Stell dir vor es ist Apokalypse …

170571479_d11d098961_zund keiner rettet ein Buch.

Selbstredend eine grausame Vorstellung für jeden Buchliebhaber – auch wenn er nicht wüsste, für wen er nach dem Ableben der Menschheit seine liebsten Werke sichert. Irgendjemand wird schon kommen. Irgendjemand wird da lesen, worüber sich die Menschheit so den Kopf zerbrach, bevor sie sich dafür entschied, Radieschen von unten zu begucken. Diese Überzeugung macht regelmäßig angekündigte Weltuntergänge erträglich. Welche drei Bücher, fragte Tobias von Texte und Bilder nun also, würdet ihr retten? (luftdicht verschließen, einbuddeln, auf den Nachbarplaneten katapultieren ..) Tilman von 54books reichte den Stab an mich, der mich nun zu einer nahezu unmöglichen Antwort auf diese Frage nötigt. Nur drei.

1. Max Goldt – Der Krapfen auf dem Sims

Max Goldt ist eine Koryphäe, sprachlich, inhaltlich, thematisch. Um zu beweisen, zu welch sprachlicher Rafinesse der Mensch fähig war, ist Max Goldt unerlässlich.

2. Paul Watzlawick – Anleitung zum Unglücklichsein

Wir haben ja per se ein schlechtes Gedächtnis, was negative Erlebnisse anbelangt. Wie man auch nach der Apokalypse wieder unglücklich sein kann, zeigt dieses Standardwerk.

3. Michael Ende – Momo

Damit sie nicht wieder denselben Fehler mit den grauen Herren machen.

Ja, mutmaßlich hätte jetzt jeder mit intellektuellen Wälzern gerechnet. Wo ist mein Dostojewski, mein Goethe, mein Schiller, mein Joyce, meine Männer (also, Thomas, Heinrich und Klaus), wo Cervantes und Nabokov und Dickens und Maupassant und Zola und Balzac und Büchner und Sartre, Twain, Boccacio, Hugo und Camus und … die werden halt schon von anderen gerettet.

Man muss Nischen besetzen. Auch kurz vor der Apokalypse.

Ich nominiere folgende Retter des Papiers: dasgraueSofa & Bücherphilosophin

Foto: Flickr, Gernot Poetsch

Die Sonntagsleserin #KW13

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,Immer wieder sonntags‚ kommt die Erinnerung – ist es noch jemandem im Ohr? Diese Schlagerhitparade mit einem stetig möglichst gebissentblößend grinsenden Max Schautzer – im Programm so illustre Gäste wie Gotthilf Fischer und Geier Sturzflug? Warum ich das weiß? Ich hatte eine schlimme Kindheit in Ostdeutschland. Eigentlich wollte ich auch gar nichts davon schreiben, sondern mich, wenn auch spät, der von der Bücherphilosophin in die Welt gewuchteten Sonntagsleserin widmen. Aber hin und wieder muss man ja auch über so etwas mal reden dürfen.

Nachdenklich machte mich diese Woche wieder einmal die liebe Ada Mitsou – im positiven Sinne, versteht sich. Selbst entschlossen, ihre Buchkäufe auf ein Minimum zu beschränken, überlegt sie, was hinter dieser Bücherhamsterei steckt, die manch einen bibliophilen Menschen irgendwann heimsucht. Freilich mag das bei jedem Betroffenen ganz individuelle Gründe haben, die Auswirkungen – nämlich prallgefüllte Bücherregale mit ungelesenen Büchern – sind immer dieselben.

Mein persönlicher Buchzuwachs.

Mein persönlicher Buchzuwachs.

Mit Freude gelesen habe ich auch buecherrezensions Besprechung zu Heinrich Steinfests ,Der Allesforscher‘. Witzig, absurd, mit viel Humor, aber dennoch nicht albern, so stelle ich mir einen Roman vor, der in der Rezension folgend brilliant angepriesen wird: Es beginnt mit einem explodierenden Wal. So, wie eben viele Geschichten anfangen. Eine Besprechung, die – mir jedenfalls – richtig Lust auf das Buch macht.

Bei Karthauses Bücherwelt fand ich eine Rezension zu einem von Max Brods Romanen. Den meisten wird Max Brod eher als der ein Begriff sein, der sich dem Willen Franz Kafkas widersetzte und – statt dessen gesammelte Manuskripte folgsam zu verbrennen – dessen Erzählungen und Fragmente posthum veröffentlichte. Aber auch Brod selbst schrieb und das, glaubt man der Rezensentin, beileibe nicht schlecht. Sie resümiert sogar: Solch einen großartigen Roman habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Coffee & Books hat sich mit ,Transatlantik‘, dem neuen Roman von Column McCann beschäftigt, der seine Handlung auf schwindelerregend viele Zeitebenen verteilt ablaufen lässt. Ein bisschen spröde wirke das, nicht einheitlich in seiner Qualität. Ein Buch bei dem man, laut Rezension, zwar Abstriche machen müsse, das aber die Lektüre zweifelsohne dennoch lohne.

Die liebe Birgit von Sätze&Schätze ist ja fast Dauergast (ich reime vermehrt unbeabsichtigt, stelle ich fest!) bei meiner Sonntagsleserin. Das ist mir aber eigentlich egal, ich kann ja nichts dafür, wenn sie immer so schöne Beiträge schreibt. So zum Beispiel Anfang der Woche die Rezension zu ,Albert Londres – Ein Reporter und nichts als das‘ aus der Anderen Bibliothek.

