Carl Zuckmayer – Des Teufels General


Carl Zuckmayer (1896-1977) war ein deutscher Schriftsteller. Der literarische Durchbruch gelang ihm mit seinem Stück Der fröhliche Weinberg, dessen Darstellung eines Corpsstudenten zu einigen Skandalen führte. Dennoch gilt es als das meistaufgeführteste Stück der 20er Jahre. Zuckmayer war als Dramaturg in München gemeinsam mit Bertolt Brecht am Deutschen Theater Berlin tätig.

Des Teufels General spielt in der Zeit des Dritten Reiches und erzählt von NS -Fliegergeneral Harras (der ein tatsächlich existierendes Vorbild namens Ernst Udet  hat, mit dem Zuckmayer befreundet war), der seine Fähigkeiten dem nationalsozialistischen Regime zur Verfügung stellt, obwohl er politisch völlig anders gesinnt ist und das auch, sogar gegenüber der SS deutlich kundtut.

Als er versucht, eine angebliche Sabotageaktion des Widerstandes an einem neuen Flugzeugtyp aufzudecken und dabei fetsstellt, dass es sich um eine Fehlkonstruktion handelt, nimmt er, um die Arbeiter, die allesamt keine Nationalsozialisten sind, zu schützen, die volle Verantwortung auf sich.

Harras ist eine schwierige Figur, die sich, meines Erachtens, nicht eindimensional und vorschnell beurteilen lässt. Lange nach der Lektüre habe ich mich gefragt – ist er ein Mitläufer wie Hendrik Höfgen in Klaus Manns Mephisto ? Ich glaube das verneinen zu können, schließlich steht Harras auch vor hochrangigen SS-Männern zu seiner politischen Meinung, so überdeutlich manchmal, dass man nicht umhin kann, es leichtsinnig zu nennen.

Ist er positiv zu beurteilen, weil er seine Stellung nutzt, um Menschen zu helfen ? Ist er ein Held, weil er sich für andere opferte ? Auch das kann man bezweifeln, dafür unterstützt er das Regime zu sehr, wenn Leib und Seele auch nur der Fliegerei, nicht etwa der nationalsozialistischen Ideologie gelten. In der letzten Konsequenz macht es schließlich keinen Unterschied, ob ich mich, auch geistig überzeugt, einer Sache hingebe oder innerlich dagegen rebelliere. Was wir tun, zeigt, wer wir sind ?

Zuckmayer gelingt es, bisweilen auch mit einer Prise Humor, Harras  menschlich zu zeichnen. Empfindet man ihn anfangs in seiner Selbstdarstellerei noch als schmierig, beginnt man nach und nach, ihn als nachvollziehbar, fast sympathisch zu empfinden, ohne, dass man auszublenden angehalten ist, was Harras seit Beginn des Krieges tut.

Wie man Harras allerdings in letzter Instanz beurteilt, muss jedem selbst überlassen bleiben. Kann man in ihm den Menschen sehen, der sich seiner Leidenschaft wegen von einem menschenverachtenden Regime vereinnahmen ließ oder muss man unweigerlich den Mitläufer, den Verschweiger und den Duldenden in ihm sehen ? Dieses Stück wirft wichtige Fragen über Verantwortung auf.

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