Arthur Miller – Hexenjagd


Arthur Miller (1915-2005) war ein amerikanischer Schriftsteller und gilt als einer der einflussreichsten Dramatiker der moderneren Literatur. In vielen seiner Werke kritisiert er den American Way Of Life und wie auch in Hexenjagd stellt er heraus, dass jeder selbst für die Aufrechterhaltung von Moral und Gerechtigkeit verantwortlich ist. Für Tod eines Handlungsreisenden bekam Miller 1949 den Pulitzerpreis verliehen.

Salem, Massachusetts, Frühling 1692.
Einige Mädchen tanzen nachts im Wald um ein Feuer, eine schwarze Sklavin murmelt über dem Feuer einige Beschwörungsformeln und der Pastor erwischt sie dabei. Er ist nicht nur erschüttert über die Situation an sich, sondern vielmehr über die Tatsache, dass seine Tochter involviert zu sein scheint.

Am nächsten Tag beklagen mehrere Familien, dass ihre Töchter (die an diesem eigentlich unschuldigen Zeremonial teilgenommen haben) das Sprechen und Essen verweigern, so auch Betty Parris, die Tochter des Pastors. Schnell beginnen die Einwohner der Stadt zu argwöhnen, die Mädchen könnten den Teufel beschworen haben. Wie sonst könne es möglich sein, dass Ann Putnam sieben Kinder tot zur Welt brachte ?

Was sonst wäre die Ursache für beständige Anklagen innerhalb der Stadt, fortwährendes Tuscheln und Lügen ? Die Mädchen äußern sich zunächst nicht, erst als ein Gericht in Salem etabliert wird, das alle angeblich mit dem Teufel im Bunde Stehenden Einwohner zum Tode verurteilen soll, gewinnen sie an Bedeutung. Insbesondere Abigail Williams, die sich vor jedem niederwirft und schreit, den sie für schlecht und unrein hält. So wird Todesurteil um Todesurteil verkündet, persönliche Rachegelüste werden ausgespielt, ein Schneeballeffekt von Verleugnungen und Anschuldigungen wird in Gang gesetzt.

Manche mögen es für sehr moralisierend halten, mir hat das Stück in seiner Eindringlichkeit sehr gut gefallen. Nach Etablierung dieses Gerichts konnte jeder für ein noch so bedeutungsloses Vergehen von einer der „Hexen“ ausgeschrien und verurteilt werden. Man spricht von Mord, obwohl in der ganzen Stadt keiner gemeldet oder bekannt war und fast alle steigern sich in einen Denunzierungswahn, der seinesgleichen sucht. Es gibt zwar noch Menschen, die dagegen ankämpfen, John Proctor oder Rebecca Nurse, aber diese Minderheit ist nicht stark genug, den erst einmal ins Rollen gebrachten Stein aufzuhalten.

Immer mehr Lügen werden verbreitet und bisweilen ist man völlig erschüttert, wie die angeblich christlichen Einwohner in der Lage sind, Worte im Munde herumzudrehen und Tatbestände zu erfinden, die es so niemals gegeben hat. Miller schrieb es auch im Hinblick auf die Kommunistenverfolgung und -hetze der Fünfziger Jahre. Ich finde, ihm ist ein eindrückliches Bildnis dessen gelungen, was passiert, wenn eine Mehrheit erst einmal jemanden gefunden hat, auf dessen Rücken sie all ihre kleinen, gemeinen Rachepläne in die Tat umsetzen können.

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