Buchhandlung Fabelwelt in Wien

Wir bleiben in Wien und machen uns auf zur multilingualen Kinderbuchhandlung Fabelwelt, einem ganz besonderen Fleckchen in der weitläufigen Buchlandschaft.

FabelweltLona Szep und Agnes Wenninger sind Quereinsteiger in der Buchbranche. In Wiens 4.Bezirk eröffneten die beiden, die eine aus dem filmischen, die andere aus dem sozialen Bereich stammend, eine multilinguale Kinderbuchhandlung. Die Idee zu diesem Laden sei vor etwa drei Jahren ganz spontan bei einem Gespräch entstanden – und was andere vielleicht für ein seliges Gedankenexperiment gehalten hätten, setzten die beiden Mehrfach-Mamis in die Tat um. Beide sind  Liebhaber von Literatur, und insbesondere von Kinderbüchern. Sie sind bekannt mit vielen mehrsprachigen Familien, viele Kinder wachsen mit mindestens zwei verschiedenen Sprachen auf, so auch die Kinder von Lona Szep selbst. In Wien schien, vor der Eröffnung der Fabelwelt, ein eklatanter Mangel an Anlaufpunkten für eben solche Familien zu bestehen, die ihren Kindern auch in anderen Sprachen Geschichten anbieten wollen.

Die Fabelwelt sah sich, so Lona Szep, von Anfang an nie als Massenbetrieb, der die Bücher stapelweise auslegt. Viel mehr sieht man sich als ,verlängertes Wohnzimmer‚, was sich ohne Zweifel auch in der Atmosphäre des Ladens niederschlägt. Für die kleinen Besucher gibt es eine Galerie mit Kuschel – und Leseecken, es gibt selbstgebackenen Kuchen, Saft, Tee und Kaffee für das längere Verweilen und Stöbern. Die Buchhandlung veranstaltet Workshops und Lesungen, vor nicht allzu langer Zeit zum Beispiel mit Christine Nöstlinger oder Willy Puchner. Außer einer großen Auswahl verschiedenster Kinderbücher in vielen Sprachen bietet die Fabelwelt auch handgemachte Accessoires und Kleinigkeiten von Wiener Jungdesignerinnen an. Das Konzept buy local und die gegenseitige Unterstützung sind hier zu formvollendeter Umsetzung gelangt! Wenn es überall so liefe, müsste man sich um die kulturelle und (buch)händlerische Vielseitigkeit der Städte keine Sorgen mehr machen.

Fabelwelt2Auch eine besonders schöne Idee: Der Büchertausch. Vor dem Geschäft befinden sich zwei Schaukästen, in denen ausschließlich Kinderbücher zur Entnahme bereitstehen. Wer möchte, der nimmt sich eines heraus und stellt bei Gelegenheit ein anderes hinein. Ganz ohne Argwohn, Kontrolle oder Konsumgedanken, einfach nur, um Geschichten weiterzugeben. Eine Idee, die zwar hier und da auch in Deutschland bereits Fuß gefasst hat, aber dennoch im Rahmen deutschen Unternehmergeistes schwer vorstellbar ist. Die beiden Betreiberinnen sagen selbst:

Unser Grundgedanke ist es, Kindern das verzaubernde der Märchen, Fabeln und spannenden Geschichten näher zu bringen. Ohne mit erhobenem Zeigefinger auf das Lesen an sich zu deuten, kann jedes Kind mit einem Buch in die Geschichten eintauchen und nebenbei gefördert werden. Die Notwendigkeit für Kinder auch in ihrer jeweiligen Muttersprache ein Buch lesen zu dürfen, ist in jedem Fall gegeben und es kann der Sprachförderung nur dienlich sein. Wir hoffen durch unser weltoffenes, interkulturelles Sortiment in Kindern und Jugendlichen die Liebe zu Büchern und deren Inhalte wecken zu können.

Man kann den beiden zu ihrer Idee und der Umsetzung nur gratulieren.Sie besetzen zweifellos eine Nische, abseits alles Zwangspädagogischen, abseits der gewöhnlich doch trockenen Kampagnen zur Leseförderung. Wer sich also in Wien aufhält, sollte unbedingt dort vorbeischauen, einen Kaffee trinken – Kinderbücher können ja auch für Erwachsene manchmal ein ganz besonderes Erlebnis sein. Wer mehr über die Fabelwelt erfahren möchte, kann das auf ihrer Homepage, auf dem neuesten Stand bleibt man auch bei Facebook.

