Kathryn Stockett – Gute Geister


 

Kathryn Stockett ist eine amerikanische Schriftstellerin. Stockett wuchs in Jackson, Mississippi unter der Obhut eines schwarzen Dienstmädchens auf, weil ihre Mutter die Familie verlassen hatte. Sie machte ihren Abschluss in Englisch und Kreativem Schreiben. Ihr Debütroman Gute Geister wurde kürzlich unter dem Titel „The Help“ verfilmt und gewann sowohl einen Golden Globe als auch einen Oscar.

Jackson, Mississippi, 1962. Die Rassentrennung ist Normalität. Noch lebt John F. Kennedy und auch Martin Luther King hat seine I have a dream-Rede noch nicht gehalten. Für die schwarze Hausangestellte Aibileen und ihre beste Freundin Minny ist es Normalität, die weißen Frauen zu bedienen und sich um ihre Kinder zu kümmern, – oftmals mehr und liebevoller, als es die Mütter könnten. Jede Woche findet ein Bridgekränzchen  statt, während dem die Damen den neuesten Klatsch und Tratsch austauschen. Das neueste Thema der Wahl ist die Trennung von Weißen – und Farbigentoiletten. Schwarze trügen doch ganz andere Keime und Krankheiten in sich, man könne es unmöglich verantworten, mit diesen Menschen eine Toilette zu teilen.

Aibileens Chefin Elizabeth Leefolt hat zwar ein kleines Kind, die zweijährige Mae Mobly, aber sie ist vollkommen unfähig, sich um das Kind zu kümmern. Viel mehr ist sie irritiert oder verstört und überlässt so Aibileen den Großteil der Erziehungsarbeit – und vorallendingen den Großteil der emotionalen Fürsorge. Hilly Holbrook,  die Rädelsführerin des Bridgekränzchens und Initiatorin zahlreicher kommunaler Veranstaltungen, setzt sich am leidenschaftlichsten für die neuen Sanitäranlagen ein.  Jedes Jahr sammelt sie bei einem Wohltätigkeitsball Geld für hungernde Kinder in Afrika, während sie die schwarze Bevölkerung um sich herum genauso herabwürdigt, wie es die gesellschaftliche Stimmung der Zeit verlangte.

Einzig und allein die vierundzwanzigjährige Eugenia „Skeeter“ Phelan unterscheidet sich von  ihren geschwätzigen Freundinnen. Sie versucht nicht nur, normal mit den Dienstmädchen umzugehen und sich für ihre Belange zu interessieren, sie entscheidet, dass sich an den herrschenden Verhältnissen etwas ändern muss. Zuerst verdingt sie sich als Schreiberin der wöchentlichen Miss Myrna Haushaltskolumnen, doch eigentlich träumt sie von einem Buch über die schwarzen Dienstmädchen aus Jackson, Mississippi. Wie fühlen sie sich, wenn sie die weißen Kinder aufziehen? Wie fühlen sie sich, wenn sie auf getrennte Toiletten verwiesen werden? Wie ertragen sie all diese Demütigungen? Zunächst stößt sie auf Ablehnung, Angst und Skepsis.

Niemals könnten die schwarzen Dienstmädchen so über „ihre“ weißen Frauen sprechen, doch als eine von ihnen aufgrund falscher Beschuldigungen ins Gefängnis gehen muss und ein Schwarzer auf der Nachbarschaft auf offener Straße erschossen wird, finden die Dienstmädchen den Mut, über das zu sprechen, was ihnen täglich widerfährt.  Mich hat der Roman wirklich beeindruckt, denn das, was ich in groben Zügen hier geschildert, ist längst nicht alles, was in diesem Buch passiert. Es ist so voller liebevoller und humorvoller Momente, dass es, trotz aller Grausamkeiten, eine Freude ist Aibileen, Minny und Skeeter auf ihrem Weg zu begleiten. Wie man im Nachwort lesen kann, sind viele Figuren entweder der Autorin oder ihrem damaligen Kindermädchen nachempfunden.

Wer hier ein tiefgreifendes Drama über die Südstaaten in den 60ern erwartet, wird nicht befriedigt. Es ist einfach eine schöne Geschichte, mitunter etwas schablonenhaft, wenn auch nicht so massiv, wie es der Film umgesetzt hat. Im Film bekommt man mitunter den Eindruck, alle Weißen seien böse und alle Schwarzen gepeinigt, der Roman hingegen kennt schon die Grautöne und nimmt sie wahr. Für alle, die menschliche, vielleicht auch auf historischen Fakten basierende Romane lieben, wird Gute Geister ein wunderschönes Erlebnis sein!

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