Chevy Stevens – Never Knowing


 

Chevy Stevens ist eine amerikanische Autorin. Sie ist auf einer Ranch auf Vancouver Island aufgewachsen und arbeitete lange als Immobilienmaklerin. Bei der Arbeit kam ihr die Idee zu ihrem ersten Thriller Still Missing, der sofort ein großer Erfolg wurde. Never Knowing ist nun ihr zweiter Thriller, er erscheint weltweit in zwanzig Sprachen.

Eigentlich lese ich ja kaum noch Thriller, aber ich hatte mal wieder das Bedürfnis, mich auf dem heimischen Sofa lässig über emotionale Abgründe zu lehnen – also entschied ich mich für Chevy Stevens. Denn sie entwirft hier ein Szenario, das im ersten Augenblick unvorstellbar erscheint. Sara Gallagher, Protagonistin der Geschichte, ist adoptiert und spielt schon lange mit dem Gedanken, sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern zu machen. Ein Artikel über Adoption fungiert als Stein des Anstoßes. Nach unrealistisch kurzer Zeit hat Sara auch ihre Geburtsurkunde angefordert und ihre leibliche Mutter ausfindig gemacht, die an einer nahegelegenen Universität als Dozentin arbeitet.

Die will allerdings nichts von ihr wissen und stürzt Sara, die von ihrer Adoptivfamilie oftmals nicht den Rückhalt erfahren hat, den sie gebraucht hätte, in eine Krise. Um mehr herauszufinden, engagiert sie einen Privatdetektiv, der ihre Mutter beschattet und ein furchtbares Geheimnis herausfindet. Sara ist das Kind eines bundesweit bekannten Serienmörders – des sogenannten Campsite-Killers. (zweifelsohne inspiriert von Ted Bundy) Ihre Mutter war das einzig überlebende Opfer des Mörders, der jeden Sommer auf Campingplätzen seine Opfer sucht und von der Polizei bisher nicht gefasst wurde. Sara ist also nicht nur das Ergebnis einer grauenvollen Vergewaltigung, sondern auch die Tochter eines Serienmörders. Ein Szenario, das zwar konstruiert scheint, aber nicht ganz so unrealistisch ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Einige der bekanntesten  Serienmörder, darunter Ted Bundy und Richard Ramirez haben nach ihrer Veurteilung noch im Gefängnis geheiratet – und wären dementsprechung durchaus zur Zeugung eines Kindes in der Lage gewesen.

Der Campsite-Killer kommt durch mysteriöse Umstände in den Besitz von Saras Telefonnummer und ein merkwürdiges Katz – und Mausspiel beginnt. Die Polizei meint, dass Sara die einzige Möglichkeit ist, diesen Mann zu erwischen, weshalb sie ihr regelmäßig nahelegt, mit ihrem leiblichen Vater zu sprechen und sein Vertrauen zu erschleichen. Der Mörder schickt ihr Geschenke, nachgebildete Puppen seiner Opfer und beginnt, sich immer mehr auf Sara zu verlassen. Sie muss überall und immer für ihn erreichbar sein, sonst suche er sich ein neues Opfer, sagt er. Man kann sich vorstellen, was das für eine grausame Situation ist, oder? Ich muss leider sagen, dass dieser Plot doch etwas konstruiert wirkt. Zwar hat er keine Längen, aber viele Wiederholungen. Nachdem die Identität von Saras Vater enthüllt wurde – und dies geschieht so früh im Buch, dass es fast übereilt wirkt – ist die Handlung bestimmt von den sich widerholenden Anrufen und den Besuchen der Polizei. Der Killer ruft an – Sara ist aufgebracht – die Polizei kommt. Gelegentlich wird dieses Muster variiert, bleibt sich aber bis zum bitteren Ende treu.

Man mag von der Polizei darüber hinaus halten, was man möchte, aber wie wahrscheinlich ist ein derart erpresserisches Vorgehen? Immer wieder legen sie Sara nahe, weiterhin Kontakt zum Killer zu halten, sonst trüge sie die Schuld, wenn er ein weiteres Opfer auswählte. Nicht ein einziges Mal hat die Polizei irgendwelche nennenswerten Beweise, immer kommt sie zu spät und – über allem stehend – sei erwähnt: Dieser Killer tötet seit über dreißig Jahren jeden Sommer. Wie kann es sein, dass man ihn in dieser langen Zeit nicht erwischen oder wenigstens eine Spur finden konnte? Die schlimmsten Serienmörder unserer Geschichte, Ted Bundy, Richard Ramirez, Jeffrey Dahmer, John Wayne Gacy und David Berkowitz sind gefasst worden. Irgendwann hat jemand etwas bemerkt, haben die Täter einen Fehler gemacht. Und Frau Stevens will mir weismachen, dieser Campsite-Killer bleibt dreißig Jahre unbehelligt?

Die plötzliche Wendung am Ende bleibt vorhersehbar, die Geschichte krankt an ihrer unrealistischen und wackligen Konstruktion. Zwar liest es sich gut und leicht weg, aber wer bewusst Wert auf gut durchdachte Thriller und Krimis legt, ist mit diesem vielleicht nicht besonders gut beraten.

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