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

Buchhandlung Lesezeit in Wien

Von Nordrhein-Westfalen geht es nun wesentlich weiter südlich, gewissermaßen zurück zum Anfang. Nach Österreich, genau genommen, nach Wien zur Buchhandlung Lesezeit.

lesezeit2In Wien-Liesing, im 23.Bezirk, liegt die, nach Angaben des Inhabers Christoph Eckl, schrullige kleine Buchhandlung. Des Anbandelns und Flirtens mit Massenkompatibilität völlig unverdächtig, liegt sie in einem Bezirk, der aus Umlanddörfern gewissermaßen zusammengewachsen ist und noch immer diesen leicht ländlichen Charme versprüht. Das spiegelt sich auch in der Buchhandlung und ihrer Kundschaft, sagt Eckl. Viele kennen sich, nutzen die Buchhandlung nicht nur als Fundgrube für neue literarische Schätze, sondern auch als Treffpunkt. Diese Kundenstruktur, wenig Lauf -, dafür aber eine Menge Stammkundschaft mache die Beratung zwar anspruchsvoller, dadurch aber auch um ein Vielfaches spannender. Man muss seine Kunden und ihren Geschmack kennen, statt blind aus dem Regal den Bestseller der Saison zu greifen.

Mit nur 50 m² Verkaufsfläche ist die Buchhandlung Lesezeit sicherlich ein recht kleines Modell, was hier im Verkauf liegt, wurde sorgfältig ausgewählt. Christoph Eckl versucht trotz der geringen räumlichen Möglichkeiten dennoch, das Beste aus möglichst vielen Genres anzubieten, – ein Unterfangen, das nicht einfach, offensichtlich aber erfolgreich ist. Geliefert wird auch bis vor die Haustür, wenn es der Kunde mal besonders eilig hat. Gelegentlich veranstaltet Eckl auch Lesungen mit der Bibliothek nebenan.

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Für den Sommer hat sich Eckl etwas ganz Besonderes einfallen lassen, das die Buchhandlung Lesezeit ohne Zweifel zu einem höchst attraktiven Ausflugsziel macht, wenn man einmal in der Gegend ist.

Direkt vor dem Geschäft ist eine kleine Piazza, die wir über den Sommer mit dem „Liesinger Lesestrand“ bespielen. Liegestühle, Hängematten, Sitzsäcke und andere chillige Sitzmöglichkeiten laden unsere KundInnen ein, mal eine kleine Pause vom Alltagsstress zu nehmen und in guten Büchern zu schmökern. Die Idee dazu kam mir relativ spontan im Frühjahr – auch das ein Vorteil einer kleinen Buchhandlung ohne Hierarchien und Filialen, was gut ist, wird gleich umgesetzt – ohne langwierige Gespräche und Entscheidungsprozesse – die Grenze gibt nur unsere Fantasie vor, bzw. leider auch die finanziellen Mittel.

Wer sich also in Wien mal ganz entspannt in eine Hängematte fläzen will, ist bei der Buchhandlung Lesezeit herzlichst dazu eingeladen. Auch das scheint ein Trend in vielen kleineren Läden zu sein – Entspannungsräume zu schaffen. Weg von der Hektik des Alltags, von Überreizung und Überbeanspruchung. Ob es nun Hängematten sind oder ein gemütliches integriertes Café, es soll weggehen vom Kaufhaus-Flair, von der Massenabfertigung der großen Filialisten. Wer mehr über die Buchhandlung Lesezeit erfahren will, findet sie auf Facebook oder besucht ihre Homepage.

Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!

In Zeiten des Klicks

schnelligkeit

Es gehört zweifellos zu den Unsitten unserer modernen Gesellschaft, ein Tempo an den Tag zu legen, dass es einem unversehens die Schuhe auszöge, bevor man imstande wäre, auch ein paar Meter in denen der anderen zu laufen. In Siebenmeilenstiefeln hetzen wir durchs Leben, haben keine Zeit mehr, uns mit Dingen auseinanderzusetzen, auf sie zu reagieren. Wir schieben sie auf, bis wir sie vergessen, in der Hoffnung, etwas mehr Zeit für uns zu schaffen, irgendwann. Es ist wie in Endes Momo mit den grauen Herren von der Zeitsparkasse – je mehr Zeit wir sparen, desto weniger haben wir am Ende. Wie komme ich nun darauf, warum schreibe ich das?

