,Literaturen‘ feiert Geburtstag.

literaturenbanner13.03.2014, Buchmesse Leipzig: Kurzes Zusammentreffen mit Jo Lendle, der mich fragt, ob ich mich mit dem Namen meines Blogs nicht mindestens in einer rechtlichen Grauzone bewege, schließlich gäbe es ja dieses gleichnamige Printmagazin. Vielleicht, ja, doch, irgendwie, habe darüber nachgedacht, es wieder verworfen, leide unter Schweißausbrüchen beim Anblick beanzugter Männer, die potentielle Anwälte nämlichen Printmagazins sein könnten. Finde heraus, dass ,Literaturen‘ ein durchaus gängiger Plural ist. Atme aus.

Drei Jahre gibt es ihn nun schon, diesen durchaus gängigen Plural in Form eines Literaturblogs. Literaturblogs gibt es viele, das war auch schon vor drei Jahren nicht bedeutend anders. War mir aber egal, es sollte ja zunächst nur eine Art Gedächtnisstütze sein, dementsprechend war auch das Publikum. Ich führte einen schier endlosen literarischen Molonog, bis die erste tatsächlich kommentierende Leserin in mein Bloggerleben trat. Es war Mara von Buzzaldrins, die da eines Tages einfach auf der Bildfläche auftauchte und aus dem Monolog wenigstens streckenweise einen Dialog werden ließ. Dafür danke ich an dieser Stelle einfach nochmal herzlich. Aus ein paar vereinzelten Folgenden sind nun auf Facebook, Twitter und WordPress selbst rund 1200 geworden. Damit könnte man – naja, eine Halle füllen, vielleicht.

Selbstverständlich habe ich aber nicht nur einer Person zu danken, sondern eigentlich unzähligen, die mit ihrer Unterstützung und ihrem Interesse dafür sorgen, dass ich das, was ich hier tue, weiterhin tue – mit genauso viel Spaß wie am Anfang, wenn nicht noch ein wenig mehr (meine Kolleginnen von We Read Indie, aufgeschlossene Verlage, Leser & Kommentatoren, deren Namen man öfter liest). Es ist mehr Arbeit geworden, verglichen mit den Anfangszeiten, aber mit diesem Mehr an Arbeit haben sich auch die Möglichkeiten erweitert. Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen, über Literatur zu sprechen, für Literatur zu begeistern. Nicht nur im Job, sondern auch außerhalb. Und weil ich unmöglich durch die Republik reisen und jedem von euch Danke sagen kann, gibt es .. ÜBERRASCHUNGEN. Zwei an der Zahl. Nicht in ihrem Wesen überraschend (der Kenner wird die Form sofort entlarven), sondern inhaltlich.

collage

Wie gehabt darf sich entschieden werden, ob man eher Hollywoodambitionen hegt oder ein liebenswerter Sonderling ist. Kombinationen aus beidem können leider nicht berücksichtigt werden. Habt ihr euch dann entschieden, landet diese – möglicherweise folgenschwere – Entscheidung in der Kommentarbox. Wie immer entscheidet das Schicksal – und in diesem Falle vielleicht noch ein bisschen mehr Glück als sonst, schließlich weiß man ja nicht, was man sich da ausgesucht hat. Bis 23.05. darf zwischen Glamour und Eigenwilligkeit gewählt werden.

Ich hatte aufgerufen, mir eigenartige Sachen aufzutragen. Keiner hat sich getraut. Ich hätte auch einen Beipackzettel oder die Ingredienzien von Früchtejoghurt intoniert, stattdessen bat mich Mareike vom Bücherwurmloch um etwas sehr Naheliegendes: Die fünf beeindruckendsten Bücher der letzten drei Jahre.

1. Saša Stanišić – Vor dem Fest
2. Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren
3. Craig Thompson – Habibi
4. Amy Waldman – Der amerikanische Architekt
5. Tilman Rammstedt – Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

Ich hoffe, ich kann noch die nächsten drei Jahre mindestens über Bücher schreiben und irgendwann noch mehr Menschen damit erreichen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls lässt sich unumwunden sagen: War vermutlich eine dieser Entscheidungen, für die man selbst nach Jahren noch einigermaßen dankbar ist. Auf die nächsten drei Jahre!

