Gedanken zur Shortlist


shortlist

Da sind sie nun, die sechs Favoriten, unter denen sich entscheidet, wer den Deutschen Buchpreis 2013 gewinnt. Allesamt eher schwierig und fordernd, keine Bücher, die man ganz locker im feierabendlichen Licht der Leselampe verschlingt. Mir und meinen Kolleginnen von „5 lesen 20“ wurden nun einige Fragen zur Shortlist gestellt.

Welcher Roman der Shortlist ist Ihr Favorit und warum?

Von den Romane, die ich im Projekt gelesen habe, hat es ausschließlich Terézia Mora auf die Shortlist geschafft, dementsprechend wäre es wahrscheinlich vermessen, nun in aller Endgültigkeit über Bücher urteilen zu wollen, die man bisher nicht selbst gelesen hat. Für mich würde es sich wahrscheinlich zwischen Mirko Bonné und Terézia Mora entscheiden. Was ich bisher von Bonné gehört habe – inklusive der Leseprobe, die ich mir selbst zu Gemüte geführt habe – hat mich positiv beeindruckt. Und Terézia Mora war einfach ein sehr intensives Leseerlebnis, auch wenn es für mich Kritikpunkte gab.

Welchen Roman (aus der Longlist) vermissen Sie auf der Shortlist?

Ich vermisse Ralph Dutli und Jonas Lüscher. Beide habe ich sehr gern gelesen, Lüscher schon im Februar. Und sie gehören, meines Erachtens, zu den etwas zugänglicheren Romanen, die es nun völlig aus dem Rennen gejagt hat. Auch Thomas Glavinic vermisse ich, zu dem ich bisher ausnahmslos positive Stimmen vernommen habe.

Welchen Shortlist-Autoren würden Sie am liebsten kennen lernen wollen und warum? Was würden Sie diesen fragen wollen?

Die Antwort ist jetzt vermutlich überraschend, aber: Reinhard Jirgl. Als ich ihn bei Denis Scheck in der ‚Druckfrisch‘-Sendung sah, war er mir durchaus sympathisch und ich konnte gut verstehen, was die Intention hinter seinem nicht unumstrittenen Roman war. Viele bereits vorhandene Elemente gesellschaftlichen Zusmamenlebens zu nehmen und sie zu überzeichnen, ist eine interessante Ausgangslage. Ich würde ihn vermutlich fragen, wie wir gewissen Entwicklungen begegnen können, um genau die Zukunftsvision zu vermeiden, die Jirgl in ‚Nichts von euch auf Erden‘ entwirft. Wie sieht er sein Buch selbst?  Hält er sein Szenario selbst für möglich? Und wenn ja – wie können wir dagegen arbeiten? Jirgls Roman ist vermutlich der am schwersten verständliche, am wenigsten zugängliche und gefällige. Gerade das ist aber vielleicht das Interessanteste daran.

Welchen Shortlist-Roman schenken Sie Ihrer Schwiegermutter zu Weihnachten?

Vorausgesetzt ich hätte eine Schwiegermutter .. bekäme sie ‚Das Ungeheuer‘. In der Hoffnung, sie verstünde das nicht als unterschwellige Botschaft.

Welchen Roman wird die Jury Ihrer Meinung nach auswählen?

Nach meiner bisherigen Einschätzung wird es sich zwischen Jirgl und Meyer entscheiden. Aber ohne, dass ich das so richtig profund begründen könnte. Die Jury scheint eine Neigung für sehr literarische, herausfordernde und höchst artifizielle Texte zu haben, die der weniger geübte Leser nach wenigen Seiten beiseitelegt. Und das sehe ich am ehesten bei Reinhard Jirgl und Clemens Meyer gegeben.

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3 Gedanken zu “Gedanken zur Shortlist

  1. Uih, Das Ungeheuer für die Schwiegermutter – wie passend! 🙂
    Was du zu Jirgls Roman schreibst, finde ich sehr interessant. Leider fällt es mir vor lauter Verdruss über seine Sprache schwer, zu seiner inhaltlichen Botschaft durchzudringen. Den Ansatz, Kritik an unserer heutigen Gesellschaft zu üben, indem man eine nicht erstrebenswerte zukünftige Gesellschaft entwirft, ist klug, die Umsetzung funktioniert für mich allerdings nicht. Bald mehr dazu…

  2. Liebe Sophie,
    es stimmt ja wirklich – und Du beschreibst es so toll -, hier sind fast alles Titel gelistet, die man nicht im „feierabendlichen Licht der Leselampe verschlingt“. Es sind eher ganz zielgerichtet die schwer, bis kaum zugänglichen Titel gelistet worden. Das Lesepublikum wird sich freuen ;). Und was sagen die Buchhändler dazu?
    Viele Grüße, Claudia

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