Marie Pohl – Geisterreise


Marie Pohl ist eine deutsche Autorin, Sängerin und Schauspielerin. Sie wuchs in New York auf, studierte in Madrid und lebt heute in Berlin und New York. In ihrer Tätigkeit als Autorin interviewte sie den Regisseur David Lynch. Schon für ihr erstes Buch, Maries Reise, besuchte sie viele verschiedene Orte, so unter anderem San Francisco, Helsinki & Jerusalem. Auch für Geisterreise nahm sie weite Strecken in Kauf.

Ich bin tatsächlich etwas unschlüssig wie ich dieses Buch hier besprechen soll. Zunächst einmal handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um eine Art Reisebericht. Marie Pohl erzählt Geschichten aus Kuba, Mexiko, Amerika, Irland und Bali, die sich auch tatsächlich so zugetragen haben. Immer geht es um Spiritualität und Geister, denn Marie reist nicht grundlos. Sie möchte einen Geist sehen oder wenigstens herausfinden, wie man sich die notwendigen Fähigkeiten aneignet.

Nach Kuba brachte sie eigentlich die Liebe. Und doch ist es auch der Beginn ihrer Reise. Sie nimmt dort teil am Ritual einer Santería-Priesterin. Die sagt ihr während der Zeremonie, in deren Zuge mehrere Geister in die Priesterin fahren, sie solle nach der Afrikanischen Königin suchen. Wer die ist oder wo Marie nach ihr suchen soll, beantwortet die Priesterin freilich nicht. Nach der mysteriösen Königin ist dann auch das erste Kapitel benannt.

Es folgen mehr oder weniger geisterhafte Episoden, in denen Marie einen afrikanischen Fetischpriester besucht, ein altes irisches Haus an den Mann bringen soll, in dem es mehr oder weniger irdisch spukt, auf einen Vulkan steigt, amerikanische Geisterjäger begleitet, ein Interview mit einem Zauberer führt, der seine Meinung zur Magie darlegt und sie auf Bali, an einem seltsamen Fieber erkrankt, beinahe stirbt. Es ist gut geschrieben und vermittelt einen sehr tiefen Eindruck in eine Glaubensphilosophie, die uns in der westlichen Welt ziemlich fremd erscheint. Oder erscheinen muss.

Gerade wenn es um afrikanische Opferriten geht, ist man als Unkundiger vermutlich verständlichermaßen irritiert. Und möglicherweise liegt es in meiner Skepsis gegenüber allem Spirituellen begründet, dass ich Schwierigkeiten hatte, einen Zugang zu diesen Geschichten zu finden. Ich bin nicht grundsätzlich desinteressiert gegenüber anderen Kulturen, vielleicht bin ich aber grundsätzlich zu westlich & rational geprägt, um tatsächlich den Zauber zu empfinden, der in diesen Ereignissen liegt. Möglicherweise geht es dem einen oder anderen anders. Deshalb möchte ich auch kein eindeutiges Urteil fällen.

Positiv zu beurteilen ist sicherlich, dass keiner Episode dieser Geschmack der Missonarsarbeit anhaftet, keine blinde Überzeugung. Was mir bei Coelho sehr negativ aufgefallen ist, fehlt hier vollkommen, weshalb es vielleicht auch für die geeignet ist, die zwar wenig  Interesse für Geisterglauben im Speziellen, aber für kulturellen Differenzen im Allgemeinen aufbringen können. Und so kann man dieses Buch auch als glaubensphilosphische Auseinandersetzung begreifen, die uns so manche Überzeugung hinterfragen lässt. Marie Pohl hat hier ein ganz faszinierendes Interview gegeben, für alle die, die Interesse daran haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s