraten hat, glücklich wiederkommt. Wir haben aber auch gerade im Sommer Touristen aus allen Teilen Deutschlands, die auf der Suche nach Urlaubslektüre für den Aufenthalt im Bäderdreieck sind. Gerade diese Klientel findet kleine, inhabergeführte Buchhandlungen wie wir es sind, toll. Ich denke, diese Vielfalt an Kontakten zu unterschiedlichen Menschen und der Austausch über die neuesten Lieblingsbücher macht die Arbeit in der Buchhandlung so besonders.

Auch hier kommt er wieder zum Tragen – der unmittelbare Kontakt zwischen Buchhändler und Kunde, der Austausch über die Lektüre, das Diskutieren und die Begeisterung über literarische Entdeckungen schweißen zusammen, binden aneinander. Anders als der Algorithmus eines Internet-Großhändlers, der zwar passende Äquivalente zum gerade beendeten Roman finden mag, sich aber nicht mit Leidenschaft darüber austauschen wird. Das unterscheidet den Buchhändler doch noch immer vom konventionellen Einzelhändler – seine Ware ist ein Kulturgut und Kultur verbindet. Wer sich also mal im Niederbayrischen aufhält, der ist herzlich eingeladen, der Buchhandlung Böhm einen Besuch abzustatten, er wird sich lohnen! Wer solange aber nicht warten will, der kann auf ihrer Homepage stöbern oder die Buchhandlung Böhm auf Facebook besuchen.

Emil2Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

Immer auf die Kleinen

ImmeraufdieKleinenKnapp einen Monat ist es jetzt her, dass ich die Aktion „Die Kleinsten werden die Größten sein“ ins Leben gerufen habe. Die Resonanz war überraschend. 267-mal auf Facebook und 24-mal auf Twitter verbreitet, das schien mir ein ganz guter Schnitt zu sein und ich war ganz begeistert, wie viele diesen Aufruf für eine gute Idee hielten. Mich erreichten aber auch enttäuschte Nachrichten, Erfahrungen aus Buchhandlungen, die so natürlich Ressentiments schüren. Abschätzige Blicke von Buchhändlern, die eher im Literarischen beheimatet sind, eine Art von Nostalgie und Rückwärtsgewandtheit, die ein Verschließen gegen gewisse Veränderungen in der Branche bedeutet. Ich habe mir die kleinen und großen Nöte angesehen und versucht, zu einem neuerlichen Besuch einer anderen Buchhandlung zu raten. An anderer Stelle – und nicht im Rahmen meiner Aktion – wurde dem Buchhändlerberuf gar attestiert, völlig überflüssig und nutzlos zu sein. Auch im Berufsalltag höre ich auf mein freundliches Angebot „Ich kann Ihnen das Buch aber gern zu morgen bestellen“ ein fast pikiertes und kaltschnäuziges „Das kann ich auch selber.“

Vielerorts scheint die Auffassung Fuß zu fassen, dass ein Buchhändler nichts anderes tut als an seinem PC zu stehen und gegebenenfalls zu recherchieren. Dafür jemanden zu beschäftigen, sei in der heutigen Zeit ja vollkommen antiquiert, – wo doch jeder zuhause seinen Computer anschalten und auf eigene Faust recherchieren kann. Wer braucht persönliche Beratung, wenn es die Sternchenbewertung von amazon gibt? Das Bild, das sich manchmal ergibt, ist ein bisschen trist und traurig. Denn dass dem Buchhändler sein Untergang prophezeit wird, ist beileibe keine Erfindung der letzten Jahre. Auch dafür, um diesem tristen Bild des Buchhändlersterbens etwas entgegenzusetzen, habe ich dazu aufgerufen, mir kleine, unabhängige Buchhandlungen vorzustellen. Als Kunde, als Inhaber, – ganz gleichgültig, Hauptsache, es steckt Herzblut drin und zeigt, was kleine Buchhandlungen und ihre Buchhändler so besonders und bewahrenswert macht.

