C. J. Daugherty – Night School [Band 1]


C.J. Daugherty ist eine amerikanische Autorin. Bevor sie sich dem Schreiben von Romanen widmete, arbeitete sie u.a. als Gerichtsreporterin, Journalistin und Redakteurin. Gemeinsam mit ihrem Mann veröffentlichte sie auch Reiseführer. Night School ist ihr Debüt im deutschsprachigen Raum.

Das Einzige, was mich zunächst an Night School angesprochen hat, war die Versicherung, es handle sich um ein garantiert vampirfreies Jugendbuch. Sollte es da tatsächlich mal jemand geschafft haben, vom dem immer langsamer vor sich hin tuckernden Glitzerzug der Bellas und Edwards abzuspringen und etwas ganz Anderes zu versuchen? Ja! Darüber, ob der Sprung geglückt ist, kann man geteilter Meinung sein, aber tatsächlich kommt dieses Buch vollkommen ohne Vampire, Zauberkraft, Elfen, Hexen und Trolle aus. Und man vermisst sie auch nicht.

Alyson Sheridan ist ein ziemliches Problemkind. Gleich zu Beginn der Geschichte erwischen wir sie dabei, wie sie Unflätigkeiten an die Tür ihrer Rektorin sprayt und vor der Polizei flüchtet. Ihr Versuch, sich in einer kleinen Kammer zu verstecken, um der Polizei zu entwischen, schlägt gnadenlos fehl, als sie in dem dunklen Raum eine Panikattacke erleidet und vollkommen außer sich gegen die Tür hämmert. Ihre Eltern erleben sowas mit ihrer Tochter nicht zum ersten Mal, seit ihr Bruder Christopher einfach verschwunden ist und so entschließen sie sich, ihr Rebellenkind auf das Cimmeria-Internat zu schicken. Angeblich auf Empfehlung eines der Polizisten, die ihre Tochter am Abend zuvor aus der Schule geleitet hatten.

Ihre Eltern wollen weder jemals zuvor etwas von der Schule gehört haben noch wissen, wo genau sie eigentlich liegt. Es wird eine Fahrt ins Ungewisse. Dort angekommen, sieht sich Allie zunächst einmal mit einer Fülle von Schulregeln und einem seltsam lockeren Umgang der Lehrer mit ihren Schülern konfrontiert, den sie nicht einschätzen kann. Sie braucht Stunden, um sich durch all die Unterlagen zu arbeiten, die man ihr zu ihrer Ankunft bereitgelegt hat und muss sich darüber hinaus auch daran gewöhnen, eine Schuluniform zu tragen.

Trotz aller Widrigkeiten schließt sie schnell Freundschaft mit einem strohblonden Mädchen namens Jo und verguckt sich in Sylvain, einen offenbar sehr beliebten und begehrten Jungen mit französischem Akzent. Nachdem sie sich eingewöhnt hat, beginnt es ihr sogar schon nach kurzer Zeit richtig gut zu gefallen,  bis plötzlich unerklärliche und seltsame Dinge passieren. Allie beginnt daran zu zweifeln, ob sie Sylvain vertrauen kann, denn ein anderer Schüler namens Carter warnt sie fortwährend vor ihm. Das alles gipfelt in einem Brandanschlag beim alljährlichen Sommerball, bei dem auch eine Mitschülerin auf sehr seltsame Weise den Tod findet.

Allie beginnt langsam zu begreifen, dass sie sich nicht in einer ganz normalen Schule mit gewöhnlichen Schülern befindet, sondern in einer Art Eliteakademie. Viele Schüler gehören bereits zum Schuladel, weil schon ihre Eltern und deren Eltern die Schule besuchten und heute in hohen gesellschaftlichen Posten arbeiten. Bei Sicherheitsfirmen, in der Regierung, in der Wirtschaft. Wie passt Allie da hinein? Soweit sie weiß, haben ihre Eltern niemals in besonderen Positionen gearbeitet. Außerdem haben die ihr doch versichert, sie hätten nie von der Schule gehört. Im ersten Buch dieser Reihe ist der Untertitel – „Du darfst keinem trauen.“ – Programm.

