Baum/Shanower/Young – Der Zauberer von Oz


Lyman Frank Baum (1856-1919) war ein amerikanischer Schriftsteller.  Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf und nachdem man ihm zum fünfzehnten Geburtstag eine Druckerpresse geschenkt hatte, war sein Interesse am Schreiben geweckt. Er arbeitete im Theater, für Zeitungen und Zeitschriften, stellte Schmieröl her, leitete zeitweilig ein Warenhaus und betätigte sich als Hühnerfarmer. Er hatte seinen eigenen Kindern stets gern Gute-Nacht-Geschichten erzählt und beschloss, auch Geschichten für andere Kinder zu schreiben. 1900 erschien The Wonderful Wizard of Oz. Es wurde quasi über Nacht ein Erfolg und kurz darauf als Musicalversion adaptiert.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte der kleinen Dorothy, die auf wundersame Weise ins Lande Oz katapultiert wird? Wer denkt nicht an Judy Garland und die zuckersüße Melodie von Somewhere over the rainbow? Diese Geschichte ist Kulturgut, obwohl die wenigsten den Originaltext jemals gelesen haben.  Die hier vorliegende Comicadaption kann und will natürlich auch nicht von sich behaupten, den Originaltext widerzugeben, aber sie hat sich, wie man dem Vorwort entnehmen kann, strikt an den ungekürzten Versionen orientiert.

Dorothy wächst bei ihrer Tante Em und ihrem Onkel Henry, einem Farmer auf. Eines Tages zieht plötzlich ein Wirbelsturm durch Kansas, reißt das Farmhaus in die Luft und wirbelt es stundenlang in gefährlichen Höhen herum. Dennoch gelingt es Dorothy, mit ihrem Hündchen Toto im Arm, einzuschlafen und als sie wieder erwacht, findet sie sich bei beruhigterem Wetter in einer Umgebung wieder, die ihr vollkommen fremd ist.  Um sie herum stehen Fremde, die sie dafür beglückwünschen, die böse Hexe des Ostens getötet zu haben. Zunächst ist das Mädchen völlig verwirrt, bis sie feststellt, dass ihr Farmhaus ganz offensichtlich auf der Hexe gelandet ist. Sie wird als Zauberin gefeiert und die gute Hexe des Nordens küsst sie auf die Stirn.

Dorothy will aber viel lieber so schnell wie möglich zurück nach Kansas und so schickt die Hexe sie zur Smaragdstadt, in der der große Zaubrere Oz regiert. Er ist der mächtigste aller Zauberer und wird ihr sicherlich sagen können, wie sie zu ihrer Tante und ihrem Onkel zurückkehren kann.  Sie solle einfach der goldenen Straße folgen. Sie kommt durch die Stadt der Munchkins und trifft nach kurzer Zeit auf eine Vogelscheue, die sich nichts sehnlicher wünscht als Verstand statt Stroh im Kopf.

Die Vogelscheuche schließt sich Dorothy an, denn wenn Oz ihr helfen kann, zurück nach Kansas zu gelangen, kann er ihr vielleicht auch Verstand geben. Kurze Zeit darauf stößt der Blechmann hinzu, der sich ein Herz wünscht, um seine alte Liebe zu heiraten und als letztes schließt sich der Löwe an, der vor allem furchtbare Angst hat und endlich seiner Rolle als König der Tiere gerecht werden will. So wandern sie zusammen zur Smaragdstadt und werden von Oz bitter enttäuscht. Er befiehlt ihnen, in immer unterschiedlicher Gestalt, zuerst die böse Hexe des Westens zu töten, bevor er ihnen irgendeinen ihrer Wünsch erfüllt.

Diese Comicadaption erhielt zweimal den Eisner Award und das vollkommen zurecht! Von außen mag es zunächst kitschig aussehen, aber es lohnt sich, einen Blick zwischen die Buchdeckel zu werfen. Der Zauberer von Oz ist soviel mehr als ein Märchen für Kinder, die Geschichte steckt voller kluger Gedanken, die man vielleicht erst als Erwachsener völlig erfassen kann – und die hier in tollen Illustrationen eingefangen sind. So stellt sich auf der Reise immer wieder heraus, dass die Vogelscheuche durchaus nicht ohne Verstand ist, der Blechmann nicht ohne Herz und der Löwe nicht ohne Mut, dass sie alle zusammen als Gruppe die Schwierigkeiten der Reise bewältigen – und dass es am Ende nicht um Verstand, ein Herz oder Mut geht, sondern um den Glauben an sich selbst.

Es scheint mir, dass der Körper nur eine Maschine ist, die der Verstand steuert. Und diejenigen, die keinen Verstand haben, laufen Gefahr, von anderen gesteuert zu werden. Aber vielleicht täusche ich mich. Ich bin ja nur eine Vogelscheuche. 

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