Literaturen stöckelt

Zum ersten Mal in meinem Bloggerdasein ist es passiert. Unverhofft fliegt mir ein ,Stöckchen‘ entgegen, von dem ich mich immernoch frage, wie es zu seinem Namen kam. Während mir also Petra von Philea’s Blog die hölzerne Einladung zum Apportieren zuwirft, – entscheide ich mal, das mitzumachen. In Form von Fragen. Die dann auch gar nicht mehr so hölzern daherkommen.

DSCN6316Welches Buch liest du momentan?

Tatsächlich lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Mein Langzeitprojekt sind Christopher Clarks ,Die Schlafwandler‚. Leider komme ich dazu im Augenblick so gut wie gar nicht, weil es eben doch viel Zeit und viel Konzentration beansprucht. Ich lese Alice Munros ,Die Liebe einer Frau‚, weil ich Anfang Februar zum ersten Mal einen Literaturkreis besuche und dort dieses Buch gelesen wird. Traf sich gut, wo ich mir Alice Munro doch schon länger mal ansehen wollte. Anouk Markovits ,Ich bin verboten‚ liegt noch für die booknerds auf meinem Tisch, die Geschichte einer Frau und ihr Aufwachsen in einer traditionellen und streng jüdisch orthodoxen Familie. Außerdem war ich unlängst in der Bibliothek (warum auch immer ich sowas mache) und habe Joe Saccos Reportagen mitgenommen.

Warum liest du das Buch? Was magst du daran?

Christopher Clark und Joe Sacco lese ich wegen meines ganz grundsätzlichen Interesses an Geschichte und Politik. Wie wir alle versuche ich gelegentlich eben auch, die Welt um mich herum zu verstehen und Zusammenhänge zu begreifen, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie es zu anderer Zeit oder an anderen Orten der Welt zuging, kann ein guter Anfang sein. Munro lese ich aus Interesse an ihrem Werk und – siehe oben – für den Literaturkreis. Anouk Markovits, weil ich, zugegeben, wenig über strenggläubige Juden weiß und hoffe, mir einen Eindruck vom Leben unter diesem Umständen zu verschaffen.

Wurde dir als Kind vorgelesen? Kannst du dich an eine der Geschichten erinnern?

Ich vermute, dass mir vorgelesen wurde. Mein Gedächtnis ist eine ganz eigene Angelegenheit, deren Schilderung für sich schon ein Buch füllen könnte. Ich weiß aber, dass ich als Kind bereits ein Buch auswendig vortragen konnte, ohne des Lesens mächtig gewesen zu sein. Das war für Fremde immer höchst beeindruckend, fast eine Zirkusnummer. Es war ,Die Schöne und das Ungeheuer‚.

Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den /die du mal regelrecht verliebt warst?

Nein. Ich breche da wahrscheinlich auch mit allen bibliophil-romantischen Vorstellungen und Klischees, aber tatsächlich hat’s mich bisher nie so getroffen. Es gibt reale Menschen, für die ich schwärme, aber fiktive? Bedaure!

In welchem Buch würdest du gern leben wollen?

Ich glaube, nur in einem einzigen Buch zu leben, wäre auch nicht spektakulärer als in der Realität zu leben. Irgendwann wäre ja alles wieder genauso gewöhnlich und profan wie jetzt. Der Reiz des Lesens besteht ja gerade darin, die Realitäten immer wieder zu wechseln. Dementsprechend – wohl in keinem. Wenn ich aber müsste, würde ich in die Baker Street 221b einziehen. Als Sherlock-Holmes-Fan muss das so sein.

Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

Einen konkreten Satz habe ich gerade nicht, aber wenn der graue Herr in ,Momo‚ Herrn Fusi seine Lebenszeitverschwendung vorrechnet, läufts mir jedes Mal wieder kalt den Rücken runter.

