Jane Austen – Emma


Jane Austen (1775-1817) war eine britische Schriftstellerin, deren Hauptwerke Stolz und Vorurteil und Verstand und Gefühl zu den Klassikern englischer Literatur gehören. Austen orientierte sich stilistisch am klassischen Sittenroman und beschreibt demgemäß überwiegend das gesellschaftliche Leben der betuchteren Schichten.

Die Geschichte um Emma ist schnell erzählt. Emma Woodhouse ist Anfang zwanzig und zeigt sich verantwortlich für die Haushaltsführung ihres kranken Vaters. Wo andere Menschen zu zurückhaltend sind, ist Fräulein Woodhouse sehr freigiebig mit ihrer Meinung. Darüber hinaus meint sie auch für jedes potentielle Liebespaar das richtige Rezept zu kennen. Kurzum, sie ist eine altkluge und bisweilen nervtötende Kupplerin, die ihre Nase in alles außer ihr eigenes Leben steckt. Man verzeihe mir diesen Ausdruck, aber spätestens nach zweihundert Seiten beginnt diese Altklugheit sehr anstrengend zu werden.

So folgen wir also Emma Woodhouse auf ihrem Weg und in ihrer Entwicklung.

Jane Austen zu bewerten, ist sehr schwierig. Entweder, man verliebt sich in ihre Art des Schreibens oder man tut es nicht. Vorweg : Ich mag die britischen Literaten. Ich war nicht vorurteilsbehaftet. Ich kann Bücher ertragen, in denen wenig geschieht, solange es eine ausgleichende Ebene gibt. Solange ich mir vorstellen kann, dass die Inhaltlosigkeit irgendeinen Zweck erfüllt. Aber bei Jane Austen plätschert die Handlung so dahin und ist, was an sich noch nicht schlimm wäre, müsste man nicht das Thema berücksichtigen, sehr dialoglastig. Es werden seitenlange Dialoge geführt über Standesbewusstsein, Apfelkuchen und offene Türen. Etwa ab der Mitte des Buches begann ich ernsthafte Aggressionen hinsichtlich der thematisch so leeren Gespräche und der vorlauten Art der Protagonistin zu empfinden.

Ich möchte anmerken, dass am Schreibstil Austens gar nichts auszusetzen ist, es ist die inhaltliche Gestaltung, die, jedenfalls scheint es so, sehr platt und oberflächlich bleibt. Freilich spiegelt das nur das blasierte Leben der viktorianischen Upper-Class. Man könnte es feine Ironie nennen, wenn man nicht so sehr danach gierte, dass Ms. Woodhouse und Mr. Frank Churchill sich endlich darüber einig werden, wieviele Personen wohl in diesen einen bestimmten Tanzsaal passen. Kurzum, es finden sich viele standesabhängige Konflikte, die uns heute vollkommen fremd sind. Und da käme ich vielleicht zu relativierenden Faktoren meiner Kritik : der Zeit und dem gesellschaftlichen Umfeld.

Wenn Dickens schreibt, schreibt er mehrheitlich von den Armen, den Schicksalsgebeutelten. Wenn Austen schreibt, erscheinen vor meinem inneren Auge unwillkürlich Damen in Spitzenkleidern samt Teetässchen und abgespreiztem kleinen Finger. Wer das mag, dem wird Austen gefallen, der wird sie vermutlich für die Präzision ihrer viktorianischen Seifenoper der höheren Gesellschaft lieben. Ich, für mich ganz persönlich, konnte dem nicht viel abgewinnen, abgesehen von ein paar schön formulierten Sätzen.

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