Die Sonntagsleserin #KW5


sonntagsleserin

Da schließt man die Augen an einem Sonntagabend und kaum öffnet man sie, ist wieder eine Woche vergangen. Zeitmaschinen müssen doch möglich sein. Nur, dass wir sie bisher eben noch nicht gefunden haben. Erfunden sind sie längst. Aber ganz gleich, ob nun die Zeit rast oder nicht – Zeit für gute Blogartikel findet man immer noch, irgendwo, weshalb ich auch diesen Sonntag meine liebsten präsentieren möchte. Erfunden hat diese sonntägliche Blogschau die Bücherphilosophin, mitmachen kann ausnahmslos jeder, der einen Blog betreibt und andere Blogs liest.

Die Klappentexterin hat sich mit einem Klassiker in modernem Gewand beschäftigt, genau genommen mit Guy de Maupassants ,Stark wie der Tod‘, der mit Zeichnungen von Jim Avignon bei der Edition Büchergilde erschienen ist. ,Ein Kunstwerk betrachtet man für gewöhnlich ja nicht nur mit einem kurzen Augenaufschlag, sondern mit großer Entdeckerfreude‚, schreibt die Klappentexterin – und zu entdecken gab es offenbar nicht nur eine besondere Geschichte, sondern auch wundervolle Illustrationen.

Bei Ein Jahrhundert lesen gab es eine sehr humorvolle Besprechung zu einem eher unbekannteren Werk Gerhart Hauptmanns. ,Es ist ein bisschen wie auf der Titanic. Ein Schiff mit lauter illustren Leuten fährt in Windeseile von Europa nach New York.‘, – wenn eine Rezension so beginnt, muss man einfach weiterlesen. Generell ist Nele Thiemanns Blog – eine literarische Reise durch das 20.Jahrhundert – immer einen Besuch wert, einen Roman aus jedem Jahr des Jahrhunderts. Zeitreisen eben.

Bei Norman Weiß von notizhefte gab es ein einen grandiosen historischen Brückenschlag, von 1813 über 1913 bis 2013. Von Napoleon über Kaiser Wilhelm II bis internationaler Terrorismus und Bankenkrise. Schon ein ehrgeiziges Vorhaben für ein ganzes Posting, unterfüttert mit der entsprechenden Literatur, von Nipperdey über Illies und Blom über Clark. Ach, ..lest selbst, der Artikel ist einfach ganz fürchterlich (gut) gelungen!

Bei Kaffeehaussitzer Uwe Kalkowski kommt einfach alles anders. Vielleicht aber auch schlimmer. Stephen Frys ,Geschichte machen‘ ist ein Roman, der uns in aller Konsequenz vor Augen führt, was hätte passieren können, wenn wir in der Lage wären, Geschichte „zu machen“, uns einzumischen. Hitler ist tot, bevor er Unheil anrichten konnte. Aber vielleicht richtet es dann einfach ein anderer an. (auch bei Zeitreisen sagt man ja immer, man solle bloß nichts anstellen,  was die Zukunft verändert ..nur nichts anfassen oder die eigenen Eltern auf die Straße schubsen)

Ada Mitsou hat beschlossen, sich dieses Jahr mehr ihren ungelesenen Büchern zu widmen, statt stetig neue anzuhäufen, die man „irgendwann“ einmal lesen wird – oder vielleicht auch nicht. Sie wirft einen durchaus kritischen Blick auf das Hamstern von Büchern, auf das Hetzen durch eine Lektüre, von der nichts hängenbleibt, weil man gedanklich schon wieder beim nächsten Buch ist. Nun lässt sie ihren ersten Monat ohne nennenswerte Bucherrungenschaften revue passieren – und stößt sehr interessante Gedanken an! Literarische Entschleunigung.

Bei 54books gab es, man mag es kaum glauben, den deutlichen Beweis gegen die angeblich unter Rechtsgelehrten grassierende Pest der Humorlosigkeit. Ein Richter des Arbeitsgerichts Detmold verfasste seine Urteilsbegründung tatsächlich gänzlich in Reimform. Nicht nur Humor haben die Juristen, dichten können sie auch – und so habe ich mich herrlich über dieses poetische Kleinod gefreut, ..fand es sich doch dort, wo man es, siehe Vorurteil oben, gar nicht vermutet hätte.

Bei Claudia von dasgraueSofa findet sich eine hervorragende Rezension zu Brigitte Kronauers ,Gewäsch und Gewimmel‘, ein 600 Seiten starkes Gewisper und Gerede hinter Hecken und Rücken und überhaupt. ,(…)der Leser wird nach der Lektüre ganz vorsichtig werden auf dem Büroflur und im Supermarkt‚. ..bei dieser fulminanten Besprechung aber ist keinerlei Vorsicht geboten, man kann sich getrost auf sie stürzen und genießen.

Bei Ein Achtel Lorbeerblatt gabs die CD des Monats Februar. Sebastian Krämers Tüpfelhyänen – Oder die Entmachtung des Üblichen. (jaja, Rezension war von mir, aber psst) Lange hat mich ein Album nicht mehr so beeindruckt, ..weshalb ich mal ein bisschen mogle und hier Sebastian Krämer präsentiere. Ein Genie. Unbedingt anhören bitte!

Ein Hund bellt, zwar übel gelaunt, doch in 5.1 Dolby Surround.

[Sebastian Krämer – Kino von außen]

Einen schönen Sonntag und lest gut!

Weitere Sonntagsleser

Bücherphilosophin
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dasgraueSofa

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15 Gedanken zu “Die Sonntagsleserin #KW5

  1. Pingback: (Die Sonntagsleserin) KW #05 – Januar/Februar 2014 | Bücherphilosophin.

  2. Pingback: Die Sonntagsleserin KW 5 | widerstandistzweckmaessig

  3. Ich freu mich, dass Du wieder dabei bist 🙂 Ich werde gleich mal mit dem Stöbern anfangen. Ich glaub diesmal haben wir keine Links gemeinsam. Das dürfte also interessant werden…
    Eins noch, kannst Du mich bitte als Erfinderin der Aktion verlinken. So wie in Deinem Sonntagsleserin Beitrag aus KW4 würde völlig reichen.

    Hab einen schönen Sonntag,
    Katarina 🙂

  4. Liebe Sophie,
    natürlich erst einmal vielen Dank für Deinen Hinweis auf das ewige Gewisper und Getuschel, Geraune und Geschwafel! Und dann finden sich bei Dir ja auch wieder furchtbar viele viel versprechende Links, die es zu lesen gilt. Toll!
    Viele Grüße und einen schönen Sonntag, Claudia

    • Liebe Claudia,
      sehr gern habe ich den Hinweis gegeben, das Buch von Brigitte Kronauer interessiert mich schon seit geraumer Zeit, aber ich bin bisher schlicht noch nicht dazu gekommen, es mir zu besorgen, geschweige denn, es zu lesen. Umso mehr hat mich deine Besprechung gefreut. Auch dir einen schönen Sonntag! Liebe Grüße

  5. Pingback: Die Sonntagsleserin – fünfte Kalenderwoche | Die Zaunreiterin

  6. Vielen herzlichen Dank für die Erwähnung. Und natürlich für die ganzen schönen Hinweise auf spannende Beiträge, habe gleich ein bisschen gestöbert. „Geschichte machen“ ist ein Buch, das ja schon vor nunmehr 18 Jahren erschienen ist. Aber das Thema spuckt einem noch lange nach der Lektüre im Kopf herum…

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