Die Sonntagsleserin #KW6


sonntagsleserin

Der ein oder andere wird es gemerkt haben – diese Woche war es still hier. Manches Mal hält einen die Welt außerhalb von Buchdeckeln und abseits von Monitoren doch zu fest in ihren Griffeln. Aber selbstredend kann man nachholen, was man die Woche über verpasst oder nur mit einem Viertel-Bewusstsein wahrgenommen hat. Auf zum Sonntagslesen. Die Bücherphilosophin hat’s erfunden und jeder kann mitmachen, der selbst einen Blog betreibt und reges Interesse an dem hat, was die Kollegen so schreiben.

Dieses Sonntagslesen steht gewissermaßen im Zeichen des Interviews. Ja, gleich drei davon sind mir besonders ins Auge gesprungen. Interviews mit inspirierenden und faszinierenden Menschen, die eine Nachlese verdienen. Beginnend mit Daniel Beskos, Gründer des mairisch-Verlags, mit dem Kef von Zeilensprünge ein Interview geführt hat. Stück für Stück werden nun Teile des Interviews online gehen, zum Nachhören. Eine tolle Sache! Teil Eins beschäftigt sich mit der Gründung des Indie-Verlages,der sich darüber hinaus auch die Erfindung des Indiebookdays auf die Fahnen schreiben darf!

Ein weiteres sehr beeindruckendes Gespräch gab es auf Biographilia, einen Blog, den ich überhaupt nur durch dieses Interview entdeckt habe. Befragte ist in diesem Falle Caterina von Schöne Seiten, die über ihre Kindheit auf dem Land, ihre unspektakuläre Jugend und ihre künstlerischen Inspirationen spricht. Ein mit wundervollen Fotos gespicktes Gespräch, das gerade deshalb so sympathisch ist, weil man hier die Authentizität, die Ehrlichkeit spürt.

Interview Nummer drei wurde mit dem Mann geführt, dessen Verhältnis zu seelischem Ungleichgewicht ein ganz besonderes, ein fast liebevolles ist. In Kürze erscheint David Wonschewskis Erzählband ,Geliebter Schmerz‚. Franziska Dreke sprach mit Wonschewski, herausgekommen ist ein Gespräch, das andere Perspektiven eröffnet, grundsätzlich eine Perspektive einnimmt, die ich sehr interessant finde. Weshalb Ängste und Schmerz als Feinde begreifen? Einfach mal dahin gehen, wo es weh tut.

Auf Durchleser’s Blog finde ich eine mitreißende und spannende Besprechung zu Édouard Levés ,Autoportrait‚. Schon mit dem 2012 erschienenen ,Selbstmord‘ hat Levé, der sich 2007 tatsächlich das Leben nahm, polarisiert. Autoportrait erinnert den Rezensenten nun an die pointillistischen Gemälde Seurats, kleine sprachliche Tupfer, kurze Momente, Augenblickprosa voller Sätze, über die man manchmal stolpern kann. Oder muss.

leseschatz hebt mal wieder einen solchen, nämlich das erst kürzlich erschienene ,Blutbuchenfest‘ von Martin Mosebach. Frankfurter High Society und Schickeria als Kontrast zum Krieg in Bosnien. Überreiche Snobs im Kontrast zu einer Frau, die ihre Toiletten putzt. Das klingt nach einem hochinteressanten literarischen Versuch und – wie die Besprechung andeutet – nach einem fulminanten Finale.

Bei VonOrtenundMenschen gibt es Geschichten, die das Leben schreibt. Oder sagen wir: nicht wirklich schreibt, das tut Betreiberin Maren Wulf schon selbst gut genug. Geschichten, die das Leben anbietet. Man muss sie nur aufnehmen und was daraus machen. Das passiert hier, weshalb dieser Blog jeden Besuch wert ist, den man ihm abstattet. Spannende Geschichten gibt es genug, … sie müssen aufgeschrieben werden.

masuko13 schreibt über Emmanuèle Bernheims ,Alles ist gutgegangen‘. Der Roman einer Tochter, die ihren Vater in den Tod begleitet. Tief berührend, wichtig, ein Plädoyer für den selbstbestimmten Tod. Absolut lesenswert ist, wie Bernheim einerseits das Chaos ihrer Gefühle in ganz knappe und sehr präzise Sätze fasst. Wie sie andererseits die letzten Wochen des geliebten Vaters mit sehr zarten Worten beschreibt, ihm liebevolle Passagen widmet, schreibt masuko. Offensichtlich ein Buch, das zu mehreren Blickwinkeln fähig ist.

Das ist nun alles sehr melancholisch. Ich ende mit einem melancholischen Thema (Liebeskummer), musikalisch leicht gemacht. Wem jetzt doch zu schwer ums Herz geworden ist, hört mal rein.

Einen schönen Sonntag!

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5 Gedanken zu “Die Sonntagsleserin #KW6

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