Aldous Huxley – Schöne neue Welt


Aldous Huxley (1894-1963) war ein britischer Schriftsteller, dessen obiger Roman zu den bekanntesten Dystopien überhaupt gehört. Huxley veröffentlichte aber auch Essays, Kurzgeschichten, Reiseberichte und schrieb Drehbücher, in denen er moralische Normen hinterfragte und, wie auch in Brave New World, wissenschaftliche Errungenschaften auf den Prüfstand stellte. Huxley war in den 60ern berühmt für seinen experimentellen Meskalinkonsum, aus dem die Essays Die Pforten der Wahrnehmung & Himmel und Hölle hervorgegangen sind, in denen Huxley die Wirkung der Droge auf die menschliche Psyche untersuchte.

Dystopien sind negative Zukunftsentwürfe, das Gegenstück zur Utopie. Viele Autoren haben eine fiktive Gesellschaft der Zukunft entworfen, in der auch Elemente der gegenwärtigen Gesellschaft häufig in überzeichneter Weise auftauchen. Beispiele hierfür sind Orwells 1984, Bradburys Fahrenheit 451 oder Samjatins WIR. Und so hat auch Huxley versucht, uns vor dieser schönen, neuen Welt zu warnen, deren Anklänge er bereits zu Zeiten der Veröffentlichung, um 1932, zu registrieren schien.

Huxley erschafft eine Gesellschaft, in der Kinder nicht mehr normal geboren, sondern in sogenannten Brut – und Normzentralen gezüchtet werden. Eine Gesellschaft, die ähnlich wie das indische Kastensystem organisiert ist. Jeder bekommt schon von kleinauf, durch sogenannte Hypnopädiesitzungen (eine konstante Suggestion im Schlaf) eingebleut, zu welcher Kaste er gehört und was im gesellschaftlichen Zusammenleben wichtig ist. Wo bei Orwell noch menschliches Miteinander herrscht, präsentiert sich hier eine sehr technische und entmenschlichte Zukunftsidee.

Durch die Suggestionen und eine Droge namens Soma, werden die Menschen nicht nur mundtot gemacht, sondern auch geistig mit der Regierung und den Gegebenheiten in Einklang gebracht, Konformität ist von großer Bedeutung für den Fortbestand dieses Modells. Ursprünglich als Satire auf naiven Fortschrittsglauben konzipiert, entwirft Huxley etwas zutiefst Erschreckendes, was zwar auf den ersten Blick unrealistisch erscheint, in einzelnen Gesichtspunkten der jetzigen Gesellschaftsorganisation aber gar nicht so fern ist, wie man annehmen könnte. Die Hypnopädie oder Schlafschule, bereitet auf das Leben vor, Phrasen wie ‚Ending is better than mending‚, „I love new clothes“ oder Anweisungen bezüglich der existierenden Hierarchie, von Alphas bis Epsilons finden immer wieder Erwähnung und erinnern ein wenig an die mediale Beeinflussung, der wir heute durch Werbung, TV und anderen Kommunikationsmedien ausgeliefert sind.

Unser Protagonist Bernard Marx ist entgegen aller anfänglichen Erwartungen nicht etwa der Rebell, der die bestehende Ordnung hinterfragt, sondern ein sehr repräsentativer Menschentypus, der sich mit allem zu arrangieren weiß, wenn er nur die Anerkennung bekommt, die ihm sonst nicht zuteil wird. Es ist beängstigend, im Laufe des Romans die Protagonisten immer wieder diese hohlen Phrasen aus frühen „Hypnopädiesitzungen“ herunterleiern zu hören, ohne, dass irgendjemand sie hinterfragte.

Ich will gar nicht zuviel Inhaltliches sagen, es gibt genügend Aspekte des Romans, auf die man gesondert eingehen könnte – seien es nun die spirituellen Sitzungen, obwohl Religion kein Teil des Alltagslebens der Menschen ist, sei es das Verhalten des „Wilden“ Savage in der Konfrontation mit zivilisiertem Leben. Viele halten Huxleys Werk für langweilig, was ich aber keineswegs unterschreiben kann. Er mag zunächst unzugänglicher sein als Orwell, deshalb aber nicht weniger wichtig in der Auseinandersetzung darüber, wie unsere Zukunft aussehen sollte.

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