Herman Melville – Moby Dick


Herman Melville (1819-1891) war ein amerikanischer Schriftsteller, Essayist und Dichter. Mit Moby Dick hat er eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur geschrieben. Leider bekam Melville davon zu Lebzeiten verhältnismäßig wenig zu spüren – nur 3000 Exemplare wurden damals verkauft. Als Melville starb, war sein Werk bereits vergessen. Erst in den 1920ern schenkte man seinen Werken wieder Beachtung, zu denen auch Bartleby der Schreiber, angeblich ein Vorläufer absurder und existenzialistischer Literatur, gezählt wird.

Aber nun zum weißen Wal oder der Walgeschichte überhaupt.

Unser Protagonist namens Ismael, über dessen Leben und Vorgeschichte wir nichts wissen, beschließt, auf See zu fahren. Die See vertreibt ihm die schlechte Stimmung, die ihn an Land immer wieder überfällt und so macht er sich auf die Suche nach einem Schiff und einer Mannschaft, die noch eine helfende Hand gebrauchen kann. In New Bedford, dem Zentrum des amerikanischen Walfangs trifft er auf einen – ja – „Wilden“ namens Quiqueg. Oder wenigstens empfindet Ismael ihn als wild und beängstigend, denn er ist schwarzer Hautfarbe und nicht sehr gesprächig.

Nach einigen mehr oder weniger skurillen Szenen der Annäherung entdecken die beiden aber doch ihre Sympathie füreinander, fahren nach Nantucket, einem alten Walfängerhafen und heuern dort auf der Pequod an. Erst nach einigen Tagen auf dem Schiff lernen sie den Kapitän kennen. Einen mürrischen, verschlossenen und holzbeinigen Gesellen namens Ahab. Was zunächst wie eine ganz normale Seereise beginnt, gerät zum ahabschen Rachefeldzug. Seitdem ihm der weiße Wal ein Bein abgerissen hat, kennt dieser Mann nur noch ein Ziel – den Wal finden und an ihm Rache nehmen. Und so beginnt er, die ganze Mannschaft ausschließlich für seine Zwecke einzuspannen, was ihm aufgrund einer doch sehr einnehmenden Ausstrahlung und rhetorischer Brillianz gelingt. Seine Mannschaft fängt Feuer für das Unternehmen, obwohl natürlich niemand denselben emotionalen Antrieb hat wie Ahab selbst.

Monatelang kreuzt das Schiff auf See, man harpuniert Wale, fängt sie, erleichtert sie um das kostbare Öl und tut sich am Fleisch gütlich, bis zum großen Finale, – dem Aufeinandertreffen von Moby Dick und Ahab. Letzterer hält totz sinkenden Schiffs und auswegloser Lage an seinem Racheplan fest, ist vollkommen besessen und man möchte fast sagen, diese krankhafte Halsstarrigkeit bringt ihm am Ende, nicht unbedingt, was er verdient, aber was zu erwarten war.

Man könnte meinen, inhaltlich sei der Walfang bloß Nebensache, so aber nicht für Melville. Die Handlung wird immer wieder durch Schilderungen des Wals, anatomischer Besonderheiten oder geschichtlicher Hintergründe unterbrochen, woran man sich zunächst gewöhnen muss. Der ein oder andere kommt vielleicht aus dem Erzähltakt, wenn Melville seitenlang über die Farbe Weiß und ihre Beudeutung philosophiert. Nicht, dass das Geschriebene nicht auf einer metaphysischen Ebene nachvollziehbar wäre, aber gelegentlich erhält man den Eindruck, er wollte eigentlich ein anderes Buch schreiben – eigentlich keine Prosa. Viel eher ein philosophisch-zeitgeschichtlich relevantes Lexikon des Walfangs.

Es ist also, trotz aller „actionreichen“ Szenen, ein eher ruhiges und theoretisches Buch, größtenteils getragen von Ahabs Wahn und Selbstüberschätzung. Viele bezeichnen es rundweg als langweilig, dem muss ich widersprechen. Es ist an einzelnen Stellen sehr schwierig, insbesondere wenn der Lesefluss immer wieder unterbrochen ist, man verliert leicht den Faden. Andererseits lernt man viel, nicht nur über den Wal an und für sich, sondern auch über die Methoden des Walfangs.

Die einzig für mich bleibende Diskrepanz besteht zwischen den Schilderungen des majestätischen, gottgleichen Wals – nicht umsonst trägt er den Namen Leviathan – in seiner einschüchternden Größe und Eleganz  und der absoluten Leichtigkeit, ja fast Leichtfüßigkeit, mit der diese Tiere niedergemetzelt und ausgenommen werden. Würde man etwas so Wunderschönes, Anmutiges und Majestätisches einfach ohne den Hauch eines Gewissens töten ? Wenn ich es so bewundernswert finde, weshalb töte ich es dann ? (jedenfalls in diesem Mengen und dieser Rücksichtslosigkeit) Das bleibt ein Rätsel des Walfangs. Jedenfalls bei Melville.

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