Omne ignotum pro magnifico!


Arthur Conan Doyle83 Jahre ist es heute her, dass der Schöpfer des größten Meisterdetektivs der literarischen Welt in Crowborough starb. Arthur Conan Doyle wurde 1859 in Edinburgh geboren und schlug, auf Geheiß seines Vaters, schon früh eine medizinische Laufbahn ein. 1880 reiste er als Schiffsarzt auf dem Walfänger Hope in die Arktis, später auf einem anderen Schiff nach Westafrika. Von 1882 bis 1890 führte er in Southsea bei Portsmouth eine eigene Praxis, verfasste jedoch in seiner Freizeit schon die ein oder andere Geschichte, so zum Beispiel seinen ersten Roman The Narrative of John Smith, der bis 2011 jedoch unvollendet und unveröffentlicht blieb.

1887 veröffentlichte er die erste Sherlock-Holmes-Geschichte – eine Studie in Scharlachrot, die neben einem Kriminalfall auch das erste Zusammentreffen zwischen Sherlock Holmes und dem Arzt und Kriegsveteranen John Watson schildert. Er erschuf Watson als Abbild seiner selbst, für die Rolle des genialen Logikers Holmes hatte er John Bell, seinen Lehrer an der Universität, im Auge. So sagen einige. Andere vertreten die Ansicht, Holmes und Watson seien zwei Seiten Conan Doyles, schließlich bedarf es auch als Arzt gewisser deduktiver Fähigkeiten. 1893 entschied sich Conan Doyle dazu, seinen Meisterdetektiv zu begraben. Er befand, dass das kriminalistische Genre eher zu den niederen Sparten der Literatur gehöre und ließ Sherlock Holmes gemeinsam mit seinem Erzfeind Professor Moriarty die Reichenbachfälle hinunterstürzen. Es gehört mittlerweile zu den größten Anekdoten der Literaturgeschichte, dass so einige Leser den Meisterdetektiv für real hielten und nach diesem Sturz Trauer trugen, andere schrieben böse Beschwerdebriefe. Und so kam es, dass Sherlock Holmes auferstand.

Illustration von Sidney Paget

Illustration von Sidney Paget

Bis heute erfreut er sich, wie es scheint, bester Gesundheit. Ja, man kann sogar von einem kleinen Revival sprechen. 2011 veröffentlichte Anthony Horowitz „Das Geheimnis des weißen Bandes“ und bewies damit eindrucksvoll, dass man auch heute noch die Atmosphäre des viktorianischen Londons bravourös mit einem überraschend aktuell anmutenden Kriminalfall verweben kann. Im Bereich des Jugendbuchs gibt es schon länger die Reihe ‚Young Sherlock Holmes‚ von Andrew Lane, die sich mit der Kindheit und Jugend des Genies beschäftigt. Ob das funktioniert oder nicht, sei mal dahingestellt. Sherlock Holmes ist beileibe keine sympathische Figur und Jeremy Brett, der ihn lange in der Granada TV Serie verkörperte, sagte einmal: „I wouldn’t cross the road to meet him.“ Holmes ist nicht nur drogenabhängig, sondern bisweilen auch unerträglich arrogant und oftmals fern aller sozialen Normen. Manchmal spricht er tagelang kein Wort, dann wieder wirft er seinem Chronisten vor, der würde sich in seinen Geschichten viel zu sehr auf die Sensationen, statt auf seine tatsächliche detektivische Arbeit konzentrieren. Hat er keinen Fall, der ihn fordert, wird er nahezu unausstehlich. Es gibt mittlerweile vermutlich drei Gesichter, die wir nachhaltig mit der Figur des Sherlock Holmes verbinden und jeder hat wohl seine eigene Meinung darüber, welche am ehesten den Charakter des Detektivs trifft.

JeremyBrettJeremy Brett wird vermutlich für mich dauerhaft das Gesicht sein, das ich mit Sherlock Holmes verbinde. Die vornehme und distinguierte Art des Spiels hat mich von Anfang an beeindruckt. Den Puristen und Nostalgikern dürfte Basil Rathbone noch am ehesten als Sherlock Holmes in Erinnerung sein.

Basil RathboneEr war der erste, der wirklich nachhaltig mit Sherlock Holmes verbunden wurde, der ihn belebte und zwischen den Buchdeckeln heraus auf den heimischen Fernsehschirm brachte. Ließe man sämtliche Sherlock-Holmes-Darsteller der letzten Jahrzehnte gegeneinander antreten, würde es sich vermutlich zwischen diesen beiden entscheiden. Doch gerade in den letzten Jahren hat sich noch jemand zu dieser Runde gesellt, der mit seiner Darstellung gewissermaßen einen Überraschungserfolg gelandet hat. Benedict Cumberbatch, der in der modernen BBC-Umsetzung des doylschen Stoffes den Detektiv verkörpert.

SHERLOCKWen auch immer man favorisiert, Sherlock Holmes Anziehungskraft und Erfolg bleibt auch heute ungebrochen, die Faszination für das klassische Who dunit? ist noch nicht ganz ausgestorben, sie erlebt gewissermaßen eine kleine Renaissance. Conan Doyle hat, trotzdem er auch noch andere Geschichten als die um Sherlock Holmes und Watson schrieb, eine literarische Figur geschaffen, die die Zeit überdauert. 1887 schrieb er seine erste Sherlock-Holmes-Geschichte, 2013 kennt man sie noch immer. Wer Zeit und Muße hat, dem empfehle ich, einige Sherlock-Holmes-Geschichten zu lesen und sich ein bisschen in dieses Universum zu versenken. JuneAutumn von 1001 Bücher hat es kürzlich getan und eine Rezension dazu verfasst. Denken wir heute einen Moment an Arthur Conan Doyle, an Sherlock Holmes und Dr. Watson.

My name is Sherlock Holmes. It is my business to know what other people don’t know.

– Sherlock Holmes („The Blue Carbuncle“)

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