Chandrahas Choudhury – Der kleine König von Bombay


Chandrahas Choudhury ist ein indischer Schriftsteller. Er studierte in Delhi und Cambridge und lebt heute in Bombay. Er arbeitet für den Observer, die New York Times Books Review und den Sunday Telegraph als Kritiker. Das hier besprochene Buch ist sein Debütroman.

Selten bin ich bisher mit indischer Literatur in Berührung gekommen. Der kleine König von Bombay  ist daher für mich auch ein besonderes Werk, da es mir eine Welt eröffnet, die mir fast ein bisschen fremd erscheint. Choudhury schrieb, dass man zum Schreiben Leidenschaft brauche und die hat er zweifellos in dieses Buch gesteckt.

 Zum Inhalt:

Arzee ist kleinwüchsig. (Deshalb auch der Originaltitel Arzee, the Dwarf)

Er ist es gewohnt, dass sich die Menschen über ihn lustig machen und ihn seiner Größe wegen erst gar nicht wahrnehmen. Jeden Morgen trifft er sich mit seinen Freunden zum Kartenspielen, nachmittags geht er ins Noor. Im Noor, ein altes und traditionsreiches Lichtspielhaus mitten in Bombay, arbeitet Arzee als Filmvorführer. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis er erfährt, dass sein Kollege Phiroz in Rente gehen wird. Arzee ist fest überzeugt, dass er dessen Platz einnehmen wird und kündigt das großspurig bei seinen Freunden an. Lange schon hat er Wettschulden und wird von einem Eintreiber namens Deepak regelmäßig verfolgt. Er hofft, nun endlich seine Schulden begleichen und seine Mutter stolz machen zu können.

Doch es kommt ganz anders. Arzee soll nicht etwa Phiroz Nachfolge übernehmen, nein, das Lichtspielhaus soll schließen.  Warum, wird im ganzen Buch nicht wirklich klar. Ob das Geld fehlt oder dem Leiter die Lust, bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Für Arzee bricht eine Welt zusammen. Und in diesem Zusammenbruch, der durch die Zerstörung seiner Hoffnungen noch angetrieben wird, erfahren wir von Monique.

Monique war seine Partnerin, seine Geliebte, bis zu dem Zeitpunkt, als Arzee vor ihrer Haustür stand und von ihrem cholerischen Vater eine Ohrfeige bekam. Im Affekt schlug Arzee zurück und seit diesem Moment hat er Monique niemals wiedergesehen. Sie hatte mit ihrem Vater die Stadt verlassen und lebte nun in Goa. Noch immer hat Arzee seiner Mutter nicht erzählt, dass er seine Anstellung im Kino verlieren wird, er hält sich mit einem Gelegenheitsjob über Wasser, den ihm Deepak verschafft hat. Doch eines Tages erfährt seine Mutter, was Arzee ihr solange verheimlicht hat und das ist auch der Moment, in dem Arzee das Geheimnis seiner Herkunft enthüllt wird. Denn nicht nur er hat etwas verschwiegen.

Ich mochte das Buch, wenn ich auch erst am Ende Mitgefühl für unseren kleinen Arzee aufbringen konnte, der ohne Zweifel über sich hinauswächst. Es liest sich flüssig und beleuchtet viele Aspekte der indischen Gesellschaft. Beispielsweise ist es in Indien offensichtlich noch immer ein entscheidender Faktor, welcher Religion ein potentieller Partner angehört, ist es noch immer problematisch, wenn sich dahingehend „Mischehen“ ergeben. Man lernt ein paar indische Gerichte kennen, wenn man sich nicht schon vorher für die indische Küche begeistert hat. Es ist ein interessanter Roman, der sich sicherlich anzusehen lohnt.

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