Sabine Peters – Narrengarten


narrengartenSabine Peters ist eine deutsche Autorin. Sie studierte Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft und Philosophie. Seit 2004 lebt sie als freie Schriftstellerin in Hamburg. Sie erhielt bereits zahlreiche Preise und Stipendien, so z.B. den Ernst-Willner Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb sowie letztes Jahr den Georg-K.-Glaser-Preis. Narrengarten ist ihr mittlerweile siebtes Buch und erscheint im Wallstein Verlag.

Großstädte sind asphaltierte Abgründe. Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, einen kurzen Moment durch die Gedanken seiner Mitmenschen zu flanieren? Nicht durch die offensichtlichen, sondern die versteckten und verborgenen, durch die, die aus gutem Grund im Verborgenen stattfinden. Sabine Peters ermöglicht dem Leser mit Narrengarten genau solche Spaziergänge, Spaziergänge durch die Gefühls – und Gedankenwelten ganz normaler und alltäglicher Menschen.

Die Heimat gab es lange vor mir. Um sich ihr wieder zu nähern, könnte man in einem Bild vielleicht sagen, sie ging leicht gebeugt, ihr Gesicht war faltig. War sie alt? Auf jeden Fall hat sie viel gesehen. Und bestimmt war sie so, wie alle Heimaten sind, manchmal stur, engstirnig und verschlossen. Dann wieer öffnete sie unerwartet Türen zu ihren Kammern, Räumen, Ländereien, es gab immer Neues zu finden.

Alle Protagonisten bewegen sich im Großraum Hamburg, sind vielfach verflochten und verwebt miteinander wie ein alter und beständiger Teppich. Mal laufen sie zufällig auf der Straße aneinander vorbei, mal sind sie einander in anderer Weise, familiär, freundschaftlich, partnerschaftlich verbunden. Sie sind Bibliothekare, Psychotherapeuten, Pharmavertreter, alt und jung, verheiratet, ledig, obdachlos, krank oder einsam, auf der Suche nach einem Halt. Da ist die alte Frau Kaiser, deren Erinnerungen langsam verblassen, deren Augen den Geist schon aufgegeben haben. Trotzdem liegt auf ihrem Nachttisch noch immer ein Buch, selbst, wenn sie es längst schon nicht mehr lesen kann. Und sie denkt daran, wer sie einmal war, darüber nach, wer sie geworden ist.

Natürlich braucht ein alter Mensch noch Vorbilder! Man muss es lernen, die letzten Schritte zu gehen, muss das Sterben lernen, man kann doch nicht alles selbst erfinden. Auch wenn das letzte von selbst kommt.

Da ist Piet, ein erwachsener Mann noch immer in Angst vor seinem herrischen Vater –

Oben in der Dachstube kann er den Sturm vorüberziehen lassen. Er muss nichts tun als abwarten, es muss ihm nicht eng in der Kehle werden. Aber es ist ihm eng im Hals. Sein Herz schlägt darin. Es ist zu viel Herz im Hals.

Sabine Peters‘ Betrachtungen sind voll hintergründigen Witzes, voll Poesie, Offenheit und Authentizität. Ihr gelingt es, das Leben abzubilden, wie es für uns alle manchmal ist, in seiner Tragik und seiner Schönheit. Sie nähert sich großen Themen und Debatten, ohne jedoch aufdringlich den mahnenden Zeigefinger zu heben, ohne den Eindruck zu erwecken, sie nutze ihre Figuren bloß als Vehikel für eigene Ansichten. Narrengarten ist ein ganz zauberhaftes Buch, für das man sich Zeit nehmen muss, um es gebührend zu würdigen. Literarisch anspruchsvoll verwebt Sabine Peters die Lebensgeschichten der Menschen zu einem mannigfaltigen Potpourri, wie man es sich gern servieren lässt! Mal scharfzüngig, mal ganz leise und bedächtig erzählt sie uns von „Narren“, die vielleicht gar keine sind.

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