In manchen Großstädten schießen immer öfter kleine Nischenbuchhandlungen aus dem Boden. Es gibt noch Mutige, die es wagen. Nach Anlaufen der Aktion war ich sehr zuversichtlich, dass sich einige bei mir melden würden. Doch das war leider nicht der Fall. Vier Vorstellungen habe ich bekommen. Vielleicht schreckt viele der Aufwand, selbst einen Text schreiben zu müssen, denke ich mir jetzt. Ich versuche, mich von dem Gedanken abzulenken, dass viele womöglich gar keine Lieblingsbuchhandlungen mehr haben. Öfter jedenfalls habe ich gelesen, die Lieblingsbuchhandlung habe schließen müssen oder man sei durch einen Umzug nun zunächst auf lange Sicht von ihr getrennt. Ja, man befinde sich gar in einer Umgebung ohne jede „Buchhandelsanbindung.“

Nun bin ich aber manchmal ein bisschen stur. Ich könnte mich damit zufriedengeben, dass zwar viele begeistert waren, daraus aber eben nicht mehr erwachsen ist. Will ich aber nicht. Weil ich weiß, dass da draußen noch so einige Buchhandlungen darauf warten, entdeckt zu werden. Mal abgesehen davon, dass es wahrscheinlich niemals bessere Möglichkeiten der Vernetzung gab als heute. Hier und da bekam ich auch Nachrichten, die lediglich aus einem Satz bestanden: „Die Buchhandlung xy is‘ toll!“ Das ist ein Anfang, das will ich gar nicht verhehlen, aber ich – und die Leser sicher ebenfalls – wüsste schon gern, warum. Wie seid ihr auf die Buchhandlung gestoßen? Weshalb ist es dort so toll, dass ihr gern immer wiederkommt? In letzter Zeit bilden sich ja immer mehr Initiativen, die das Schaffen in Nischen unterstützen. So auch die Bloggerinitiative We read indie (zur Unterstützung kleiner Independent-Verlage) oder das Projekt zur Unterstützung des lokalen Handels buy local. In Österreich gibt es die Initiative Ihr Buch hat ein Gesicht, die Buchhändler aus Österreich mit dem Slogan auf Plakaten verewigt.

Ich freue mich also nach wie vor über Zuschriften, über das Verbreiten, das Drüber-Diskutieren. Ich freue mich auch über Kritik. Nach wie vor bin ich gern bereit, auch Negativerfahrungen aus dem Buchhandel aufzunehmen, denn die gibt es zweifellos. Insgesamt möchte ich aber am Ende gern eine möglichst umfangreiche Liste an Buchhandlungen präsentieren dürfen, die einen Besuch wert sind, wenn man sich gerade zufällig in der entsprechenden Stadt aufhält. Sowas wie ein Buchhandlungs-Guide. Und das war es dann auch von mir. Keine Sorge, das war kein erhobener Zeigefinger … nur eine kleine Erinnerung.

Buchhandlung Langenkamp in Lübeck

Nachdem so einige vor mir ihre Lieblingsbuchhandlungen präsentiert haben, will ich mich heute mal selbst einmischen und meine vorstellen.

Langenkamp

Die Buchhandlung Langenkamp – im Übrigen längst nicht mehr betrieben von Langenkamps, auch wenn der ein oder andere Anrufer noch immer entschieden Herrn oder Frau Langenkamp verlangt – liegt ein bisschen abgeschlagen unweit der Lübecker Fußgängerzone. Gegenüber des Lübecker Theaters wird sie gewissermaßen eingerahmt von einem Café und Ex-Bertelsmann-zeilenreich. So ist es auch keine Seltenheit, dass desorientierte Kunden in den kleinen Laden stürmen und mit ihren Kundenkarten wedeln, bis ihnen bewusst wird, dass sie sich in der Tür geirrt haben. Für manch einen könnte das allerdings auch zum Erweckungserlebnis werden, zu einem Irrtum, für den sie irgendwann einmal dankbar sein könnten.

Die Buchhandlung Langenkamp ist schon seit über drei Jahren mein steter Anlaufplatz auf der Suche nach besonderen Büchern oder einer zünftigen Tasse schwarzen Tees. Bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Eine Buchhandlung sollte es schon sein, aber mehr etwas Kleines, zum Ausprobieren. Frau Gewin-Bock, seit nunmehr über zehn Jahren Inhaberin der Buchhandlung Langenkamp, war damals so freundlich, mir dieses Sprungbrett in die Buchbranche in dieser ihrer Buchhandlung aufzustellen, worüber ich heute noch sehr glücklich bin.