Am Schluss noch zwei Blogtipps. Manchmal entdeckt man ja in diesem riesigen Onlinebücherblogdschungel noch Seiten, die einem entgangen sind. Warum auch immer. So geschehen mit der Lesewiese und – schon vor längerer Zeit – Brasch & Buch. Reinschauen lohnt sich! Und damit verabschiede ich mich – lose nachher noch aus, wer die hübschen Atlantikbeutel bekommt. Danke für eine Menge schöner Artikel, wie immer! Kommt gut in die neue Woche!

Auf der Buchmesse gesehen und in die Zeichnungen verliebt - Isabel Seliger, http://www.isabelseliger.com/

Auf der Buchmesse gesehen und in die Zeichnungen verliebt – Isabel Seliger, http://www.isabelseliger.com/

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Holzig im Abgang – ein Blogstock

taubeGegenwärtig gehen sie um, die Blogstöckchen. Sie dienen der Vernetzung, des besseren Kennenlernens, eben des freundlich-gepflegten Sozialisierens in der virtuellen Welt. Zwei Stöcke trafen mich kürzlich. Unter anderem dieses aus Norman Weiß‘ Notizheften. Folgende acht Fragen sind nun also an mich weitergegeben worden.

Benutzt Du einen Fernseher?

Tatsächlich tue ich das, obwohl ich wohl desöfteren deutlich gemacht habe, dass ich kein Freund des Fernsehens bin. Mittlerweile gucke ich aber fast ausschließlich Dokusender (Phoenix, N24, n.tv) und arte oder 3sat. Alles andere finde ich völlig vernachlässigenswert und es kommt auch mal vor, dass ich das Gerät tagelang gar nicht in Betrieb habe. Hin und wieder brauche ich aber, das muss ich zugeben, ein bisschen Zerstreuung.

Gibt es einen Fall, bei dem Dir der Film besser gefallen hat als das Buch?

Ich bin kein großer Filmkenner (leider!), aber ein schönes Beispiel ist wahrscheinlich ,Psycho‘. Ich bin ein großer Hitchcockfan und Robert Blochs literarische Vorlage kann natürlich in diesem Falle unmöglich mit der Verfilmung mithalten. Anthony Perkins war ein brillianter Norman Bates, da kommt kein Buch heran.

Wie ordnest Du Deine Bücher?

Meine Bücher ordnet das Chaos. Tatsächlich habe ich sie überhaupt nicht sortiert. Weder nach Genre, noch nach Alphabet, geschweige denn nach Farben. Als ich umzog, wollte ich so schnell wie irgend möglich meine Bücherregale einräumen und habe mich dann nie mehr mit irgendeiner Sortierung beschäftigt. Wenn man so eine hohe Buchumschlagsgeschwindigkeit hat – also so unfassbar schnell neue Bücher einziehen -, muss man ja ständig neu rücken und räumen. Und da ich das im Job schon jeden Tag gewissenhaft tue, erlaube ich mir zuhause das Chaos.

Gibt es Bücher oder ein Buch, das Du immer wieder liest?

Nein. Früher habe ich das gemacht, heute finde ich täglich so viele interessante Bücher, dass es mich wertvolle Lesezeit kosten würde, Bücher immer wieder zu lesen. Dann schon lieber Gedichte. Gedichte von Mascha Kaléko kann ich immer wieder lesen.

Gehst Du lieber ins Theater oder ins Kino?

Da ich selbst schon in ganz kleinen Rollen auf der Bühne stand: definitiv Theater! Dazu habe ich eine ganz andere Verbindung.

Liest Du Krimis?

Hin und wieder, aber nichts Blutrünstiges. Wer mich schon länger liest, weiß um meine pathologische Sherlock Holmes Leidenschaft. Gibt vermutlich kaum eine fiktive Figur, die ich mehr bewundere – für ihren Scharfsinn und ihre Selbstkontrolle. Und nachdem ich meine Vorstellung des Sherlock Holmes auch noch so brilliant in Jeremy Brett verkörpert gefunden habe, bin ich sowieso nicht mehr zu retten.

Kannst Du Noten lesen?

Nein. Musiktheorie hat überdies ja auch etwas sehr Mathematisches, das hat mich schon zu Schulzeiten abgeschreckt.

Eine Prognose wagen: Wie wirst Du in zehn Jahren lesen?

Vermutlich sowohl mit klassischem Buch als auch digital. Meine ganz tief wurzelnde Ablehnung gegen E-Reader und E-Books beginnt mit zunehmender Beschäftigung mit der Sache langsam aufzuweichen. Und hoffentlich durch den Blog noch immer so „interaktiv“ wie jetzt, im Austausch mit vielen anderen.

Meine Fragen (siehe unten) gehen nun weiter an andere Beworfene. Von meinem Stöckchen touchiert werden Ein Jahrhundert lesen, Muromez und privatkino.

1.Benutzt du deinen Fernseher?
2.Wenn du ein Buch schreiben könntest, wovon würde es handeln?
3.Gibt es eine literarische Figur, die du bewunderst?
4.Welcher Musiker hat dich zuletzt mit seiner Musik beeindruckt und warum?
5.Welches Literaturgenre lässt du links liegen?