Carlo Collodi – Pinocchio


Carlo Collodi (1826-1890, eigentlich Carlo Lorenzini) war ein italienischer Schriftsteller und Journalist. Sein Pseudonym Collodi leitet sich vom Dorf Collodi ab, in dem seine Mutter geboren wurde. Der große Erfolg seines Werkes stellte sich, wie bei vielen Schriftstellern damaliger Zeit, erst nach seinem Tode ein. Aufgrund seiner großen Verbreitung nahm es auch entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der italienischen Sprache.

Wir kennen sie alle. Die Geschichte von dem Holzjungen Pinocchio, dessen Nase sich auf wundersame Weise verlängert, wenn er lügt. Von seinem „Vater“ Gepetto, dem Tischler, die Geschichte von Moralapostel Jimini Grille und all den Versuchungen, denen ein kleiner Junge widerstehen soll, wenn er einmal ein guter und pflichtbewusster Junge werden will. Wir alle kennen nur Versatzstücke oder die Disney-Adaption, sodass ich es für angelegen hielt, mich von der Originaltreue der zahlreichen Kinderserien und -filme zu überzeugen.

Und ich war schockiert.

Gut, nicht schockiert. Aber wieder einmal verwundert, wie das Stille-Post-Prinzip ein Werk in seiner Stimmung so sehr verändern kann. Collodis Pinocchio beginnt mit dem Tischler Kirsch, den das ganze Dorf seiner beständig roten Nase wegen auch beständig beim falschen Namen nennt. Als dieser ein Stück Holz bearbeiten will und immer wieder ein wimmerndes Stimmchen vernimmt, dass ihm sagt, es täte ihm weh, wenn auf ihm rumgehobelt würde, hat er zunächst Angst, den Verstand zu verlieren.

Sein „Freund“ Gepetto kommt ihn zufällig besuchen. Er trägt eine maisgelbe Perücke (ja, wir erinnern uns an den lieben grauhaarigen Herren bei „Walt-die-Welt-ist-schön“-Disney) und gerät mit Tischler Kirsch in Streit. Es fliegen die Fetzen, die beiden prügeln sich, Gepettos Perücke fliegt durch den Raum. Und er erklärt sich bereit, nachdem beide sich wieder beruhigt haben, das wimmernde Holzscheit mitzunehmen. In seiner Werkstatt schnitzt er eine Puppe daraus.

Diese Puppe erwacht zum Leben. Ohne, dass jemand darüber besonders erstaunt wäre. Sprechende und aufsässige Holzpuppen gehören zum Alltag. Endlich zum Leben erwacht, läuft Pinocchio fort und Gepetto wird bei dem Versuch, seinen Jungen wiederzufinden, direkt mal inhaftiert. Als Pinocchio wiederum nach Hause zurückkehrt, weil er hungrig ist, trifft er dort auf eine Grille, die ihm kluge Ratschläge gibt. Er dürfe seinen Eltern nicht davonlaufen, müsse brav und folgsam sein. Prompt wirft Pinocchio ein Werkzeug nach dem, was wir als Jimini mit Hut und Frack kennen – und die Grille fällt, ja, so steht es geschrieben, mausetot zu Boden.

In diesen ersten zwanzig Seiten ist mehr Gewalt, als es jemals in einem gesamten Disneyfilm gab.

Aber Gepetto kümmert sich aufopferungsvoll um seinen kleinen Holzrebellen. Der arme Tischler verkauft seine warme Jacke, um Pinocchio eine Fibel zu kaufen, damit der zur Schule gehen kann. Dort kommt Pinocchio aber niemals an, weil er zufällig auf ein Puppentheater trifft, wo Puppen wie er auf der Bühne stehen – und wo er seine Fibel leichtfertig fortgibt. Er feiert und tanzt ausgelassen mit den seinen, bis der Theaterdirektor, erbost über die mangelnde Folgsamkeit seiner Holzpuppen, ein Feuer mit ihnen machen will. Aber ihn überkommt doch das Mitleid angesichts Pinocchios Geschichte und so lässt er ihn gehen und schenkt ihm fünf Goldstücke.

Die Pinocchio aber prompt an zwei Betrüger in Katzen – und Fuchsgestalt verliert, die ihm von einem Wunderbaum erzählen, der aus seinen Goldstücken wüchse, wenn er sie auf einem ganz bestimmten Feld eingrabe. 500 Goldstücke könne er aus seinen fünf machen oder vielleicht noch mehr. Und naiv  wie er ist, stellt er das auch nicht in Frage.

Ich möchte gar nicht jede Episode der Reise Pinocchios nacherzählen. Zweifelsfrei ist es ein unterhaltsames Buch, wenn es auch selbst unter Berücksichtigung seines Erscheinungsdatums den pädagogischen Holzhammer schwingt. Sei immer brav, folgsam, hör auf deine Eltern, geh zur Schule und lern was Ordentliches. Heute würde man mit einer solchen Botschaft wahrscheinlich nicht mehr viele Kinder ansprechen, damals stand die Geschichte und die Entwicklung Pinocchios im Vordergrund. Und die ist auch noch heute lesenswert.

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