SpeziellesÜber ein halbes Jahr durfte ich dort meine ersten Erfahrungen im Buchhandel sammeln. Und so kenne ich die Buchhandlung nicht nur aus Kundensicht, sondern auch von „innen“. Sie ist nicht groß, die Buchhandlung Langenkamp, jedenfalls nicht, wenn sich Größe ausschließlich durch eine gewisse Quadratmeterzahl definiert. Das hat sie aber auch gar nicht nötig, denn sie punktet mit ganz anderen Qualitäten. Frau Gewin-Bock hat, in Bezug auf ihre Kunden, ein bemerkenswertes Elefantengedächtnis. Der Berliner würde vielleicht sagen, „sie kennt ihre Pappenheimer“ und er würde das sehr liebevoll meinen. Und das nicht nur namentlich, sondern auch geschmacklich. Sie weiß genau, was ihre Kunden gern lesen und wofür sie sich interessieren – und sie scheut in der Regel auch keine Kosten und Mühen, um ein bestimmtes Buch heranzuschaffen.

Trotzdem ich nun seit 2011 selbst im Buchhandel arbeite, entdecke ich bei ihr immer wieder besondere und ausgefallene Bücher, die ich andernfalls vermutlich nie bemerkt hätte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele kleine Schätze auf so wenig Fläche mit dem einen oder anderen Verkaufsschlager in friedlicher Koexistenz zusammenstehen können. Frau Gewin-Bock engagiert sich desweiteren auch bei vielen Aktionen in der Stadt und bringt eigene Ideen ein. So ist es beispielsweise um die Weihnachtszeit Sitte, mit einer Schule in einem der sozial schwächeren Stadtteile Lübecks zusammenzuarbeiten. Die Kinder schreiben Wunschzettel und Frau Gewin-Bock ermöglicht den Kindern – mit Unterstützung ihrer Kunden, die sich aus dem passend dazu dekorierten Schaufenster ein Buch aussuchen können, das sie dem jeweiligen Kind zu Weihnachten „spenden“ – ihre Lektüre.

Man bemerkt, dass Frau Gewin-Bock ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt. Das allein ist heute, so bedauerlich es erscheint, ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal. Wer gern in seinem Beruf arbeitet, wird das ausstrahlen – und genau das ist hier der Fall. Die Buchhandlung Langenkamp bietet ein ansprechendes Gemisch aus belletristischen Titeln, Sachbüchern, einem kleinen Hörbuchsortiment, Reiseführern und Kinder – und Jugendbüchern. Und ich bin überzeugt: Wenn es jemand schaffen würde, mir allein durch sein Angebot Kinder – und Jugendliteratur näherzubringen, wäre es Frau Gewin-Bock. Und da ich ja praktisch wöchentlich über die Schwelle in diesen Laden trete, habe ich mal nachgefragt, was eigentlich das Schöne, das Bewahrenswerte an der Arbeit in kleinen Buchhandlungen ist:

Warum bin ich (noch) immer gerne BUCHhändlerin?

Weil ich gerbe (meist) netten Menschen Bücher empfehle, die auch mir Spaß machen (daher finden sich nicht unbedingt die Bestseller von diversen Listen in meinem Laden). Weil ich gerne in meinem kleinen, überschaubaren Laden arbeite und jedes Buch fast „persönlich“ kenne. (angefangen bei der Verlagsvorschau, reinlesen, Bestellung, auspacken und wegräumen und dann dem richtigen Leser empfehlen). Weil ich versuche, den Begriff der „Sortimenterin“ noch auszuüben, d.g. ich suche aus der riesigen Auswahl der Neuerscheinungen mit Blick auf meine Kunden die Bücher aus, die zu meinen Lesern passen. Weil ich es toll finde, in den Verlagsvorschauen zu stöbern und eine Vorauswahl zu treffen, dabei lege ich besonderen Wert auf kleine und unabhängige Verlage.

Kurz und knackig:

Ich brauche noch immer die RICHTIGEN Bücher und die RICHTIGEN Leser, obwohl alles im Umbruch ist und es einem von allen Seiten immer schwerer gemacht wird (Leser wandern nach Amazonien und Verlage beachten die kleinen Buchhandlungen nicht mehr). Trotz allem liebe ich meinen Beruf als Berufung und hoffe, dass er allen Unkenrufen zum Trotz nicht aussterben wird!

Da hoffen wir mit. Und ich hoffe – wer auch immer von euch mal einen Abstecher nach Lübeck macht, wird nicht nur einen Großeinkauf Niederegger Marzipan tätigen und das Holstentor bestaunen, sondern auch mal in diese kleine Buchhandlung einkehren. Es lohnt sich! Und wer nicht gerade in Lübeck wohnt, kann über die Homepage ein bisschen stöbern.
Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!