Buchhandlung Langenkamp in Lübeck


Nachdem so einige vor mir ihre Lieblingsbuchhandlungen präsentiert haben, will ich mich heute mal selbst einmischen und meine vorstellen.

Langenkamp

Die Buchhandlung Langenkamp – im Übrigen längst nicht mehr betrieben von Langenkamps, auch wenn der ein oder andere Anrufer noch immer entschieden Herrn oder Frau Langenkamp verlangt – liegt ein bisschen abgeschlagen unweit der Lübecker Fußgängerzone. Gegenüber des Lübecker Theaters wird sie gewissermaßen eingerahmt von einem Café und Ex-Bertelsmann-zeilenreich. So ist es auch keine Seltenheit, dass desorientierte Kunden in den kleinen Laden stürmen und mit ihren Kundenkarten wedeln, bis ihnen bewusst wird, dass sie sich in der Tür geirrt haben. Für manch einen könnte das allerdings auch zum Erweckungserlebnis werden, zu einem Irrtum, für den sie irgendwann einmal dankbar sein könnten.

Die Buchhandlung Langenkamp ist schon seit über drei Jahren mein steter Anlaufplatz auf der Suche nach besonderen Büchern oder einer zünftigen Tasse schwarzen Tees. Bevor ich meine Ausbildung begonnen habe, war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Eine Buchhandlung sollte es schon sein, aber mehr etwas Kleines, zum Ausprobieren. Frau Gewin-Bock, seit nunmehr über zehn Jahren Inhaberin der Buchhandlung Langenkamp, war damals so freundlich, mir dieses Sprungbrett in die Buchbranche in dieser ihrer Buchhandlung aufzustellen, worüber ich heute noch sehr glücklich bin.

SpeziellesÜber ein halbes Jahr durfte ich dort meine ersten Erfahrungen im Buchhandel sammeln. Und so kenne ich die Buchhandlung nicht nur aus Kundensicht, sondern auch von „innen“. Sie ist nicht groß, die Buchhandlung Langenkamp, jedenfalls nicht, wenn sich Größe ausschließlich durch eine gewisse Quadratmeterzahl definiert. Das hat sie aber auch gar nicht nötig, denn sie punktet mit ganz anderen Qualitäten. Frau Gewin-Bock hat, in Bezug auf ihre Kunden, ein bemerkenswertes Elefantengedächtnis. Der Berliner würde vielleicht sagen, „sie kennt ihre Pappenheimer“ und er würde das sehr liebevoll meinen. Und das nicht nur namentlich, sondern auch geschmacklich. Sie weiß genau, was ihre Kunden gern lesen und wofür sie sich interessieren – und sie scheut in der Regel auch keine Kosten und Mühen, um ein bestimmtes Buch heranzuschaffen.

Trotzdem ich nun seit 2011 selbst im Buchhandel arbeite, entdecke ich bei ihr immer wieder besondere und ausgefallene Bücher, die ich andernfalls vermutlich nie bemerkt hätte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele kleine Schätze auf so wenig Fläche mit dem einen oder anderen Verkaufsschlager in friedlicher Koexistenz zusammenstehen können. Frau Gewin-Bock engagiert sich desweiteren auch bei vielen Aktionen in der Stadt und bringt eigene Ideen ein. So ist es beispielsweise um die Weihnachtszeit Sitte, mit einer Schule in einem der sozial schwächeren Stadtteile Lübecks zusammenzuarbeiten. Die Kinder schreiben Wunschzettel und Frau Gewin-Bock ermöglicht den Kindern – mit Unterstützung ihrer Kunden, die sich aus dem passend dazu dekorierten Schaufenster ein Buch aussuchen können, das sie dem jeweiligen Kind zu Weihnachten „spenden“ – ihre Lektüre.

Man bemerkt, dass Frau Gewin-Bock ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt. Das allein ist heute, so bedauerlich es erscheint, ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal. Wer gern in seinem Beruf arbeitet, wird das ausstrahlen – und genau das ist hier der Fall. Die Buchhandlung Langenkamp bietet ein ansprechendes Gemisch aus belletristischen Titeln, Sachbüchern, einem kleinen Hörbuchsortiment, Reiseführern und Kinder – und Jugendbüchern. Und ich bin überzeugt: Wenn es jemand schaffen würde, mir allein durch sein Angebot Kinder – und Jugendliteratur näherzubringen, wäre es Frau Gewin-Bock. Und da ich ja praktisch wöchentlich über die Schwelle in diesen Laden trete, habe ich mal nachgefragt, was eigentlich das Schöne, das Bewahrenswerte an der Arbeit in kleinen Buchhandlungen ist:

Warum bin ich (noch) immer gerne BUCHhändlerin?

Weil ich gerbe (meist) netten Menschen Bücher empfehle, die auch mir Spaß machen (daher finden sich nicht unbedingt die Bestseller von diversen Listen in meinem Laden). Weil ich gerne in meinem kleinen, überschaubaren Laden arbeite und jedes Buch fast „persönlich“ kenne. (angefangen bei der Verlagsvorschau, reinlesen, Bestellung, auspacken und wegräumen und dann dem richtigen Leser empfehlen). Weil ich versuche, den Begriff der „Sortimenterin“ noch auszuüben, d.g. ich suche aus der riesigen Auswahl der Neuerscheinungen mit Blick auf meine Kunden die Bücher aus, die zu meinen Lesern passen. Weil ich es toll finde, in den Verlagsvorschauen zu stöbern und eine Vorauswahl zu treffen, dabei lege ich besonderen Wert auf kleine und unabhängige Verlage.

Kurz und knackig:

Ich brauche noch immer die RICHTIGEN Bücher und die RICHTIGEN Leser, obwohl alles im Umbruch ist und es einem von allen Seiten immer schwerer gemacht wird (Leser wandern nach Amazonien und Verlage beachten die kleinen Buchhandlungen nicht mehr). Trotz allem liebe ich meinen Beruf als Berufung und hoffe, dass er allen Unkenrufen zum Trotz nicht aussterben wird!

Da hoffen wir mit. Und ich hoffe – wer auch immer von euch mal einen Abstecher nach Lübeck macht, wird nicht nur einen Großeinkauf Niederegger Marzipan tätigen und das Holstentor bestaunen, sondern auch mal in diese kleine Buchhandlung einkehren. Es lohnt sich! Und wer nicht gerade in Lübeck wohnt, kann über die Homepage ein bisschen stöbern.
Kennt ihr auch eine kleine Buchhandlung, die hier vorgestellt werden sollte? Gehört euch eine und ihr wollt hier auftauchen? Dann bitte einen Vorstellungstext und Fotos an literatourismus@gmx.de!
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2 Gedanken zu “Buchhandlung Langenkamp in Lübeck

  1. Einen sehr schönen Ort beschreibst du da;-) Ich denke auch, dass es mit Berufung zu tun hat, das spürt man einfach. Und jedes Buch ist auch für ganz bestimmte Leser geeignet, man muss ein Gespür dafür haben, was zu wem passt. Jetzt werde ich mir jedenfalls mal ernsthaft überlegen, wann und wie ich meinen eigenen Lieblingsbuchladen vorstelle.

    • Danke Dir. 😉 Und ich würde mich freuen, wenn du auch deinen Lieblingsbuchladen vorstellst. Im Moment ist es eher ruhig geworden um diese Aktion – will sagen, mir gehen die Buchhandlungen aus.

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