Die Sonntagsleserin #KW11


sonntagsleserin

Wieder Sonntag, wieder Sonntagslesen. Von der Bücherphilosophin zur Welt gebracht und mittlerweile von vielen Bloggern mitgestaltet. Was in der Woche bei den Kollegen zu lesen war, darf jeder an ihrem Ende (der Woche, nicht der Kollegen) revue passieren lassen. Und dasProjekt erfährt nun eine kleine „Erweiterung“: Künftig dürfen bis Mittwoch die Beiträge gepostet werden, aus Rücksicht auf all jene, die den Sonntag nicht allein am PC, sondern berechtigterweise im Kreise ihrer Familie verbringen wollen.

Bei aus.gelesen gibt es eine Besprechung zu Emmanuel Bernheims ,Allesist gutgegangen‘. Auch masuko hat diesen Roman, der das Thema Sterbehilfe auch aus der Sicht einer Angehörigen thematisiert, bereits besprochen. Ein Vater bittet seine Tochter nach einem Schlaganfall, ihm dabei zu helfen, sein Leben zu beenden. Was so eine Bitte bedeuten kann und ob man ihr überhaupt entsprechen soll, scheint Bernheims Roman gut auszuloten.

Wortgalerie beschäftigt sich mit Juli Zeh und ihren Romanen, sowie der Frage, inwieweit die politisch sehr aktive Autorin mit ihren Werken zur Weltliteratur gerechnet werden kann. Ich werde in Bälde meinen ersten Roman von Juli Zeh lesen und bin um diese Eindrücke daher sehr dankbar – halten sie doch auch wohltuenden Abstand zu der landläufigen Ansicht, dass Weltliteratur nur das sein könne, was ohnehin bereits seit hinreichend langer Zeit kanonisiert ist.

Gérard Otremba führt uns auf pop-polit in ,Mélodie d’amour‘ von Margriet de Moor ein. Die Autorin zeichne ‚psychische Befindlichkeiten, mit aufregender Intensität, oftmals bis zur Fassungslosigkeit bestürzend‚. Tatsächlich führen solcherlei Romane doch immer untrüglich die Tatsache vor Augen, dass wir uns nicht so sehr vor abstrakten Dingen, sondern vielmehr vor manch einer menschlichen Beziehung zu fürchten hätten. Die Melodie der Liebe ist eben bisweilen ein grausames Krächzen.

Auf Sichten und Ordnen beschäftigt man sich, auch vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte, mit dem Langemarck-Mythos. Über Generationen hinweg wird da eine verfälschte Formulierung weitergetragen, die am Ende wirklichkeitsbildend ist. ,Das Deutschlandlied auf den Lippen‚ sei der Großonkel 1914 bei Langemarck gefallen. Dumm nur, dass der überwiegend Englisch sprach und es sich ohnehin als fraglich erwiesen hat, ob man an der Front tatsächlich zu singen imstande ist.

Fabian Thomas von The Daily Frown ist überwältigt von Dorothee Elmigers neuem Roman ,Schlafgänger‘. Mit einer Sprache, die ‚vor Schönheit fast zerbirst‚ sieht man sich hier einem Text gegenüber, der mit Perspektiven und Themen experimentiert, jongliert und dabei offensichtlich immer die Fäden in der Hand und den Überblick behält. Ein Buch, bei dem man sich, so Fabian Thomas, schon am Anfang nicht mehr sicher ist, ob es sich dabei wirklich um einen Roman handelt – aber das sei dann ja bei so einem Stück Literatur eigentlich fast egal.

Coffee&Books macht mit ,Die niedrigen Himmel‘ von Anthony Marra eine Entdeckung, an der zwar zu knabbern war, die sich aber vollumfänglich gelohnt hat. ,Wahrlich große Literatur‘ wurde hier entdeckt. Ein Roman über den Krieg in Tschetschenien. Und das (Über)leben.

In einem Leipziger Antiquariat kaufte ich mir überdies ein Buch von Robert Gernhardt, aus dem ich abschließend – quasi als Ersatz für filmische oder musikalische Einlagen-, einfach ein Bild präsentieren möchte, das für sich sprechen kann.

gernhardt

Ich danke wie immer für die tollen und bereichernden Artikel und wünsche einen guten Start in die neue Woche!

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8 Gedanken zu “Die Sonntagsleserin #KW11

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  5. Schön, dass Du wieder dabei bist 🙂
    Der Beitrag von Wortgalerie über Julie Zeh war mir diese Woche ebenfalls aufgefallen. Ich hab bisher nur „Adler und Engel“ gelesen, hatte aber schon seit längerem vor dem weitere Bücher folgen zu lassen. Ich hoffe der Beitrag gibt mir einen kleinen Leseanstoß.
    Ansonsten finde ich bei Dir wie so oft eine Fülle an Beiträgen und Rezensionen, die ich sonst wohl übersehen hätte. Ich werde jetzt erst mal stöbern gehen.

    Hab einen schönen Sonntag,
    Katarina 🙂

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