Da ich ja jetzt auch andere Menschen mit Stöcken bewerfen muss, mh. Bewerfe ich mal deep read und imBuchsitzen. (das ist kein Gewaltakt!)

Die Sonntagsleserin #KW4

sonntagsleserin

Die Kaffee – und Teetassen sind hoffentlich gefüllt, – dann kann es losgehen mit der heutigen sonntäglichen Blogschau. Zu Artikeln, die beeindruckt, bewegt, etwas angestoßen haben. Die Bücherphilosophin hat’s erfunden und jeder kann mitmachen.

Tobias Lindemann von libroskop bespricht sehr eindrücklich die Nachtmeerfahrten, Simone Stölzels Reise zur dunklen Seite der Romantik. Erschienen bei ,Die Andere Bibliothek‘ macht der Band schon rein äußerlich eine Menge her, aber auch inhaltlich gibt es allerlei zu entdecken. Allenfalls ,eine elegant geschriebene Einführung in die Thematik‚, – mehr gibts in diesem hervorragenden Artikel.

Muromez rezensiert, wie vor ihm auch schon Mara von buzzaldrins und Birgit bei Sätze&Schätze, ,Tonio‘ von A. F. Th. van der Heijden. Es ist ein Roman über das Unaussprechliche. Über den Verlust des eigenen Kindes. Darüber, wie es weitergeht, wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Wenn alles stillsteht. ,Ich folge der Trauer, fühle die Qualen‚ heißt es in Muromez‘ Artikel. Ein literarisches Glanzstück?

Auf aboutsomething findet sich ein hochinteressantes Interview mit Autorin Aléa Torik, die mit ihrem Roman ,Aléas Ich‚ Fragen über Identität und Fiktionalisierung aufwirft. Insbesondere in Zusammenhang mit virtuellen Welten müssen wir uns diese Fragen neu stellen, unsere Lebenswirklichkeit ist eine grundlegend andere als noch vor vierzig Jahren. Katja schreibt – Dieser [der Roman] zog mich magisch in seinen Bann, ich bemerkte wie sehr Blog und Roman zusammengehören und verlor mich in der Sprache, der Konstruktion, den Figuren, Aléas Gedanken und Erleben, ihren Reflektionen über ihr Leben, das Schreiben ihrer Doktorarbeit d.h. ihres Romans und verlor mich und verlor mich und verlor mich …Zeit, sich in diesem Interview zu verlieren.

Bei Coffee & Books wurde, zu meiner großen Freude, Ernst Haffners Cliquenroman ,Blutsbrüder‘ entdeckt. Eine ,herausragende, mitreißende und wichtige Leseerfahrung, eines meiner liebsten Bücher der letzten Zeit‚ , schreibt Katja, eine der beiden Coffee & Books – Rezensentinnen.

,Erwachsenwerden, der blanke Horror‘ heißt es im Literaturblog Seitengang, der sich mit Charles Burns Graphic Novel ,Black Hole‘ beschäftigt. Beeindruckende Schwarz-Weiß Zeichnungen, der Horror der Adoleszenz. ,Lesen!‘, lautet die klare Anweisung von Rezensentenseite. Selbiges gilt für den Artikel!

Zu guter Letzt möchte ich auf zwei Blogs hinweisen, die noch nicht so lange im weitläufigen Internet existieren, deshalb aber nicht minder interessant oder sehenswert sind. Auf imBuchsitzen schreibt Louisa Winkler über ihre Liebe zu Frankreich, eigene Prosatexte und Rezensionen zu Buch und Film. Gerade im Entstehen und wunderschön!

Auf leseschatz tragen die Buchhändler Hauke und Sonja Harder aus Kiel ihre Schätze zusammen. Wer Buchhändler kennt, weiß, dass der Zugang zu Büchern ein niemals versiegender ist, – hier gibts Rezensionen zu spannenden Neuerscheinungen. Quasi aus ‚beinahe-erster-Hand‘. Vorbeischauen lohnt sich!

zeitungenWeitere Sonntagsleser:

Bücherphilosophin
widerstandistzweckmaessig
Sätze&Schätze
Wörterkatze
buchpost
dasgraueSofa