François Lelord – Das Geheimnis der Cellistin


François Lelord werden die meisten entweder im Zusammenhang mit psychiatrischer Praxis oder aber durch seine Hectorromane kennen. (Hector oder die Suche nach dem Glück 2003, Hector und die Geheimnisse der Liebe 2005, Hector und die Entdeckung der Zeit 2006, Im Durcheinandertal der Liebe 2008, Hector und die Geheimnisse des Lebens 2010). Lelord arbeitete jahrelang als Psychiater sowohl in öffentlichen Krankenhäusern als auch in seiner Privatpraxis. Mit Christophe André schrieb er überwiegend Fachbücher zu psychologischen Themen.

Mit Das Geheimnis der Cellistin, ursprünglich 1993 erschienen, gibt Lelord Einblick in seine psychiatrische Praxis.

In mehreren leicht verständlichen Kapiteln werden die Symptomausprägungen verschiedenster Störungen beschrieben. Es finden sich Abhandlungen über Agoraphobie, Autismus, Depression, Schizophrenie, Bulimie und akute Stressreaktionen. Lelord unterwirft hier seine damaligen Schriften einem prüfenden Blick und gibt nicht nur Einsicht in die Hirnforschung und etwaig vorhandene genetische Dispositionen, sondern er zieht auch einen grundsätzlichen Vergleich zwischen damaligen und heutigen Behandlungsmethoden. Nicht immer hat sich viel verändert, ab und an bemerkt man aber doch den Fortschritt der heutigen Psychiatrie.

Hier sehe ich den ersten, allerdings einzigen Kritikpunkt. Man merkt Lelord seine Profession als Psychiater sehr deutlich an. Immer wieder finden sich seichte, aber doch spürbare Seitenhiebe gegen die empirisch in ihrer Wirkung wesentlich schlechter belegbare Psychoanalyse und auch im Hinblick auf medikamentöse Behandlung ist Lelord so freigiebig wie Psychiater es eben häufig sind. Gegen alles ist ein Kraut gewachsen, gegen alles gibt es Pillen. Dem kann man zustimmen, muss man aber nicht.

Für jeden, der sich für Psychologie interessiert, als Betroffener, Angehöriger oder Laie empfinde ich dieses Buch als sehr empfehlenswert. Es vertieft nicht nur das Verständnis für gewisse krankheitsimmanente Mechanismen, sondern bietet neben dem eigentlichen Text auch einen sehr großen Anmerkungsapparat, der ausgiebig weiterführende Literatur auflistet. Wer sich also intensiver mit einzelnen Störungen auseinandersetzen möchte, findet mit Lelord den perfekten Einstieg zur weiteren Recherche. Sein einfühlsamer, aber doch prägnanter und verständlicher Schreibstil ermöglichen auch dem bisher Unerfahrenen das Verständnis.

Sicherlich nicht mein letztes Sachbuch von Lelord.

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