Der Leser wird, wie Allie, immer wieder verunsichert und von den Wendungen überrascht. Protagonisten, die man für zuverlässig hielt, entpuppen sich plötzlich als Sonderlinge mit höchst absurden und bösartigen Absichten und merkwürdige Eigenbrötler werden zu Allies einzigen Vertrauten im Kampf gegen – ja, was eigentlich? Einen Fiesling namens Nathaniel, der die Leitung der Schule übernehmen will. Wer er ist, erfahren wir nicht. Und warum, wird allenfalls angedeutet. Mit dem Führungsstil der jetzigen Leiterin sei er nicht einverstanden, heißt es. Und so verübt er Brand – und Mordanschläge, um das, was er nicht haben kann, zu zerstören. Ob er sich damit für eine Führungsposition in der Schule qualifiziert, bleibt fraglich.

Vielleicht haftet es allen Romanen, die in seltsamen und besonderen Schulen spielen, an, dass man unweigerlich an Hogwarts denken muss. Auch, wenn hier nicht ein einziges Mal gezaubert wird, schwingt doch dieses Gefühl immer mit. Auch Allie scheint eine ganz besondere Schülerin mit besonderer Abstammung zu sein – von der sie nur nichts weiß. Insofern klingt auch hier wieder das Potterthema an. Problembeladener Jugendlicher entdeckt, dass er bisher von seiner Familie belogen wurde und eigentlich ein ganz anderer ist. Besonderer als andere. Mit Privilegien. Und das bringt mich noch zu einem kurzen Kommentar hinsichtlich des Titels: Selbstredend wird auch in Cimmeria bei Tage unterrichtet. Bloß gibt es eine Art Geheimtrupp innerhalb der Schülerschaft. Die Nightschool. Besondere Schüler werden ausgewählt, dieser Truppe beizutreten, Kampfübungen zu machen, durch die Schule zu patroullieren und sich darauf gefasst zu machen, einmal wie ihre Eltern einen Haufen Kohle zu verdienen. Erste Regel: Man spricht nicht über die Nightschool.

Abschließend lässt sich sagen: Wer eine realistische Geschichte sucht, ist mit Nightschool vermutlich falsch beraten. Allerdings kann man nicht leugnen, dass es ein Thema aufgreift, was im Jugendbuchsektor bisher wenigstens noch nicht völlig erschöpfend durchgenudelt wurde – Verschwörung! Und eine ganz normale Jugendliche, mit der man sich identifizieren kann, mittendrin! Es liest sich spannend und Frau Daugherty schafft es unbestritten, diese Spannung auch zu halten. Für alle, die langsam auch etwas fantasy-übersättigt sind, bietet sich hier eine ganz interessante und kurzweilige Perspektive. Reinschauen schadet nicht!

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3 Gedanken zu “C. J. Daugherty – Night School [Band 1]

  1. Hallo! Ich habe mir das Buch nachdem ich deine Rezi gelesen hab gleich gekauft. Ich fand es schon ziemlich spannend und das all diese merkwürdigen Dinge mit durch zauberhand geschejen, fand ich besonders aufregend. Denn hier ist einhach nur der Mensch am Werk…

  2. Ich habe schon sehr viel über das Buch in verschiedenen Foren gelesen und bin deshalb in die Buchhandlung meines Vertrauens, um mir das Buch zu kaufen. das Civer hat mich direkt angesprochen und dementsprechend habe ich mich zu hause direkt ans Lesen gemacht- Ein fataler Fehler, denn ich konnte leider nicht mehr aufhören !!!!

    Die Geschichte ist wunderbar authentisch geschrieben, und zieht einen sofort in seinen Bann. Durch mysteriöse Umstände, Verstrickungen, Lügen und Intrigen schafft es die Autorin die Spannung immer aufrecht zu erhalten- ganz ohne Monster, Vampire oder ähnliches. Trotzdem geht es in dem Buch auch viel um Freundschaft, Liebe und natürlich der Frage, „Was hat es mit der NIght School auf sich?“ Ein wirklich gelungener Start der Buchreihe!!!

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