Zu Besuch bei Hoffmann und Campe


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Es ist sonnig, als ich auf der Suche nach dem Harvesterhuder Weg schnurstracks in die falsche Richtung laufe. Ich bin eben kein Hamburger. Andernfalls wäre das nicht passiert. Aber ich, man muss es mir zugute halten, bemerke meinen Irrtum schnell genug. Nahe der Alster und in äußerst schicker Gegend liegt das Verlagsgebäude von Hoffmann und Campe. Ganz bescheiden versteckt es sich ein wenig abseits der Straße als wollte es gar nicht gefunden werden. Außer von denen, die wissen, wo es liegt. Hoffmann und Campe ist ein traditionsreicher Verlag, bereits seit 1781 existiert er, damals noch in Verbindung mit einer Buchhandlung. Es war in früheren Zeiten üblich, beide Zweige miteinander zu koppeln. Heute, wo immer mehr Buchhandlungen ihre Pforten schließen müssen und viele Verlagsgruppen sich zu riesigen Konzernen zusammenschließen, undenkbar.

hoca-verlagsgebaeudeVerlegte Hoffmann und Campe – letztlich ein Gemeinschaftsprojekt zweier Buchhändler – zunächst überwiegend zeitgeschichtliche und politische Werke, ist der Verlag heute besonders bekannt für den Hausautoren Siegfried Lenz. Gab es anfangs noch wenig Belletristik, hat sich Hoffmann und Campe über die Jahre ein beachtliches Belletristik-Programm aufgebaut, nicht zuletzt auch mit dem Imprint Atlantik, das Anfang des Jahres das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Mit einer überraschenden Blogger-Aktion feierte Atlantik seinen Einstand in der Buchbranche.

Während ich noch sinniere und etwas nervös auf das von Bäumen geschützte Gebäude zulaufe, öffnet sich dort eine Tür und ich kann hineinschlüpfen. Hell und freundlich ist das mehrgeschossige Haus, die Sonne wirft vorsichtig etwas Licht durch das mittige Dachfenster. Ich melde mich an und kurz darauf begrüßt mich Ute Nöth, verantwortlich für den Bereich E-Publishing und in der digitalen Welt hervorragend vernetzt. Offen und freundlich zeigt sie mir ihr kleines Büro und lädt mich zu einem kurzen Rundgang durch den Verlag ein. Es ist Mittagszeit, doch ein paar Kollegen verschiedenster Abteilungen treffen wir dennoch an. Kollegen aus der Presse, dem Lektorat und der Herstellung. Egal, in welches Zimmer mich Ute Nöth führt, ich werde freundlich und herzlich begrüßt. Im Büro des Lektorats steht eine Kiste voller unverlangt eingesandter Manuskripte. Tagesgeschäft in einem größeren Verlag.

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Wie viel Arbeit hinter der Produktion eines Buches steckt, wie viele Menschen daran beteiligt sind, kann man erst nach einem Verlagsbesuch so richtig ermessen. Zweifelsohne haben Verlagsmitarbeiter jedoch die schönsten Büros – wo sich bei manch anderem ausschließlich Aktenordner aneinanderreihen, steht hier Buch an Buch. Nach unserem Rundgang haben wir uns auch etwas zu essen verdient – Ute Nöth und ich schlagen den Weg Richtung Kantine ein, die sich der Verlag mit einer angrenzenden Werbeagentur teilt. Als wir gerade vor dem Fahrstuhl stehen, öffnen sich mit einem Zischen die Türen und Daniel Kampa tritt heraus. Er grüßt freundlich, erzählt sogar, dass er unlängst in Lübeck war, im Buddenbrookhaus. Jahrelang war Kampa Verleger bei Diogenes, seit letztem Jahr lenkt er nun die verlegerischen Geschicke von Hoffmann und Campe. Ich indessen freue mich, ihm doch noch diesen kurzen Moment begegnet zu sein.

In der Kantine essen und plaudern wir ungezwungen, kaum zu glauben eigentlich, dass man sich das erste Mal begegnet. Es macht nicht den Anschein. Auf dem Rückweg zum Büro gibt mir Ute noch einige Leseexemplare, darunter die neuen Romane von Benjamin Lebert (,Mitternachtsweg‚) – im Verlag seien sie alle ganz verliebt in den charmanten Benjamin – und Stephanie Bart (,Deutscher Meister‚) Letzteren legt sie mir ganz besonders ans Herz. Hoffmann und Campe kann mit Fug und Recht behaupten, diesen Herbst eines der spannendsten Programme zu haben – hier kann man in den Vorschauen stöbern und sich zum Beispiel auch über Neuauflagen Agatha Christies und Christopher Isherwoods freuen. Bepackt und glücklich wende ich mich dem Ausgang zu. Hoffentlich sehe man sich bald wieder, sagt Ute noch. Ganz bestimmt sogar, sage ich. Der Herbst wird noch spannend.

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10 Gedanken zu “Zu Besuch bei Hoffmann und Campe

  1. Danke, liebe Sophie, für diesen schönen Artikel. Es war mir eine Freude – und ich hoffe sehr, dass du beim nächsten Mal schnurstracks in die richtige Richtung läufst!

  2. Was für ein schöner Bericht, liebe Sophie! Ganz besonders gespannt bin ich auf deine Meinung zum Deutschen Meister – für mich einer der aufregendsten Titel der kommenden Saison. Herzlich, caterina

  3. Ein schöner Bericht! Danke, dass du uns an deinen Verlagsbesuch auf diese Weise teilhaben lässt!

    Und den neuen Lebert-Roman hast du auch gleich mitbekommen,du Glückliche! Ich muss gestehen, dass ich seit Jahren vorhabe,seine Bücher zu lesen – vor einigen Jahren sah ich ihn auf der Buchmesse in Leipzig und er wirkte so unglaublich bodenständig und sympathisch. Ich bin gespannt, wie dein Urteil zu „Mitternachtsweg“ ausfallen wird!

    • Ich habe ,Im Winter dein Herz‘ von ihm gelesen und fand das sehr eindrücklich,sehr feinfühlig. Einmal habe ich ihn auch lesend erlebt, in der Tat ein sehr sympathischer Mensch. Ich bin sehr gespannt auf den neuen Roman. 🙂

  4. Liebe Sophie, ein Blick hinter die Kulissen ist immer wertvoll wie emotional. Der persönliche Kontakt mit „Ansprechpartnern“ durch nichts zu ersetzen. Ich habe mich auf den Bericht gefreut und wurde nicht enttäuscht. Ganz herzlichen Dank und liebe Grüße von der Bücherliebhaberin in den Norden.

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