Nevermore


Edgar_Allan_Poe_1848Heute vor stolzen 164 Jahren starb Edgar Allan Poe. Er gilt als besonders prägend für die Kriminalliteratur sowie das Science-Fiction – und Horrorgenre. Wer heute an Poe denkt, wird vermutlich entweder einen Raben oder eine Grube samt Pendel vor Augen haben, viele seiner Geschichten und Gedichte haben einen festen Platz in der Literaturgeschichte. Mit Auguste Dupin hat Poe eine Figur geschaffen die gelegentlich in ihrer detektivischen Arbeit und deduktiven Brillianz mit Conan Doyles Sherlock Holmes in Konkurrenz tritt – und das, obwohl Dupin lediglich in drei Geschichten auftritt. Er gilt als der erste Detektiv in der Belletristik. Conan Doyle sagte einmal anerkennend: „Each [of Poe’s detective stories] is a root from which a whole literature has developed… Where was the detective story until Poe breathed the breath of life into it?“

Edgar Allan Poe wurde als Sohn zweier Schauspieler 1809 in Boston geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt verließ sein Vater aus ungeklärten Umständen die Familie. Was aus ihm wurde, konnte niemals ermittelt werden. Ein Jahr darauf starb Poes Mutter Elizabeth an Tuberkulose und er wuchs fortan bei Frances und John Allan auf, die, beide vom Schicksal des jungen Edgar betroffen und berührt, die Rolle seiner Eltern übernahmen. Dennoch war das Verhältnis mitunter angespannt, Edgar wurde von den Allans niemals adoptiert, nahm aber trotzdem deren Namen an. Seine Geschwister wuchsen in anderen Familien auf.

Mit 17 immatrikulierte er sich an der von Thomas Jefferson gegründeten Universität von Virginia und studierte neue und alte Sprachen. Bereits an der Universität begann Poe zu spielen und zu trinken. Die Studiengebühren und Materialkosten waren hoch und bereits nach kurzer Zeit war Poe verschuldet. Später sollte er sagen, sein Ziehvater habe ihm nicht genügend Geld für seine Ausbildung bereitgestellt, ebenso möglich wäre aber, dass er sich an der Universität in sehr exzessfreudiger Gesellschaft befand. In einer Gesellschaft, in die er sich um jeden Preis eingliedern wollte, statt außen vor zu stehen.

220px-TamerlaneAndOtherPoems1827 veröffentlichte Poe auf eigene Kosten seinen ersten Gedichtband ‚Tamerlane and Other Poems‚, der weitgehend unbemerkt blieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits für fünf Jahre bei der US Army verpflichtet. Dort wurde er mehrfach befördert und plante eine Karriere beim Militär,die er mit einem Eintritt in die US Military Academy anzukurbeln hoffte. Doch das endgültige Zerwürfnis mit seinem Ziehvater John Allan, der sich sehr für Poes Karriere beim Militär eingesetzt hatte, sorgte dafür, dass Poe selbst seine Entlassung provozierte, ja, sich schließlich wegen zahlreicher Regelverstöße vor dem Kriegsgericht wiederfand.

Daraufhin ging Poe nach Baltimore und begann, irgendwann zwischen 1831 und 1835, erste Erzählungen zu verfassen und zu veröffentlichen. Unter der Aufsicht Thomas Whites, dem Herausgeber, begann Poe für den Southern Literary Messenger zu arbeiten – und ihn im Laufe seiner dortigen Beschäftigung auch bekannt zu machen. 1835 verlobte sich Edgar Allan Poe außerdem mit seiner erst 13 Jahre alte Cousine Virginia, die er jedoch mutmaßlich mehr als Schwester, denn tatsächlich als Ehefrau begriff. 1836 heirateten die beiden. Sie 13, er 27. Schon damals scheint Edgar Allan Poe Schwierigkeiten mit seinem Alkoholkonsum gehabt zu haben. So warnte ihn White –

„Edgar, solltest Du wieder durch diese Straßen streifen, fürchte ich, wirst Du auch wieder süffeln, so lang, bis Du ganz von Sinnen bist. […] Auf keinen, der vor dem Frühstück trinkt, ist Verlass!“

(aus Kenneth Silverman – Edgar Allan Poe)

Die folgende Zeit war von vielen Ortswechseln geprägt, es zog Poe nach Richmond, New York und Philadelphia. Er schrieb gefürchtete Literaturkritiken, Erzählungen und Artikel über Sportgeräte und Vogelkunde. Seine polemischen Ausfälle gegen Henry Wadsworth Longfellow, er sei wenig originell und überdies ein Plagiator, führten dazu, dass er es sich mit vielen Autoren und Verlegern verdarb. Wer wollte sein Werk schon von jemandem besprochen wissen, der zu solcherlei Anfeindungen imstande, womöglich sogar für sie berühmt war?

Am 07.Oktober 1849 starb Edgar Allan Poe unter ungeklärten Umständen. Die Geschichten, die sich um seinen Tod ranken, sind vielfältig. Bis heute gilt er als schwerer Trinker, mancherorts als opiumabhängig, unzuverlässig. Inwieweit das tatsächlich mit der Realität übereinstimmt, lässt sich selbstverständlich heute nicht mehr gesichert sagen. Die Spekulationen reichen von Mord, Selbstmord und Cholera über Syphilis, Tollwut und Alkoholismus. Vielleicht ist es nur folgerichtig, dass ein Mann, der dem Düsteren und Mysteriösen ein so nachhaltiges literarisches Denkmal gesetzt hat, auch unter ebensolchen Umständen zu Tode kommt.

poePoe erfreut sich noch heute großer Beliebtheit, immer wieder gibt es Werke, die seine Erzählungen rezipieren. Entweder in reinen Erzählbänden, aber auch in graphischer Form. So geschehen beispielsweise bei Gris Grimleys „Unheimliche und fantastische Geschichten“, die im Knesebeck Verlag erschienen. Die Illustrationen sind düster und morbide, gleichzeitig aber von einem impliziten, ganz hintertürigen Humor, dass es eine Freude ist, Poes Geschichten zu entdecken. Edgar Allan Poe hat in vielerlei Hinsicht wegbereitend für die Literatur gewirkt, im prosaischen wie im poetischen – und so lohnt es sich ohne Zweifel, einen zweiten und dritten Blick auf diesen Mann zu werfen. Unten die erste Strophe seines bekanntesten Gedichts „The Raven“, außerdem die musikalische Bearbeitung des Alan Parsons Projects.

Once upon a midnight dreary, while I pondered weak and weary,
Over many a quaint and curious volume of forgotten lore,
While I nodded, nearly napping, suddenly there came a tapping,
As of some one gently rapping, rapping at my chamber door.
`’Tis some visitor,‘ I muttered, `tapping at my chamber door –
Only this, and nothing more.‘

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