Meine Initiative ,Die Kleinsten werden die Größten sein‘ zur Unterstützung des stationären und unabhängigen Buchhandels wurde nun knapp 750-mal auf Facebook verbreitet. Gesine von Prittwitz hat kürzlich zu Interviews mit Buchhändlern aufgerufen, man spürt die Begeisterung allerorten – Ideen wie buy local haben den Anstoß gegeben, sich tatsächlich, auch außerhalb des Netzes mit seiner Umgebung und ihrer Bewahrung auseinanderzusetzen -, über die kurzfristig aufflammende Begeisterung geht es aber nicht hinaus. Nun mag es nicht einer gewissen Ironie entbehren, dass die Unterstützung lokaler Buchläden ausgerechnet im Internet stattfindet, aus dem man die Kundschaft wieder hinauszubefördern trachtet, aber es ist schlicht nicht anders machbar – wer kann schon überall in der Republik unterwegs sein?

Und ich frage mich, wie und warum diese Diskrepanz zwischen Begeisterung und tatsächlicher Unterstützung besteht. Und meine den Grund auch in einer veränderten Kommunikationsstruktur zu entdecken, die das Internet und Social-Media generell mit sich bringen. Zwar ist es viel einfacher, mit Menschen in Kontakt zu treten, im Zweifelsfalle aber wesentlich komplizierter, sie tatsächlich zu erreichen und zu bewegen. Wer heute bei Facebook von Dingen liest, die ihn begeistern, der klickt auf ‚Gefällt mir‘ und hat, jedenfalls, wenn es um Initiativen geht, die eine gewisse Mitarbeit erfordern, im Moment des Klicks schon seine Schuldigkeit getan. Während man früher noch tatsächlich den Ort des Geschehens aufsuchen, mit den Verantwortlichen sprechen musste, haben sich heute die Möglichkeiten, Zustimmung zu suggerieren, um ein Vielfaches erweitert. Es ist einfacher geworden, bequemer. Dadurch aber auch viel oberflächlicher.

Ich spreche jetzt nicht nur im Namen meiner Initiative, die sich schwieriger gestaltet, als ich es mir ausgemalt hatte. Anfangs bat ich noch um Vorstellungstexte und Bilder, die ich lediglich online stelle, denen ich eine Plattform biete. Mittlerweile hat sich das Ganze insofern gewandelt, als ich die Artikel selbst aus den Informationsbrocken zusammenschreibe, die mir die Buchhandlungen liefern – Leser beteiligen sich nahezu gar nicht. Da gibt es Buchhandlungen, die sehr dankbar sind und mir engagiert so viele Informationen zukommen lassen wie für einen fundierten Artikel notwendig sind, da gibt es aber auch solchhe, die auf Nachfragen schlicht nicht mehr reagieren. Solche, die sagen, man müsse sich da schon selbst ein Bild machen.

Mit diesen Erfahrungen bin ich nicht allein und ich frage mich ein – weshalb diese Trägheit? Letztlich sind wir, die wir ja überwiegend in irgendeiner Weise mit der Buchbranche verbunden sind, hier und wollen die Werbetrommel rühren. Völlig unentgeltlich. Wir, die wir solche Initiativen ins Leben rufen, wollen uns hinsetzen und in unserer Freizeit über euch, die kleinen Buchhandlungen, berichten, weil wir sie für so bewahrenswert halten und weil wir glauben, dass das Medium Internet, in diesem Kontext angewandt, einfach große Wirkung zeitigen kann. Nun geht es gar nicht darum, dass die eine oder andere Reaktion länger braucht, niemand muss erklären, dass es manchmal stressig ist – die, die selbst im Buchhandel arbeiten, wissen, wie es aussehen kann. Vielleicht ist es heute, in Zeiten des Klicks, einfach anders geworden: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Doch sollten wir bei aller Bequemlichkeit des „Gefällt mir“-Klicks nicht vergessen, dass mehr dazugehört. Dass ein im Bruchteil einer Sekunde zuckender Finger noch keine Zustimmung, gar Unterstützung macht. Dass es trotzdem noch immer altmodischer Kommunikation bedarf, um Dinge ins Rollen zu bringen. Ich meine das nicht etwa anklagend oder womöglich fordernd – ich denke nur darüber nach, warum es ist wie es ist. Ich habe im Rahmen meiner Aktion bisher schon viel Unterstützung erfahren und Bereitschaft, die Sache publik zu machen.

Aber die, um die es gehen soll, halten sich nach wie vor überraschend bedeckt.