Ursula Poznanski – Erebos


Ursula Poznanski ist eine österreichische Schriftstellerin, die bisher überwiegend Kinderbücher publizierte. Mit Erebos, das ihr die Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis 2011 einbrachte, hat sie erstmals ein Jugendbuch veröffentlicht.

Der erste Blick auf Erebos vermittelt eher den Eindruck eines reißerischen Thrillers, aufgeplustert und mit realitätsfernen Handlungssträngen ausgepolstert, um die eher abgeneigten jugendlichen Leser doch dazu zu bewegen, mal ein Buch in die Hände zu nehmen. Aber hier greift eindeutig die vielfach strapazierte Weisheit – don’t judge a book by it’s cover.

Nick Dunmore ist ein ganz normaler Schüler, sein Leben ist durchschnittlich, er ist beliebt. Bis eines Tages an seiner Schule kleine Päckchen verteilt werden, um dessen Inhalt ein riesiges Geheimnis gemacht wird. Viele Mitschüler beginnen immer wieder, dem Unterricht fernzubleiben oder erscheinen komplett übernächtigt und ausgezehrt. Zunächst wahrt Nick solange die Distanz zu diesen seltsamen Entwicklungen, bis man auch ihm ein Päckchen überreicht – und ihm damit die Pforten zu Erebos‘ Welt öffnet.

Erebos ist nicht nur der griechische Gott der Finsternis, sondern auch ein Computerspiel, das nicht nur wahnsinnig real scheint, sondern auch Aufgaben an seine Spieler stellt. Zunächst hatte ich den furchtbaren Eindruck, Frau Poznanski wolle mit erhobenem Zeigefinger die WoW-Spieler zur Vernunft rufen oder künftige Generationen davor warnen, sich mit Online-Rollenspielen zu befassen. Sie legt Erebos die bekannten Mechanismen eines Rollenspiels zugrunde – die Auswahl eines gewissen Volkes mit bestimmter Eigenschaft, die Möglichkeit, durch besondere Leistungen Stufen aufzusteigen und stärker zu werden.

Da auch ich Interesse an Spielen dieser Art habe, fühlte ich mich zunächst unangenehm belehrt und glaubte zu wissen, wohin die ganze Geschichte gehen würde. Nick verbringt immer mehr Zeit vor dem Computer, vernachlässigt seine Freunde und Verpflichtungen in der Schule, er wird, genau genommen, genauso kratzbürstig wie ein Süchtiger, dem man sein Suchtmittel entzieht. Aber nach und nach scheint sich Erebos mit der Welt außerhalb zu verbinden, es stellt Aufgaben, die nicht online, sondern in der außervirtuellen Welt erfüllt werden müssen.

Auch hier habe ich gedacht, dass Poznanski das unmöglich plausibel auflösen könnte. Ich rechnete also mit einem komplett absurden Ende oder gar mit keiner Auflösung. Auch hier wusste die Autorin zu überraschen, wenngleich ich auch kein Urteil darüber abgeben möchte, wie (technisch) wahrscheinlich diese Auflösung ist. Am Ende muss ich sagen, dass es viele interessante Wendungen gibt, die der Geschichte Tiefe und Spannung verleihen. Das Buch lässt darüber nachdenken, wieviel Spielraum man virtuellen Welten einräumen sollte, ohne, dass man sich einem Moralapostel gegenübersieht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s