Die Sache mit Onkel Tom


beecher stowe

Harriet Beecher-Stowe

Heute vor 117 Jahren starb die amerikanische Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe. Trotzdem Beecher-Stowe nahezu zwanzig Romane und gelegentlich religiöse Lyrik verfasste, ist und bleibt Onkel Toms Hütte doch ihr bekanntestes Werk. Vermutlich, weil es zu damaliger Zeit geradezu skandalös, aus heutiger Sicht aber erschreckend lau in seinen vertretenen Ansicht ist.

Harriet Beecher-Stowe wurde als siebtes von dreizehn Kindern eines presbyterianischen Theologen in Litchfield, Connecticut geboten. Sie trat früh als Lehrerin in die von ihrer Schwester gegründete Mädchenschule ein und mit 21 Jahren, nun allerdings in Cincinnati, dem Semi-Colon-Club bei, sowas wie einem Verein für junge und talentierte Autoren. Beecher-Stowe schrieb nicht nur in der Annehmlichkeit ihres Schreibtisches über Sklaverei, mit ihrem Mann, der ebenfalls erklärter Gegner der Sklaverei war, besuchte sie Pflanzungen im Süden und Sklavenmärkte in New Orleans. Aus ihren gesammelten Eindrücken entstand Onkel Toms Hütte, vermutlich das Werk über die Sklaverei in den Südstaaten Amerikas. Wenigstens das, was man heute meistens parat hat, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Beecher-Stowes Roman über den guten Onkel Tom, der all das Elend, das ihm widerfährt, mit nahezu stoischer Gelassenheit und Schicksalsergebenheit erträgt, erreichte damals ein Millionenpublikum. Er hatte sogar, so sagt man, Einfluss auf den gesellschaftlichen und politischen Diskurs hinsichtlich der Sklaverei. Bereits im ersten Jahr seines Erscheinens wurden rund 300.000 Exemplare verkauft, besonders während des Sezessionskrieges zwischen Nord – und Südstaaten erwies sich Onkel Toms Hütte als deutlicher Appell gegen die Sklaverei, ebnete gewissermaßen den Abolitionisten den Weg. Wie viel Beecher-Stowes Roman nun wirklich mit der Abschaffung der Sklaverei zu tun hatte, wird heute nicht mehr zu klären sein, einen kleinen Beitrag aber dürfte sie mithin wohl geleistet haben.

Es bleibt allerdings bis heute Gegenstand zahlreicher Diskussionen über diesen Roman, wie das Verhalten Onkel Toms einzuschätzen ist. Denn er begehrt mitnichten auf gegen seine unmenschliche Behandlung, nicht einmal wird er ausfallend, nicht einmal versucht er, zu fliehen. Onkel Tom erträgt, ist stets gut und ehrlich und redlich. Das mag unter manchen Umständen womöglich die klügere Strategie sein, hat ihm als Protagonist allerdings den unangenehmen Beigeschmack des Duckmäuserischen und Hörigen verschafft, den man heute mitunter wahrnimmt, wenn von Onkel Tom die Rede ist. In Deutschland sieht man das nicht so verkniffen, ja, man benannte sogar einen U-Bahnhof und eine Siedlung nach Beecher-Stowes Roman. Bleibt am Ende vielleicht noch eine Frage für uns heute: Aufbegehren oder aushalten?

OnkelTomsHütteAuch andere Autoren befassten sich nach Beecher-Stowe mit dem Thema „Sklaverei“. So zum Beispiel Alex Haley in seinem Roman „Roots„, Isabel Allende in „Die Insel unter dem Meer“ oder Toni Morrison in „Gnade„.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Sache mit Onkel Tom

  1. manchmal hilft so eine darstellung beim erkennen von fehlverhalten. b-s wollte ja sicher nicht, dass ihre leser es einfach runterlesen und sagen „was für ein schönes buch!“, sondern dass man nachdenkt. dass man aus den fehlern der hauptfigur lernt und ein bestehendes (gesellschafts-)system als falsch erkennt, obwohl oder gerade weil es doch funktioniert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s