Alan Bradley – Flavia de Luce, Mord im Gurkenbeet


Alan Bradley ist ein kanadischer Autor. Nach einer Ausbildung zum Elektrotechniker arbeitete er für verschiedene Radio – und Fernsehstationen, bis er sich 1994 dazu entschloss, seine Zeit gänzlich dem Schreiben zu widmen. Der hier besprochene Debütroman der Flavia de Luce-Reihe wurde mit dem Dagger Award, der bekanntesten Auszeichnung Großbritanniens für Kriminalliteratur, ausgezeichnet. Insgesamt erhielt Der Mord im Gurkenbeet (Im Englischen The Sweetness at The Bottom of The Pie) vier verschiedene Auszeichnungen.

Flavia ist, bei Licht und auch in Dunkelheit betrachtet, eine ziemlich seltsame Elfjährige. Ihre Leidenschaft gilt der Chemie, ihr Herz hängt an der Giftmischerei. Hin und wieder experimentiert sie mit extrahierten Stoffen, wobei ihre Schwestern Ophelia oder Daphne unwissentlich als Versuchskaninchen herhalten müssen. Ihre Mutter ist vor langer Zeit gestorben und sie bewohnt mit ihrem Vater, dem nervenschwachen Dogger, der die Karriereleiter vom Butler zum Chauffeur und wieder rückwärts erklommen hat, das Anwesen Buckshaw. Alles geht seinen gewohnten Gang, Flavias Vater sammelt Briefmarken, die eigenwillige Haushälterin Mrs. Mullet backt ihren ungenießbaren Schmandkuchen. Bis Flavia eines Morgens eine Leiche im Gurkenbeet entdeckt und ihr Vater des Mordes beschuldigt wird.

Sie beginnt auf eigen Faust zu ermitteln und so bekommt die tote Schnepfe, die am Tag vor dem Mord mit einer auf ihren Schnabel gespießten Briefmarke auf der Türschwelle lag und Colonel de Luce beinahe zu Tode erschreckte, eine besondere Bedeutung. Flavia taucht tief in die Philatelie ein, in die Vergangenheit ihres Vaters und entdeckt dabei ein Geheimnis, das durchaus Motiv für den Mord an dem Unbekannten im Gurkenbeet sein könnte. Denn schließlich stellt sich der Fremde als Horace Bonepenny heraus, einem Schulfreund Colonel de Luces. Mit seinem letzten Atemzug, den er gegenüber Flavia aushaucht, macht er ein wichtiges Geständnis: Vale. Gehabt euch wohl, sagten die alten Römer und so auch der alte Mr. Twining, ein Lehrer Colonel de Luces und auch Bonepennys, der sich 1920 angeblich vom Glockenturm der Schule gestürzt haben sollte.

Flavia de Luce ist, obwohl es seinem Aussehen nach häufig so einsortiert wird, definitiv kein Kinderbuch. Bradley schafft es hier, den guten britischen Kriminalroman mit dem englischen Humor zu verknüpfen, den wir kennen und schätzen. Seine Figuren sind liebenswert skurril und überzeichnet, jedoch ohne platt und schablonenhaft zu wirken. Selbstverständlich ist Flavia als Charakter völlig überzeichnet. Ihre Chemiekenntnisse übersteigen selbst die eines chemieinteressierten Jugendlichen bei weitem, ihre Kombinationsgabe ist absolut nicht altersgerecht und ihre Abgebrühtheit hat wenig Kindliches. Aber gerade das macht sie so amüsant. Ich kann nur jedem ans Herz legen, der britische Krimis in Verbindung mit dem entsprechenden Humor schätzt, Bradley mal zur Hand zu nehmen. Ich habe es sehr gern gelesen! ( – und glücklicherweise gibts ja noch zwei Teile.)

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4 Gedanken zu “Alan Bradley – Flavia de Luce, Mord im Gurkenbeet

  1. Pingback: Alan Bradley: The Sweetness at the Bottom of the Pie (2009) | buchpost

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